Der BYD Seal 6 DM-i Touring verbindet streckenweises elektrisches Fahren mit Langstreckentauglichkeit. Ein Plug-in-Kombi für verschiedene Kundengruppen – zu einem attraktiven Preis. Der Test zeigt: Das Konzept funktioniert, aber mit deutlichen Abstrichen.
Der BYD Seal als Kombi verbindet viele alltagstaugliche Aspekte mit Langstreckenkompetenz – allerdings mit Abstrichen.
(Bild: Achter – VCG)
Ausgerechnet BYD, der weltweit größte Hersteller von Batterieautos, erweitert sein Portfolio um einen Plug-in-Hybrid. Der Seal 6 DM-i Touring ist gezielt für den deutschen Markt entwickelt worden. Die Kombi-Form ist in China wenig gefragt, hierzulande aber – trotz SUVs – nach wie vor beliebt. Mit 4,84 Metern Länge, einem Radstand von 2,79 Metern und einem Kofferraum von 675 bis 1.535 Litern bedient er das klassische Mittelklasse-Segment.
Der Laderaum bietet Platz für sperriges Gut wie Kinderwagen, Musterkollektionen oder Sportausrüstung. Die niedrige Ladekante und die elektrische Heckklappe erleichtern das Beladen, die umklappbare Rückbank (60:40) schafft eine weitgehend ebene Fläche. Allerdings fällt die Zuladung mit nur 410 Kilogramm vergleichsweise gering aus – ein Nachteil gegenüber etablierten Konkurrenten wie VW Passat Variant oder Skoda Superb Combi, die hier mehr bieten.
Technisch setzt BYD auf die hauseigene DM-i-Technologie (Dual Mode intelligent): Der 1,5-Liter-Benziner mit 98 PS dient primär als Generator, während der 197 PS starke Elektromotor an der Vorderachse den Antrieb übernimmt. Die Systemleistung von 212 PS ermöglicht einen Sprint von null auf 100 km/h in 8,5 Sekunden bei einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h – klassenübliche Werte ohne Besonderheiten.
Im Alltag fährt der Seal 6 überwiegend elektrisch. Die Topversion mit 18-kWh-Akku schafft laut WLTP bis zu 100 Kilometer rein elektrisch. Im Test bei Frühjahrstemperaturen war das durchaus realistisch. Das reicht für durchschnittliche Pendelstrecken und qualifiziert das Fahrzeug für die 0,5-Prozent-Dienstwagenbesteuerung – ein Argument für Firmenkunden, auch wenn die elektrische Reichweite unter Realbedingungen mitunter schrumpft.
Mit vollem Tank und geladener Batterie sind Reichweiten über 1.000 Kilometer möglich. Der WLTP-Verbrauch liegt bei 1,7 Litern Benzin plus 16,4 kWh Strom auf 100 Kilometer. In der Praxis sollten Nutzer eher mit fünf bis sechs Litern bei gemischten Streckenprofilen rechnen. Das ist ordentlich, aber keine Revolution.
Fahrverhalten: Komfort mit Schwächen
Das komfortabel abgestimmte Fahrwerk filtert Unebenheiten ordentlich, die Schalldämmung ist solide. Lenkung und Bremsen arbeiten präzise, das Fahrzeug fühlt sich europäisch abgestimmt an. Allerdings wirkt der 1.840 Kilogramm schwere Kombi (Topversion) insgesamt etwas schwerfällig.
Das Platzangebot ist großzügig, besonders im Fond. Die Vordersitze sind beheizbar und belüftbar, enttäuschen aber auf längeren Strecken: Die Sitzfläche ist hart und flach, eine Lordosenstütze fehlt, die Lehne verläuft kerzengerade. Für Vielfahrer ein ernsthaftes Manko. Die Materialqualität bewegt sich zwischen ordentlicher Verarbeitung und erkennbarer Kostenoptimierung – Premium-Anspruch sieht anders aus.
Bedienung: Viel Touch, wenig Durchdacht
Die Bedienung erfolgt überwiegend über das 15,6-Zoll-Touchdisplay. Viele Funktionen – etwa für Licht und Klimatisierung – verstecken sich in Untermenüs, was während der Fahrt ablenkt. Das Display hinter dem Lenkrad ist winzig und zeigt wenige relevante Informationen, ein Head-up-Display fehlt leider. Das wäre für einen Langstreckenläufer allerdings interessant. Auch eine Navigation auf dem Hauptdisplay sucht man vergebens.
Die Sprachsteuerung reagiert unzuverlässig, einfache Befehle wie „Stelle Radiosender BR 24 ein“ funktionieren nicht. Der Spurhalteassistent nervt mit harten Lenkkorrekturen, sobald die Abstände zur Fahrbahnbegrenzung knapp werden. Die Rekuperation lässt sich nicht deaktivieren, was effizientes Segeln verhindert. Es sind viele Kleinigkeiten, die in der Summe zeigen: Der Seal 6 ist noch nicht ganz ausgereift.
Laden: Durchschnitt statt Bestwert
Das Laden erfolgt mit maximal 6,6 kW an der Wallbox. Am Schnelllader sind maximal 26 kW möglich. Eine volle Ladung dauert knapp drei Stunden, am Schnelllader 23 Minuten von 30 auf 80 Prozent. Das ist weit entfernt von aktuellen Standards – Wettbewerber wie der VW Passat Variant laden deutlich schneller.
Ausstattung: Umfangreich in der Basis
Die Serienausstattung ist bereits in der Basisversion Boost (ab 42.900 Euro) umfangreich: vegane Ledersitze, elektrisch einstellbare Sitze vorne, drahtloses Apple Carplay und Android Auto, elektrische Heckklappe, LED-Licht, Parkradar. Die Comfort-Versionen (ab 49.990 Euro) ergänzen belüftete und beheizte Sitze, 360-Grad-Kamera, adaptiven Tempomat und Panorama-Schiebedach.
Stand: 08.12.2025
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Preislich positioniert sich der BYD unterhalb von VW Passat Variant (ab rund 50.000 Euro als Plug-in-Hybrid) oder Skoda Superb Combi (ab rund 48.000 Euro). Auch gegenüber Opel Astra Sports Tourer oder Toyota Corolla Touring Sports liegt er im Vorteil. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist der stärkste Trumpf des Chinesen – und vermutlich der einzige Grund, warum Kunden über die Schwächen hinwegsehen könnten.
Günstiger Kompromiss mit Ecken und Kanten
Der BYD Seal 6 DM-i Touring ist ein ordentliches Auto mit viel Platz, beeindruckender Reichweite und einem attraktiven Preis. Für preissensible Kunden – Familien, Außendienstler oder Flottenbetreiber – kann er eine Alternative zu etablierten Marken sein. Die Kombination aus elektrischem Fahren im Alltag und Langstreckentauglichkeit funktioniert grundsätzlich.
Allerdings fehlen dem Chinesen entscheidende Details: komfortablere Sitze, durchdachtere Bedienung, weniger aufdringliche Assistenzsysteme, schnelleres Laden, mehr Zuladung. Die Verarbeitung ist solide, aber nicht auf Augenhöhe mit deutschen Wettbewerbern. Wer Wert auf Ergonomie, Komfort und Ausreifung legt, wird enttäuscht. Die Günstigkeit dieses Langstreckenläufers ist sein Hauptargument – und zugleich seine wichtigste Rechtfertigung.