Daimler Trucks: Vision des unfallfreien Fahrens

Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Christoph Seyerlein

Mercedes-Benz Lkw hat seine Neuheiten vorgestellt, die auf der IAA Nutzfahrzeuge im September zu sehen sind. Dazu gehören unter anderem zwei Weltneuheiten, die ab Dezember lieferbar sind.

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(Bild: Daimler)

In Wörth, dem größten Lkw-Montagewerk der Welt, hob Mercedes-Benz Trucks den Schleier von seinen Neuheiten der IAA Nutzfahrzeuge. Selbst die dortige Teststrecke rückte in den Mittelpunkt der IAA-Vorschau. Auf ihr präsentierten die Stuttgarter der internationalen Presse die neuen aktiven Sicherheitssysteme mit Personenerkennung: den Active Brake Assist 4 (ABA 4) mit Fußgängererkennung und den Abbiegeassistenten, der vor Fußgängern, Radfahrern sowie Hindernissen warnt und jetzt endlich die Markteinführung hat.

Die Vorführungen zeigten, dass ein Actros mit ABA 4 aus 80 km/h vor Ingo Scherhaufer, Leiter Fahrerassistenzsysteme bei Mercedes-Benz Trucks, mit nickendem Fahrerhaus sicher zum Stehen kam. Ebenso beeindruckten die Vorführungen des Lkw mit Abbiegeassistenten, wo es zu keiner Gefährdung des Fahrradfahrers kam und der Fahrer vor Hindernissen in der Schleppkurve gewarnt wurde.

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Obwohl die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer in Verbindung mit Nutzfahrzeugen ab 3,5 Tonnen in der EU zwischen den Jahren 2004 bis 2013 um knapp 50 Prozent von 7.826 auf 4.021 Todesopfer sank – die Gesamtzahl der Getöteten bei Straßenverkehrsunfällen reduzierte sich im gleichen Zeitraum um 45 Prozent auf rund 26.000 Verkehrstote – stieg gleichzeitig die Verkehrsleistung von Lkw deutlich. Das Statistische Bundesamt und der Unternehmerverband BGL bilanzieren für Deutschland von 1992 bis 2014 eine Zunahme der Transportleistung von Lkw in Tonnenkilometern um 85,3 Prozent.

Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Verkehrstoten bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung um 59,7 Prozent. Ein Drittel der Verkehrstoten aus Lkw-Unfällen sind Fußgänger (22 %) und Radfahrer (8 %). Die meisten dieser Vorfälle finden innerorts statt. Für diese Gruppen fallen die Rückgangs-Zahlen wesentlich geringer aus als bei anderen Verkehrsteilnehmern: Im Vergleichszeitraum verringerte sich die Zahl der Verkehrstoten in der EU unter den Radfahrern um lediglich 32 Prozent, bei den Fußgängern um 38 Prozent.

Schuld liegt häufig beim Lkw-Fahrer

Schwere Unfälle auf Autobahnen und Fernstraßen machen Schlagzeilen, doch die Realität ist häufig anders. In Deutschland etwa sind rund 30 Prozent der Verkehrstoten innerorts zu beklagen; bei tödlichen Verkehrsunfällen mit Fahrzeugen des Güterverkehrs sind es sogar rund 50 Prozent. Neuralgische Punkte sind dabei Abbiegen, Einbiegen und der Kreuzungsverkehr. Das Statistische Bundesamt hat 2014 für den Güterverkehr innerorts exakt 16.365 Unfälle mit Personenschaden gezählt und fast die Hälfte davon geschah in diesem Umfeld.

Fast immer lag die Schuld beim Lkw-Fahrer, weil es für einen Lkw-Fahrer fast unmöglich ist, in einer dynamischen Verkehrssituation die Gesamtlage vollständig zu überblicken. Jetzt bekommt der Fahrer von seinem „Beifahrer“, dem Abbiegeassistenten, optisch und akustisch signalisiert, dass sich ein Fußgänger, ein Radfahrer oder ein stationäres Hindernis im Fahrweg befindet.

Warnung und Aktion parallel

Mit modernen Assistenzsystemen will Daimler die Trucker unterstützen. Die Ingenieure von Mercedes-Benz Lkw entschieden sich bei der Technik des Abbiegeassistenten für die Radarsensorik statt eines Kamera-Monitor-Systems. Ihre Untersuchungen ergaben, dass das Radar Abstand, Geschwindigkeit und Position potenzieller Hindernisse zuverlässig erkennen und Objekte exakt vermessen kann – auch bei schlechten Sichtverhältnissen, zum Beispiel bei Schneefall und Nebel.

Zudem würde der Fahrer mittels Kamera-Monitor-Systems nicht aktiv gewarnt und seine Belastung durch den weiteren Bildschirm – zu den bereits vorhandenen zahlreichen Spiegeln – während des Abbiegevorgangs zusätzlich erhöht.

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