Daimler kündigt Smart-Verträge

Händlerverband blickt zuversichtlich auf aktuelle Neuverhandlungen

| Autor: Dominik Faust

(Bild: Daimler)

Im Juli dieses Jahres war bereits durchgesickert, dass es den Smart bald nur noch elektrisch geben wird. Kurz vor der IAA Anfang September bestätigte Daimler dann, dass die Kleinwagenmarke ab 2020 nicht mehr mit Verbrennungsmotor produziert würde. Gestern hat der Konzern den 113 Händlern in Deutschland die Verträge gekündigt. Für Friedrich Maier, Chef des Verbands der Smart-Vertriebspartner Deutschlands, ist das ein logischer Schritt: „Der Hersteller hat sich entschieden, bestimmte Produkte aufzugeben, zu deren Lieferung er sich jedoch vertraglich verpflichtet hat. Das muss jetzt angepasst werden“, erklärte er im Gespräch mit »kfz-betrieb«.

Zum 30. Oktober 2019, also in zwei Jahren, verlieren die bestehenden Verträge ihre Gültigkeit. Schon jetzt laufen die Neuverhandlungen zwischen dem Hersteller und dem Händlerverband. Maier führt sie mit dem Ziel, „dass alle Kollegen einen Anschlussvertrag erhalten und niemand auf der Strecke bleibt“, wie er sagt. Aus Händlerkreisen heißt es, noch im Dezember solle ein Treffen mit Vertretern beider Seiten stattfinden. In den kommenden Wochen wird es auch darum gehen, wie man die negativen Auswirkungen der Elektromobilität auf die Wirtschaftlichkeit der Servicebereiche kompensieren kann. Denn dass die E-Smarts deutlich seltener gewartet werden müssen, kann Maier in seinem Betrieb in Stuttgart gut nachvollziehen: In der mit Feinstaub belasteten Stadt sind etliche Stromer in der Car-2-Go-Flotte unterwegs.

Smart Electric Drive: Neuauflage des Stromers

Wenn 2020 die letzten Smarts mit Verbrennungsmotor ausgeliefert werden, dann kommen viele davon spätestens drei Jahre später nicht mehr zum regulären Service. Das bedeutet, dass ab 2024 wohl überwiegend E-Smarts in den Werkstätten der Smart-Autohäuser zu sehen sein werden – und das viel seltener als bei den Verbrennern. Kompensieren ließe sich diese aus Sicht der Unternehmer negative Entwicklung zum Teil durch modifizierte Garantieverträge, die Kunden länger an die Werkstätten binden. Diese Aspekte werden in den Verhandlungen sicher ebenso eine Rolle spielen wie eine Bestandssicherung der guten Margen. Auch die Frage nach Zulassungszielen, die es bisher nicht gibt, und der Themenkomplex Onlinevertrieb dürften eine Rolle spielen.

Standorte sieht der Händlerverband nicht in Gefahr. Denn die meisten Partner hätten ihre Betriebe im Speckgürtel von Ballungszentren und seien daher allein über die guten Margen auch in Zukunft überlebensfähig. Damit ergäbe sich ein anderes Bild als in den USA. Im Sommer liefen dort 58 der 85 Smart-Händler dem Konzern davon. Sie gaben an, dass sie die Marke, die in den USA bereits ausschließlich E-Fahrzeuge anbietet, nicht mehr vertreten wollen. Lediglich 27 Händler wollen weitermachen. Damit hat Smart in den USA das kleinste Händlernetz nach Lotus mit 41 Betrieben, Ferrari mit 37 Standorten, Rolls-Royce mit 35 Autohäusern und Lamborghini mit 31 Filialen.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44978862 / Neuwagen)

Plus-Fachartikel

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

45.000 Euro netto will das chinesische Start-up Byton für sein Elektro-SUV M-Byte verlangen. Nach dem Start in China Anfang 2020 soll das Auto ein Jahr später auch nach Europa kommen. Byton-Manager Andreas Schaaf erläutert die Pläne des Fabrikats. lesen

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi schaltet sich immer häufiger zwischen freie Werkstatt und Endkunde. Aus Sicht der Berliner geschieht das nur zum Vorteil der Betriebe. Die künftigen Pläne des Start-ups erläutert Geschäftsführer Philipp Grosse Kleimann. lesen