Automotive Business Award 2026 Das Autohaus Szabo macht Wertheim zur Toyota-Hochburg

Von Jakob Schreiner 6 min Lesedauer

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Drei Prozent Marktanteil – mehr schafft Toyota in Deutschland im Schnitt nicht. Dass viel mehr geht, beweist ein Familienunternehmen aus Wertheim. Konsequenter Service, gelebte Kundennähe und die Überzeugung, dass es am Ende um Menschen geht, machen „den Szabo“ zu einem Gewinnerbetrieb des Automotive Business Awards 2026.

Das Autohaus Szabo an seinem Standort im Roten Sand – seit 1990 die feste Adresse des Familienunternehmens in Wertheim.(Bild:  Mauritz – VCG)
Das Autohaus Szabo an seinem Standort im Roten Sand – seit 1990 die feste Adresse des Familienunternehmens in Wertheim.
(Bild: Mauritz – VCG)

Wir befinden uns im Jahr 2026 nach Christus. Toyota hat in ganz Deutschland einen Marktanteil von rund drei Prozent. In ganz Deutschland? Nein! Ein unbeugsames Autohaus in der Main-Tauber-Region hört nicht auf, der Statistik Widerstand zu leisten. „Der Szabo“ – wie Einheimische den Händler in Wertheim nennen – kommt in seinem Gebiet auf 17 bis 29 Prozent Marktanteil und liegt damit zeitweise noch vor dem Platzhirsch VW.

Der Grund: fast fünf Jahrzehnte konsequenter Servicearbeit – und eine Grundhaltung, die Geschäftsführer Timo Szabo in einem Satz zusammenfasst: „Wir reparieren keine Autos. Wir haben hier Beziehungen mit Menschen.“ Er sagt das aus persönlicher Überzeugung – und als Beschreibung dessen, was in seinem Betrieb seit fast 50 Jahren passiert. Sein Vater Michael machte seinen Meister und fing 1977 an. Noch im selben Jahr klopfte Toyota an das Tor und der Betrieb zog das erste Mal um. Die Werkstatt war klein, das Büro lag hinten. Wer ein Auto kaufen wollte, musste sich am ablaufenden Öl vorbei seinen Weg dorthin bahnen, erzählt Timo Szabo. So hat es damals begonnen.

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Heute, knapp 50 Jahre später, beschäftigt die Szabo GmbH 31 Mitarbeiter, betreibt seit Oktober 2025 einen zweiten Standort in Mainaschaff und hat gerade 300.000 Euro in den Umbau der Werkstatt investiert. Timo Szabo führt das Unternehmen seit 2015 offiziell – operativ ist er schon seit 2007 dabei. Was von diesen Anfängen geblieben ist, ist eine klare Prioritätensetzung, die in der Branche nicht selbstverständlich ist: Fahrzeuge werden verkauft, um die Werkstatt zu füllen. „Wir wollen Autos verkaufen, um Servicegeschäft zu haben – das war immer der Fokus“, sagt Szabo. Dass das keine Floskel ist, belegt er mit nackten Zahlen: Die Kundenbindungsrate im Service liegt bei 80 bis 85 Prozent. Toyota Deutschland strebt als Ziel für 2030 eine Quote von 55 Prozent an, aktuell seien es laut Szabo 45 Prozent.

Service als Haltung, nicht als Prozess

Der Grund des Erfolgs lässt sich nicht auf eine spektakuläre Maßnahme reduzieren. „Es gibt stets neue Aspekte, Details und Kleinigkeiten, die weiterentwickelt und verbessert werden können“, heißt es in der Bewerbung, mit der sich das Autohaus beim Automotive Business Award beworben hat. Es sind eben diese Kleinigkeiten, die im Alltag den Unterschied machen.

Wenn ein Kunde mit einer Panne strandet und beim Autohaus anruft, endet das Gespräch nicht mit dem Hinweis auf die Pannenhilfe-Hotline. Szabo ruft selbst bei der Eurocare an, meldet den Kunden an – und greift zehn Minuten später erneut zum Telefon, um nachzufragen, ob jemand da war. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt er. Für viele Betriebe ist es das offensichtlich nicht. Pannen im unmittelbaren Einzugsgebiet erledigt das Autohaus ohnehin selbst. Und wer dabei fährt? Häufig der Seniorchef persönlich. Michael Szabo, mittlerweile Mitte siebzig, ist noch immer regelmäßig unterwegs – und freut sich jedes Mal, wenn der Kunde staunt, wie schnell jemand da war.

Ähnlich konsequent läuft es intern. Wo in großen Häusern der Erstkontakt am Telefon bereits alle Informationen vollständig erfasst, übernimmt bei Szabo die Auftragsvorbereitung eine zweite Prüfung – sie gleicht aus, was im Eifer des Gefechts übersehen wurde. Eingelagerte Reifen werden systematisch auf Profiltiefe und Schadensbilder gecheckt, bevor dem Kunden ein Angebot gemacht wird. Der Kunde weiß das – und vertraut darauf.

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Wichtig ist für Szabo, dass der Kunde versteht, wofür welche Kosten entstehen. „Kunden sollen sich sicher, gut betreut und wertgeschätzt fühlen – vom ersten Telefongespräch bis zur Fahrzeugabholung“, so die klare Ansage. Kaffee und Zeitschriften im Wartebereich gehören dazu. Aber eben auch Mitarbeiter, die spüren, ob ein Kunde wirklich zufrieden ist – und nicht nur nickt, wenn er gefragt wird.

Automotive Business Award 2026: Die Gewinner
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Timo Szabo ist kein Freund von Überregulierung. „Die Realität killt oft Prozesse“, sagt er – und meint damit, dass kleinteilige Abläufe, die im Lehrbuch funktionieren, im Alltag eines 30-Mann-Betriebs schnell zur Fehlerquelle werden. Sein Ansatz ist ein anderer: lieber wenige Dinge ordentlich und konsequent durchführen als 54 Prozesse für ein Thema aufsetzen, die niemand konsequent nachhalten kann.

Sieben Mal Ichiban

Dass dieses Serviceverständnis nicht nur gefühlt funktioniert, sondern auch messbar ist, zeigt eine Auszeichnung, die das Autohaus Szabo seit 2010 bereits sieben Mal erhalten hat – zuletzt 2025: der Toyota Ichiban Award. Toyota Motor Europe vergibt ihn jährlich an jene Händler in Europa, die sich durch herausragende Servicequalität auszeichnen. Für Deutschland gibt es traditionell nur wenige Plätze. Timo Szabo ordnet die Auszeichnung nüchtern ein: Er freut sich darüber – aber als Bestätigung, nicht als Ziel. „Ich fokussiere mein Geschäft, nicht den Titel“, sagt er. Und jeden Tag denke er, er könnte es noch besser machen.

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Um das Serviceversprechen langfristig einhalten zu können, hat das Unternehmen jüngst rund 300.000 Euro in die Modernisierung seiner Werkstatt gesteckt. Hell, aufgeräumt, neue Werkstattmöbel – was vorne im Schauraum schon lange selbstverständlich war, gilt jetzt auch hinten in der Werkstatt. „Wer will noch in so einem dunklen Loch arbeiten?“, fragt Szabo rhetorisch – und hat die Konsequenz gezogen. Jeder Arbeitsplatz bekommt einen eigenen Rechner, jeder Monteur ein Tablet. Der Umbau ist dabei nicht nur eine technische Investition, sondern auch eine in die Arbeitgeberattraktivität: Wer in einer Region mit starker Industrie gute Fachkräfte halten und gewinnen will, muss einen Arbeitsplatz bieten, der sich sehen lassen kann.

Szabo Mobility und der Blick nach vorn

Rund 1.000 Radsätze lagern aktuell im Betrieb – und damit ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Bis zu 2.600 Reifenwechsel im Jahr, Rekordtage mit bis zu 83 Fahrzeugdurchgängen auf sechs Plätzen: Das Reifengeschäft ist bei Szabo längst keine Nebenleistung mehr, sondern ein zentrales Kundenbindungsinstrument. Fremdmarken, die ausschließlich zum Reifenwechsel vorbeikommen, werden deshalb inzwischen aktiv aussortiert – die knappe Kapazität gehört den eigenen Kunden. Mittelfristig denkt Szabo über eine Auslagerung des Reifengeschäfts an einen eigenen Standort nach.

Unter der Marke Szabo Mobility hat der Betrieb sein Angebot in den vergangenen Jahren erweitert: eine Carsharing-Flotte mit neun Fahrzeugen, verteilt bis nach Miltenberg, dazu Mietfahrzeuge und eine Pendler-App für lokale Industrieunternehmen. Das Carsharing ist keine Ertragssäule – das sagt Szabo offen. Es ist ein Servicegedanke, der Sichtbarkeit schafft und Kontakte in die lokale Industrie bringt, die Toyota als Marke allein nie geöffnet hätte. „Für Toyota hat sich hier kein Industrieunternehmen die letzten Jahre je interessiert“, sagt er. Das versucht er nun damit zu ändern.

Und auch die langfristige Zukunft des Betriebs scheint gesichert zu sein. Denn die dritte Szabo-Generation steht bereits in den Startlöchern. Einer der beiden Söhne studiert Automobilwirtschaft in Geislingen – er ist übrigens auch für die Bewerbung um den Automotive Business Award verantwortlich. Sohn Nummer zwei will Kfz-Mechaniker werden. Das unbeugsame Autohaus in der Main-Tauber-Region wird also weitermachen. Und der bundesweite Toyota-Marktanteil von drei Prozent? Der bleibt in Wertheim das, was er schon immer war: eine Zahl, die für „den Szabo“ schlicht nicht gilt.

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