Analyse Deutsche Autos haben sicherstes HMI-Bedienkonzept

Autor: Sven Prawitz

Wer mit dem Bedienkonzept seines Fahrzeugs nicht klarkommt, wird besonders häufig vom Verkehrsgeschehen abgelenkt. Laut einem Vergleichsportal passiert das bei deutschen Automarken eher selten.

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Ein kurzer Blick auf das Display in der Mitte und schon nimmt der Fahrer das Verkehrsgeschehen nicht mehr war.
Ein kurzer Blick auf das Display in der Mitte und schon nimmt der Fahrer das Verkehrsgeschehen nicht mehr war.
(Bild: BMW)

Die deutschen Premiummarken Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche haben die besten Infotainmentsysteme – zumindest lassen sie sich intuitiv bedienen. Zu diesem Ergebnis kommt der Schadensregulierer „The Compensation Experts“, der Daten des britischen Vergleichsportals „What Car?“ ausgewertet hat.

Basis der Analyse waren sechs gängige Fahraufgaben (siehe Methodik). Untersucht wurden 20 Fahrzeugmodelle. Am besten Schnitt der aktuelle 3er von BMW ab. Dessen Mensch-Maschine-Schnittstelle (engl.: Human-Machine-Interface, HMI) ist intuitiv gestaltet und lenkt den Fahrer beim Bedienen wenig von der eigentlichen Fahraufgabe ab. Am schlechtesten Schnitt der MG ZS EV mit seinem acht Zoll großen Display ab.

Die Hühnerrippen eines Fahrzeugs

Vor allem japanische Marken sowie Fiat, Peugeot und Skoda schnitten in der Bewertung schlecht ab. Für Josina Formann sind die Ergebnisse nachvollziehbar. Die deutschen Hersteller setzten HMI-Systeme mit sehr fundiertem Wissen über die Nutzer und die rechtlichen Anforderungen um „ Das macht die Infotainmentsysteme sehr einheitlich und erklärbar. Das ist aus meiner Sicht ein großer Vorteil“, sagt die Leiterin Media Production der Screens GmbH. Das Unternehmen filmt die komplette Menüstruktur neuer Fahrzeugmodelle und macht die Bedienkonzepte der OEMs auf zugängliche Weise vergleichbar.

Sie hat zwei auseinander tendierende Entwicklungen beobachtet. Zum einen würden immer mehr Funktionen in die Infotainmentsysteme gepackt, gefördert durch immer mehr Displays und die fortschreitenden Vernetzung der Fahrzeuge. Mit immer mehr Funktionen werde das Auto personalisiert. DAs Gegenbeispiel ist für Formann Tesla: „Die sind sehr rational und beschränken sich auf ein Display und zeigen dort auch nur das nötigste an.“ Einen ähnlichen Weg gehen Volvo und Polestar mit Android Auto. Der Aiways U5 hat gar keine Navigation. Der Hersteller argumentiert damit, dass die Nutzer überwiegend Navigationsapplikationen ihres Mobiltelefons verwenden. Somit sind die Inhalte des Infotainmentsystems stark reduziert worden.

In China kam Ende Juli eine öffentliche Diskussion zu High-Tech im Fahrzeug auf. Einigen Kunden dort ist zu viel Schnickschnack in den Modellen – „ji lei“ wie die Chinesen in diesem Fall sagen. Der Ausdruck heißt Hühnerrippen und wird für überflüssige, unnütze Dinge gebraucht.

Für Formann ist ablenkender Schnickschnack ein Problem für die Hersteller: Denn die User Experience entscheide, welche Erlebnisse mit dem Infotainmentsystem verbunden werden. „Wenn ich mit einem System nicht klar komme, bin ich frustriert. Das verbindet der Kunden letztlich immer mit einer Automarke“, warnt Formann. Außerdem sei die User Experience eine Grundlage für die Fahrzeugsicherheit.

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Das HMI-Ranking im Überblick

Rang Marke Modell Punkte
1 BMW 3 mit Live Cockpit Professional 28
2 Mercedes-Benz CLA mit 10,25 Zoll Bildschirm 27
Porsche Panamera E-Hybrid mit Connect Plus 27
4 Audi Q3 Sportback mit Virtual Cockpit Plus 26
5 Mazda 3 mit Mazda Connect 25
6 VW Passat GTE mit 8 Zoll Bildschrim 24
7 Ford Fiesta mit Sync 3 und Fordpass Connect 23
8 Hyundai Ioniq mit 10,25 Zoll Bildschrim und Bluelink 22
Vauxhall Corsa mit 10 Zoll Multimedia Navi Pro 22
10 Skoda Kamiq mit 9,2 Zoll Bildschrim und Amundsen Sat-Nav 21
Jaguar XE mit 10 Zoll Pro Duo System 21
12 Volvo S60 mit Sensus 20
Toyota Corolla mit Touch 2 Mediasystem; Apple Carplay und Android Auto 20
14 Nissan Juke mit Nissan Connect 19
15 Honda CR-V mit Honda Connect und Garmin Navi 18
Lexus RX 18
17 Peugeot 508 SW mit Connected 3D-Navi 17
18 Skoda Citigo-e iV 16
19 Fiat 500X 14
20 MG ZS EV 12

Quelle: The Compensation Experts

Methodik

What Car setzte, eigenen Angaben zufolge, zwei Fahrer ein, um 20 Automodelle zu testen. Dabei wurden sechs Aufgaben mit einem Schwierigkeitsgrad von 5 (am einfachsten) bis 0 (am schwierigsten) bewertet. Die maximal erreichbare Punktzahl ist 30.

Folgende Tests wurden durchgeführt:

  • Temperatur um 2 Grad erhöhen
  • Lüftergeschwindigkeit um zwei Stufen erhöhen
  • Wenn eine 20-Kilometer-Route im Navi programmiert und der Infotainment-Bildschirm auf der Startseite ist, zum Kartenbildschirm gehen und heraus zoomen bis die gesamte Route zu sehen ist
  • Die Routenführung abbrechen
  • Wenn das Radio auf Virgin Radio DAB eingestellt ist und sich der Infotainment-Bildschirm auf der Startseite befindet, Hauptliste der DAB-Sender auswählen und zu BBC Radio 4 wechseln
  • Mit der Sprachsteuerungstaste am Lenkrad (sofern vorhanden) das Fahrzeug auffordern, die nächstgelegene Tankstelle zu suchen

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility