Die Kath-Gruppe in Rendburg: Vom Autohaus zur Gruppe

Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Von der Schmide zur Autohausgruppe. Hauke Dregenberg führt nunmehr in sechster Generation die Kath-Gruppe.

Hufgetrappel und das dröhnende Geräusch des Ambosses: Das war einmal die Welt der Kaths. 1848 eröffnete Wilhelm Siegfried Kath in Sorgbrück bei Rendsburg eine Huf- und Wagenschmiede. Heute, 160 Jahre später, ist aus der ehemaligen Schmiede eine veritable Autohausgruppe geworden, und die Familie ist immer noch am Ruder. 2002 übernahm mit Hauke Drengenberg die sechste Generation die Verantwortung. Mutter Erika Kath-Drengenberg hatte über 40 Jahre lang das Unternehmen geführt, ausgebaut und die Voraussetzungen für die heutige Expansion gelegt, nachdem der Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg den Schritt nach Rendsburg als Automobilhändler gemacht hatte. Der Stammbetrieb ist inzwischen ein Landmaschinenbetrieb, der auch Karosserie- und Lackierarbeiten für die Gruppe übernimmt. Lange galt: ein Autohaus, ein Standort, eine Stadt. Das ist inzwischen Geschichte, denn die Kath-Gruppe ist heute der größte VW-/Audi-Händler in Schleswig-Holstein.

Der Ausbau des Unternehmens vom Autohaus Kath zur Kath-Gruppe war das Ziel von Hauke Drengenberg, nachdem er die Führung übernommen hatte. Er erkannte, dass Kath überregional tätig werden müsse, da das Unternehmen das Potenzial des Rendsburger Marktes bereits sehr gut ausgeschöpft hatte. Er startete mit der Übernahme eines VW-Autohauses in Hamburg, da er aufgrund einer vorangegangenen Tätigkeit den Markt in Hamburg gut kannte. „Hamburg ist für uns das Tor zur Welt“, erläutert Drengenberg. In Rendsburg bestand das Klientel für Kath zum größten Teil aus Privatkunden, es gab nur wenige größere gewerbliche Kunden. Der Erwerb des Hamburger Betriebs war für ihn auch der Einstieg in das Firmen- und Großkundengeschäft in größerem Stile. Es folgten Betriebe in Flensburg, Husum, Kiel, Preetz und Bordesholm. Sieben Betriebe gehören heute zu Kath; aus dem einstigen Autohaus ist eine respektable Autohausgruppe geworden. Drengenbergs Strategie ist ausgerichtet auf gesundes Wachstum. Er will auch in Zukunft weitere Betriebe an die Gruppe anhängen und diese so arrondieren. Er selber sieht sich als Gewinner des Strukturwandels im Automobilhandel.

Die Kath-Gruppe ist nach Aussage von Drengenberg gut auf diese zukünftigen Aktivitäten ausgerichtet. Sie hat eine sehr gesunde Finanzstruktur und erwirtschaftet trotz der schwierigen Zeiten eine Rendite im deutlich oberen Branchendurchschnitt. Es ist ihm wichtig, trotz all dieser Übernahmen seine Bilanzkennzahlen zu halten. „Wir konnten die letzten Jahre sehr ertragreich gestalten. Unsere Rendite entspricht dem, was landläufig als Ziel erfolgreicher Automobilhändler genannt wird“, erläutert er.

Sowohl seine Mutter als auch er haben die Gewinne immer im Unternehmen gelassen, sodass die Kath-Gruppe heute eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote aufweisen kann. „Damit haben wir uns eine gewisse Freiheit erhalten, damit wir von den Banken nicht abhängig sind. Wir sind von der Finanzierungsstruktur so aufgestellt, dass wir auch weiter wachsen können“, betont Drengenberg. „Wir haben nicht das Ziel, 1.000 Mitarbeiter im Jahre 2010 zu haben, sondern wir schauen uns um nach interessanten Möglichkeiten. An Betrieben, die eine Zukunftsperspektive haben und regional zu uns passen, sind wir weiter interessiert. Wir verfolgen eine Expansionsstrategie, nicht mit Krampf, aber mit Nachdruck“, sagt er.

Drengenberg führt die Gruppe mit einer sehr flachen Hierarchiestruktur. Er ist der einzige Geschäftsführer, die einzelnen Betriebe werden jeweils von Prokuristen geleitet. „Wir sind schmal aufgestellt, haben kurze Wege und sind damit bestens gerüstet für die Zukunft“, stellt er fest.

Drengenberg absolvierte, bevor er das Unternehmen übernahm, eine solide Ausbildung. Nach dem Abitur stand erst einmal eine Lehre als Kfz-Mechaniker an, sowie eine Studium bei Professor Diez an der Hochschule Nürtingen. Es folgte ein Praxissemester in den USA bei „VW of America“. Nach dem Studium trat Drengenberg bei den Weller-B&K-Betrieben ein, erst als Assistent von Burkard Weller, dann als Prokurist und schließlich als Geschäftsführer. Drengenberg hatte damit das nötige Rüstzeug erworben, um den eigenen Familienbetrieb zu führen.

Der begeisterte Segler Drengenberg, der bereits die internationale Regatta der Kieler Woche gewonnen hat, führt sein Unternehmen wie sein Boot: Hart am Wind, aber immer auf Kurs. Ähnlich wie in seinem Sport will er auch im täglichen Geschäftsleben das Ruder fest in der Hand haben, und verliert das Ziel nicht aus den Augen, auch wenn derzeit so manche Sturmwarnung diesen Kurs begleitet.

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