Der kalifornische Elektro-Exot Lucid schickt mit dem Gravity sein zweites Modell nach Europa. Der Fünf-Meter-Koloss vereint irrwitzige Leistungsdaten mit vollwertigem Siebensitzer-Komfort, echter Van-Variabilität und einer reisetauglichen Reichweite. Wir haben uns den Gravity mal genauer angesehen.
Was aussieht, als würde der Gravity frech die Zunge rausstrecken, ist sein 230-Liter-Frunk mit ausklappbarer Sitzbank. Die 839 PS des Siebensitzers sind genauso unverschämt.
(Bild: Schreiner – »kfz-betrieb«)
Wenn der knapp über fünf Meter lange Gravity in „Aurora Green Metallic“ vorfährt, können die wenigsten das Fahrzeug einordnen. Ein neuer Chinese? Koreaner? Fehlanzeige. Der Gravity kommt aus Kalifornien und ist nach der Luxuslimousine Air das zweite Modell der Marke Lucid. Mit homöopathischen 36 Neuzulassungen in Deutschland im Jahr 2026 (Stand: April 2026) ist der Exotenstatus vorprogrammiert.
Trotz 5,03 Metern Länge und zwei Metern Breite (ohne Spiegel) fällt der Gravity vielen erst auf den zweiten Blick auf. Weil er deutlich flacher ist als übliche Oberklasse-SUVs, wirkt er fast ein bisschen wie ein Van – Erinnerungen an die Mercedes R-Klasse kommen auf. Der cW-Wert von 0,24 unterstreicht die windschlüpfrige Silhouette. Wer aber genauer hinsieht, merkt schnell: Hier rollt etwas Besonderes heran. Durchgängige Lichtbänder vorne und hinten setzen Akzente, ohne es komplett zu übertreiben. Die riesigen 22-Zöller vorne und 23-Zöller hinten wirken angesichts der trotzdem wuchtigen Karosserie fast angemessen. Die farblich abgesetzten, schwarzen Kunststoffelemente in Stoßfängern, Radläufen und den Seitenschwellern vermitteln eine gewisse Rustikalität.
Zählt der Gravity optisch also eher zu der zurückhaltenden Sorte Auto, ist davon in Sachen Antriebsleistung mal überhaupt nichts übrig geblieben. Zwei Elektromotoren liefern in der Topvariante „Grand Touring“ zusammen 839 PS (600 PS hinten, 228 PS vorne) und 1.232 Nm, die auf alle vier Räder verteilt werden. 3,6 Sekunden auf 100 km/h, Spitze 270 km/h – Porsche-911-Niveau. Nur eben in einem Siebensitzer mit 2,8 Tonnen. Absurd! Die Leistung ist quasi immer und überall verfügbar. Souveränität in jeder Fahrsituation ist da garantiert. Dabei fehlt der typische Elektro-„Punch“ – die Beschleunigung ist kraftvoll, aber niemals ruppig.
Ein Krawallbruder ist der Gravity definitiv nicht. Dafür sorgt auch das butterweiche Luftfahrwerk, das Unebenheiten geschmeidig wegbügelt. Auch bei der Geräuschdämmung im Inneren haben die Amerikaner ganze Arbeit geleistet und es bleibt erfreulich ruhig. So ruhig, dass man nur bedingt mitbekommt, was da eigentlich gerade um einen herum passiert. Das fällt besonders auf, wenn einen die 839 PS in 3,6 Sekunden auf 100 bringen. Es fühlt sich dann ein wenig wie Beamen an – als säße man in einer abgeschotteten Glaskugel, die sanft durch Raum und Zeit gleitet.
Die drei verfügbaren Fahrmodi unterscheiden sich kaum, der Fokus liegt klar auf Komfort. Die tendenziell indirekte Lenkung passt zum Charakter, die 2,8 Tonnen merkt man bei Richtungswechseln – was völlig okay ist. Das adaptive Luftfahrwerk lässt sich übrigens manuell zwischen 13 und 23 Zentimetern in der Höhe verstellen. Liegt der Lucid ganz unten am Boden, sieht das schon brutal aus.
Glaspalast mit echtem Siebensitzer-Komfort
Riesige Glasflächen – die Windschutzscheibe wölbt sich nahtlos ins Panorama-Glasdach – schaffen ein luftiges Raumgefühl. Der Gravity wirkt nicht nur großzügig, er ist es auch. Dank über drei Metern Radstand bietet die 2-3-2-Konfiguration der Sitze selbst in der dritten Reihe noch Platz für Großgewachsene. Mit einem Knopfdruck fährt die mittlere Sitzbank automatisch nach vorne, sodass der Einstieg in die dritte Reihe komfortabel gelingt. Die Sitzreihen lassen sich versenken, die letzte Reihe verschwindet sogar komplett im Kofferraumboden. Dann wird alles flach und die 780 Liter Kofferraumvolumen wachsen auf umzugstaugliche 3.400 Liter. Die Variabilität überzeugt. Praktische Features wie die geräumige Mittelkonsole mit verschiebbarer Ladeschale und Getränkehalter, klappbare Flugzeug-Tische und schicke, rahmenlose Türen mit 90-Grad-Öffnung hinten stehen für Alltagstauglichkeit.
Der Frunk streckt die Zunge raus
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Gravity ist der Frunk; nicht wegen seiner üppigen 230 Litern Volumen, sondern der Funktion als Couch. Die Polsterung lässt sich einfach herausklappen, und schon hat man eine komfortable Sitzmöglichkeit inklusive Becherhalterungen. Der Gravity verfügt im Frunk, im Fond und im Kofferraum über jeweils eine konventionelle 220-Volt-Steckdose – für was auch immer man daran betreiben möchte.
Ähnlich großzügig wie das Glasdach ist die Instrumententafel gestaltet. Ein ewig langgezogener Tacho mit spannender Mischung aus Touchflächen links und rechts sowie normalem Bildschirm in der Mitte bildet das Herzstück. Darunter thront ein weiterer großer Touchscreen im Querformat. Besonders praktisch daran: Man kann die Navigation laufen lassen und gleichzeitig z.B. die Steuerung für Klimaanlage oder Massagesitze offen halten. In Sachen Bedienung setzt Lucid auf Reduktion: aufgeräumte Bildschirme, übersichtliche Menüs, schnörkellose Icons. Das reduziert trotz großer Display-Flächen Verwirrung und Ablenkungspotenzial. Die Menüführung und Steuerung des Infotainments gelingt super flüssig und intuitiv.
Stand: 08.12.2025
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Bildschirm-Armada mit klarer Logik und Verbindungsproblemen
Allerdings sorgt diese Übersichtlichkeit auch für Aufmerksamkeit – die wird mit einer Innenraumkamera überwacht. Der Lucid macht den Fahrer prompt aufmerksam, sollte er zu lange auf eines der Displays glotzen. Eine nette Idee, die in der Praxis aber etwas nervig sein kann. Weniger nett: Die Car-Play-Verbindung brach regelmäßig ab, das System fror gelegentlich ein – dann ging gar nichts mehr. Die Bedienung über die Lenkradtasten – am eckigen Lenkrad platziert – funktioniert zwar, ist aber tendenziell von der komplexeren Sorte. Das Soundsystem von Surreal Sound mit 22 Lautsprechern liefert sauberen Klang. Die Verarbeitungsqualität ist im Großen und Ganzen solide, auch wenn der ganz große Luxus nicht versprüht wird. Dennoch: Der Aufenthalt im Lucid ist angenehm, und man fühlt sich wohl.
Der 123-kWh-Akku mit seiner 926-Volt-Architektur verspricht laut WLTP über 700 Kilometer Reichweite. Die hohe Spannung ermöglicht schnelleres Laden – bis zu 400 kW Spitzenleistung sind möglich. Realistisch sind immer noch gute 500 Kilometer drinnen – mehr als ausreichend für entspannte Langstreckenfahrten. Über das Bremspedal ausschließlich die Reibbremse zu bedienen, geht auf: Zum einen lässt sich ein Großteil des alltäglichen Fahrens mit dem rechten Fuß steuern, wodurch man die Bremse selten braucht, zum anderen gefällt das Bremspedal ohne Blending (Übergang von Rekuperation zur konventionellen Bremse) mit einem einwandfreien Gefühl.
Was dagegen wirklich nervig war: der Zugang zum Fahrzeug. Schlüssel, Karte oder automatisches Auf-/Absperren – man wusste nie, was funktioniert. Auch die versenkbaren Türgriffe fühlen sich recht wacklig an – hier hätte man bei diesem Preis mehr Wertigkeit erwartet. Voll gepackt bis obenhin ist der Gravity mit Fahrerassistenzsystemen. Der Spurhalteassistent reagierte aber äußerst ruppig und hart mit starkem Eingriff in die Lenkung. Gerade auf engen Landstraßen oder in Autobahnbaustellen war das sehr störend. Gefühlt ist der Assistent für breitere Straßen auf US-Niveau ausgelegt – und nicht für deutsche Verhältnisse optimiert.
Fazit
Der Lucid Gravity überzeugt in vielen Bereichen: irrwitzige Leistung, vollwertiger Siebensitzer-Komfort, große Reichweite und ein innovatives Raumkonzept. Wer eine Alternative zu etablierten deutschen Premium-Stromern mit Exklusivität sucht, bekommt ein gelungenes Paket. Kritikpunkte bleiben: nervige Zugangsproblematik, instabile iPhone-Verbindung, gelegentlich einfrierendes Infotainment und aggressive Fahrassistenten. Dank Over-the-Air-Updates kann der Hersteller hier sicherlich nachbessern. Das klappt beim Thema Luxus-Anmutung im Innenraum nicht – auch wenn die Verarbeitung wirklich solide ist. Wer ein außergewöhnliches, leistungsstarkes und praktisches Elektro-SUV sucht, wird mit dem Gravity glücklich – vorausgesetzt, man hat 147.300 Euro übrig, die unser Testwagen gekostet hat.