Diagnose: Totgesagte leben länger

Immer mehr Elektronik macht es freien Betrieben künftig unmöglich, moderne Autos zu warten und zu reparieren – sagte man vor 25 Jahren. Und heute? Da ist alles gut, noch! Denn die OEMs schieben der klassischen Multimarkendiagnose nun einen Riegel vor.

| Autor: Steffen Dominsky

Hackern sei Dank hat mit FCA der erste Autobauer die Diagnosezugänge zu seinen Fahrzeugen via OBD dicht gemacht – weitere folgen. Hersteller von Multimarken-Diagnosegeräten und freie Werkstätten müssen sich darauf einstellen.
Hackern sei Dank hat mit FCA der erste Autobauer die Diagnosezugänge zu seinen Fahrzeugen via OBD dicht gemacht – weitere folgen. Hersteller von Multimarken-Diagnosegeräten und freie Werkstätten müssen sich darauf einstellen. (Bild: © Tomasz Zajda - stock.adobe.com)

Gibt es es, oder gibt es es nicht: das Leben nach dem Tod? Mit dieser Frage befasst sich die Menschheit seit Urzeiten: Religionsvertreter, Philosophen, Wissenschaftler. Auch im Automobilbereich spielt das Thema eine Rolle. Das Stichwort „Kündigung des Händlervertrags“ dürfte dem einen oder anderen ein Begriff sein. Das Interessante daran: Viele Betriebe, die ihren Händlervertrag verloren haben, machen anschließend als Freie weiter – wobei die allermeisten zu der Erkenntnis kommen: „Ist ja (viel) besser als zuvor!“

Warum diese Kfz-Unternehmen bzw. sämtliche anderen Freien meist erfolgreich (weiter) existieren, hat eine ganz entscheidende Ursache: Eine erkleckliche Zahl an Herstellern von Multimarken-Diagnosegeräten bietet ihnen Produkte, mit deren Hilfe sie selbst modernste Fahrzeuge warten und reparieren können – ein unverzichtbarer Umstand. Dafür haben die Diagnoseanbieter auch jede Menge investiert, um heute auf einem Stand zu sein, den viele „Experten“ zwei und mehr Jahrzehnte zuvor für unmöglich gehalten haben. „Die Freien werden verschwinden!“, war eine bekannte These in den Neunzigern, als plötzlich nicht mehr eine Prüflampe ausreichte, um die ersten elektronischen Steuergeräte mithilfe von Blinkcodes auszulesen. Von nun an brauchte man Diagnosetester für 5.000 oder 10.000 DM und mehr.

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