Die richtige Montage ist wichtig!

Vor der Montage muss man Vorbereitungen treffen

14.10.2008 | Redakteur: Markus Lauer

Run-flat- und UHP-Reifen müssen speziell montiert und demontiert werden.
Run-flat- und UHP-Reifen müssen speziell montiert und demontiert werden.

Mit der Entwicklung der letzten Jahre hin zu breiteren und flacheren Reifenquerschnitten und Runflat-Reifen sind die Montage und Demontage von Reifen zunehmend komplexer geworden. Wesentliche Voraussetzungen für eine störungsfreie Nutzung und einen einwandfreien Rundlauf des Reifens sind eine fach- und sachgerechte Montage und sein korrekter Sitz auf der Felge.

Um dies sicherzustellen, müssen zum einen die Werkstattmitarbeiter die nötige fachliche Kompetenz aufweisen und über eine geeignete Ausrüstung verfügen. Zum anderen muss auch eine einheitliche Montage-/Demontageanleitung gegeben sein. Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WDK) hat dafür eine branchenübergreifende Montage-/Demontageanleitung für Ultra-High-Performance- (UHP) und Runflat-Reifen verabschiedet. Sie beschreibt die einzelnen Arbeitsschritte und erläutert, was im Einzelnen zu beachten ist.

Gute Vorbereitung

An der Erstellung der WDK-Anleitung waren die Reifen- und Fahrzeughersteller, der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), die Überwachungsorganisationen und die Prüfinstitute beteiligt. Ihr Ziel war es, das Wissen und die Erfahrungen der beteiligten Kreise zu bündeln und für den Anwender nutzbar zu machen.

Bevor man einen Runflat- oder UHP-Reifen demontiert oder montiert, sind diverse Vorbereitungen zu treffen:

  • Der Mitarbeiter sollte Arbeitshandschuhe, Ohrenschutz und Sicherheitsschuhe tragen.
  • Die Felge ist auf Grate, Verschleiß und sonstige Beschädigungen zu prüfen.
  • Die Aufnahmemittel müssen sauber und dürfen nicht verschlissen sein.
  • Das Rad muss eben und zentrisch aufgespannt sein. Bei Felgen, die innen/zentrisch gespannt werden, ist eine Sicherung zu wenden. Die kurze Felgenschulter muss der Monteur zum Montagewerkzeug ausrichten.
  • Bei Alu-Felgen muss er einen Spannklauenschutz verwenden und für RF-Reifen einen Montage-Kit.

Vor der Montage und Demontage muss man:

  • darauf achten, dass die Reifentemperatur mindestens 15 C beträgt.
  • die Rad/Reifen-Einheit säubern.
  • den Ventileinsatz herausschrauben.
  • den Reifen entlüften.
  • ein neues Ventil verwenden.
  • den Reifendruckkontrollsensor auf mechanische Beschädigungen und laut den Herstellerangaben überprüfen – wenn der Sensor mit Pannendichtmittel benetzt worden ist, muss er ausgetauscht werden.
  • das Gleitmittel auf die Felge auftragen: dabei den Sensor aussparen und Ventilverunreinigungen vermeiden!
  • Bei RF-Reifen das Gleitmittel im gesamten Felgenbettbereich auftragen. Ausschließlich geeignetes Gleitmittel verwenden.
  • das Gleitmittel auf den Reifen auftragen, dabei den Wulst außen komplett und den Wulstbereich an der oberen Reifeninnenseite zirka 30 Millimeter sowie die Reifenflanke bis zur Dekorlinie gut einschmieren.

Die Demotage eines Reifens

1. Oberer Wulst

  • Den Wulst möglichst mit der Abdrückrolle vom Felgenhorn abdrücken. Bei Verwendung einer Abdrückschaufel, den Wulst drei- bis viermal am Umfang maximal einen Zentimeter vom Felgenhorn entfernt abdrücken. Dabei ist die Abdrückbegrenzung zu beachten.
  • Man beginnt mit dem Abdrücken bei 90 oder 270° (ausgehend vom Standpunkt des Monteurs = 0°).
  • Nicht bei 0° oder 180° ansetzen!
  • Das Ventil etwa 5° links neben dem Montagekopf positionieren.
  • Den Niederhalter bei 0° ansetzen, um den Reifen im Tiefbett zu halten.
  • Den Wulst mit dem Montiereisen über das Felgenhorn ziehen. Dabei muss man ein Montiereisen mit Schutz verwenden, um die Felge nicht zu beschädigen.
  • Die Felge langsam im Uhrzeigersinn drehen.

2. Unterer Wulst

  • Den Sensor und das Ventil zirka 10 bis 15 Zentimeter vor dem Montagekopf (Traktionspunkt) positionieren. Der Sensor darf nicht belastet werden.
  • Den Wulst mit dem Montiereisen über das Felgenhorn heben.
  • Die Felge langsam im Uhrzeigersinn drehen, dabei eine hohe Wulstanspannung vermeiden.
  • Den Reifen in Drehrichtung mitführen und zum Tiefbett drücken.

Die Montage eines Reifens

1. Unterer Wulst

  • Die Wulstbereiche mit Montagepaste einschmieren.
  • Den Sensor zum Montagekopf gegen 20:00 Uhr ausrichten.
  • Die Felge langsam im Uhrzeigersinn drehen.
  • Es ist dabei darauf zu achten, dass der Abstand zwischen Sensor und Traktionspunkt/Mitnahmepunkt 15 Zentimeter nicht unterschreitet.

2. Oberer Wulst

  • Den Sensor zum Montagekopf gegen 16:00 Uhr ausrichten.
  • Den Wulst mithilfe von Niederhaltern unter das Felgenhorn drücken.
  • Die Felge langsam im Uhrzeigersinn drehen.
  • Um den Wulst im Felgentiefbett zu halten, müssen Niederhalterböcke verwendet werden.
  • Der letzte Teil des Wulstes sollte im Bereich des Sensors über das Felgenhorn springen.

3. Reifendruck einstellen

  • Den Reifen ohne Ventileinsatz in Intervallen aufpumpen.
  • Der Springdruck darf maximal 3,3 bar betragen! Wenn der Reifen bei diesem Druck nicht springt, muss der Monteur ihn entlüften, neu mit Gleitmittel einstreichen und erneut befüllen.
  • Der Setzdruck darf maximal 4 bar betragen! Dabei muss man den Wulstsitz kontrollieren; d. h. die Zentrierlinie muss parallel zum Felgenhorn verlaufen.
  • Einen Ventileinsatz gemäß dem Sensorhersteller verwenden.
  • Den Ventilschrauber durch ein Drehmoment begrenzen.
  • Abschließend stellt der Reifenmonteur den Betriebsdruck ein, schraubt die Ventilkappe auf und wischt überflüssiges Gleitmittel ab.

Die Reifendienste und die Kfz-Werkstätten müssen bei der Montage und Demontage von Runflat- und UHP-Reifen in vielen Bereichen umdenken: Diese Tätigkeiten gehören ausschließlich in die Hände qualifizierter Mitarbeiter, die sich mit den Besonderheiten der jeweiligen Montiermaschine auskennen. Denn neben geeigneten Maschinen ist das Wissen um die individuelle Behandlung des jeweiligen Reifensystems entscheidend für die sichere Montage. Hier haben Reifendienste und Kfz-Werkstätten noch einen großen Schulungsbedarf.

Schulung ist wichtig

Die Mitglieder des ASA-Arbeitskreises „Reifendienst- und Achsmessgeräte“, der BRV (in Zusammenarbeit mit dem WDK) sowie die Stahlgruber-Stiftung und andere Bildungseinrichtungen bieten Schulungen an, um die Werkstattmitarbeiter für die zukünftigen Herausforderungen der Reifenmontage zu rüsten.

Die komplette Montage- und Demontageanleitung für Runflat- und UHP-Reifen kann man beim Bundesverband Reifenhandel beim wdk downloaden.

 

Die Zertifizierung läuft

 

Montiermaschinen zertifizieren

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