Der E-Scooter verkommt zum Spaßmobil

Spaßfaktor statt ökologischer Gewinn

| Autor: dpa

E-Scooter sollen die Innenstädte entlasten. Aber oft ersetzen sie nicht das Auto, sondern Fahrrad und Bus.
E-Scooter sollen die Innenstädte entlasten. Aber oft ersetzen sie nicht das Auto, sondern Fahrrad und Bus. (Bild: Ford)

Mit Spannung wurden sie erwartet: kleine Tretroller mit Elektromotor. Die sogenannten E-Scooter sollten wahlweise den Straßenverkehr revolutionieren, die individuelle Mobilität weiterentwickeln oder sogar für Autohäuser zu einem zusätzlichen Geschäftsmodell werden. Von einer allgemein akzeptierten Erfolgsstory sind die Produkte jedoch weit entfernt.

Begeistert sind vor allem junge Touristen. Bei vielen anderen überwiegen Skepsis und Kritik. Auch die Unfallzahlen sind hoch. Drei Monate nach der Erlaubnis für die neuen E-Tretroller für Deutschland am 15. Juni wächst der Widerstand. Ein Problem ist schon die Bestimmung des Bestands. Fakt ist: Die Roller stehen besonders in den Innenstädten und den angrenzenden Gebieten, wo viele Menschen unterwegs sind und die Verleiher auf zahlreiche Kunden hoffen. Nur wenige Außenbezirke gehören zu den Geschäftsgebieten.

Wie viele E-Tretroller es inzwischen bundesweit gibt, ist schwer zu bestimmen. In Berlin stehen 9.000 E-Scooter von mindestens fünf Firmen zum Verleih bereit. In Hamburg und München sind es jeweils etwa 3.000, in anderen Großstädten ebenfalls einige tausend. Dazu kommen Hunderte Roller in mittelgroßen Städten. Die schwedische Firma Voi will in Kürze in 30 bis 35 deutschen Städten vertreten sein. In ganz Deutschland dürften also inzwischen einige zehntausend Leihroller auf den Straßen stehen. Weitere Roller werden privat genutzt.

Für die E-Scooter hatten sich im Vorfeld auch Umweltverbände stark gemacht. Sie hofften, dass die Menschen in den Städten die smarten Geräte in Kombination mit Bussen und Bahnen nutzen – und öfter das Auto stehen lassen. Drei Monate später sind viele ernüchtert. Inzwischen zeigt sich: „Die gefahrenen Strecken sind meist sehr kurz und können regelmäßig auch zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Fahrrad bewältigt werden“, konstatiert das Umweltbundesamt. Besser wäre es, wenn Leihroller in den Außenbezirken stünden, weil die Strecken zur nächsten Haltestelle dort länger seien. Der Fahrradverband ADFC schrieb: „Wir hatten die Hoffnung, dass E-Scooter auch mal dazu benutzt werden, zum Bäcker zu surren oder ins Büro. Und dass dafür das Auto stehen bleibt.“ Das sei aber nicht eingetreten.

Massenweise Verstöße

Stattdessen verkommt der Roller zum Spaßmobil. Öfter sieht man Menschen, die einen E-Scooter zu zweit benutzen oder betrunken sind. Auch dass viele Fahrer in Fußgängerzonen und auf Fußwegen unterwegs sind, sorgt für Ärger. Fußgänger- und Behindertenverbände beschwerten sich. Die Polizei reagierte mit Kontrollen. In München wurden in 900 Fällen Fahrer von E-Tretrollern erwischt, die betrunken waren oder Drogen genommen hatten. In Mannheim und Heidelberg stellte die Polizei in 7 Tagen 233 Verstöße fest. In Berlin stoppte die Polizei in einer Nacht in einem Kneipenviertel zwölf betrunkene Fahrer.

Damit werden die E-Rolle schnell zur Gefahr. Ungeübte oder angetrunkene Fahrer verlieren mit den wackligen Fahrzeugen und ihren kleinen Rädern schnell das Gleichgewicht. Gesicherte Unfallzahlen, die einen Vergleich mit Radfahrern erlauben, gibt es aber noch nicht. Die Berliner Polizei hatte nach einem Monat 21 Verkehrsunfälle mit 4 Schwer- und 15 Leichtverletzten registriert. Meistens waren die Rollerfahrer schuld.

Laut der Verleihfirma Voi gehen „vor allem junge Nutzer, die noch keine Führerscheinprüfung gemacht haben, oft verantwortungslos mit den E-Scootern um“. Helfen soll eine bundesweite Sicherheitskampagne. Mit Blick auf die Sicherheit haben sich die großen Sachverständigenorganisationen für Maßnahmen ausgesprochen. Der TÜV-Verband etwa fordert Blinker für E-Tretroller – und eine Helmpflicht.

Wie es weitergeht, ist noch offen. Die Erlaubnis für die E-Roller werde von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) über einen Zeitraum von drei Jahren wissenschaftlich begleitet und evaluiert, teilte das Ministerium mit. Ende 2020 soll ein erster Zwischenbericht zu Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit vorgelegt werden.

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