Cadillac Celestiq Die Rückkehr des US-amerikanischen Straßenkreuzers

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Cadillac klopft laut an der Tür zum Auto-Olymp und will sich mit Rolls-Royce messen.  Die Eckdaten des Celestiq sind atemberaubend.

Cadillac hat ein neues Elektro-Flaggschiff namens Celestiq. Es ist die moderne Adaption des uramerikanischen Straßenkreuzers.(Bild:  SP-X/Benjamin Bessinger)
Cadillac hat ein neues Elektro-Flaggschiff namens Celestiq. Es ist die moderne Adaption des uramerikanischen Straßenkreuzers.
(Bild: SP-X/Benjamin Bessinger)

Cadillac hat einen Lauf. Nachdem die Amerikaner ihre letzte klassische Luxusmarke lange haben darben lassen, dreht die GM-Tochter gerade richtig auf – und beweist dabei Mut zur Größe. Denn während sie bei uns gerade ihr Comeback als elektrische Alternative zu Mercedes und BMW vorbereitet und nach den beiden stattlichen SUVs Lyriq und Vistiq jetzt mit dem Optiq etwas kleinere Brötchen backt, fühlt sich die Marke daheim zu Höherem berufen und will mit Maybach und Bentley und – keine falsche Bescheidenheit, bitte – am liebsten gleich mit Rolls-Royce konkurrieren. Dafür leistet sich die früher mal erfolgreichste Luxusmarke der Welt ein neues Flaggschiff namens Celestiq und krempelt dafür so ziemlich alles um.

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Denn auch wenn der Straßenkreuzer etwas später startet als die SUVs, gilt er als Wegbereiter einer neuen Designlinie. Und während die Amerikaner sonst so stolz sind auf ihre großen Stückzahlen und in Detroit schließlich das Fließband erfunden haben, braucht die Fertigung eines Celestiq mindestens vier Wochen pro Auto, denn gebaut wird es in Handarbeit. Da verwundert nicht, dass Cadillac dafür mindestens umgerechnet 300.000 Euro verlangt und es nach oben kaum Grenzen gibt. 

Ein Amischlitten auf dem Weg in den Auto-Olymp und auf Augenhöhe mit einem Rolls-Royce? Während der Rest der PS-Welt sich angesichts dessen erst einmal irritiert die Augen reibt, dürften zumindest im Weißen Haus die Mundwinkel nach oben gehen. Als Donalds dickstes Schiff passt der Celestiq schließlich perfekt zum neuen Allmachtsanspruch aus Amerika.

Ungewöhnliches Design ohne Chrom

Und genau wie Trump irrlichtert und manchmal am Ende trotzdem gut dasteht, braucht auch der Celestiq einen zweiten Blick. Denn mit endloser Haube und buchstäblich schrägem Heck ist der 5,52 Meter lange Viertürer so ungewöhnlich gezeichnet, dass selbst ein Audi A7 beinahe banal wirkt neben ihm, von einem Lucid Air ganz zu schweigen. Doch anders als der US-Präsident setzt der Prunkwagen nicht auf schillernden Luxus und alten Prunk. Cadillac nimmt endgültig Abschied vom Chrom und schmückt den Celestiq vor allem mit coolen LED-Lichtspielen.

So sehr der Celestiq dem präsidialen Streben nach Größe schmeicheln mag, dürfte die Liebe allerdings schnell enden bei der präsidialen Sitzprobe. Weil die luftige Kabine mit den vier einzelnen Sesseln unter dem riesigen Glasdach, der wie ein Rückgrat über die gesamte Länge gespannten Mittelkonsole und dem offenen Gepäckabteil eher modern als mondän ist. Sie setzt nicht auf Gold und Glitzer, wie es Mr. President gerne mag, sondern auf einen stylischen Chic: Eher Museum of Modern Art als Trump Tower.

Und spätestens beim Blick unter den langen Bug ist es dann ganz vorbei mit der Liebelei zwischen Washington und Detroit. Denn dort, wo früher mal ein voluminöser Achtzylinder montiert worden wäre, ist heute Platz für einen weiteren Koffer und drunter verbirgt sich ganz klein und fein eine von zwei E-Maschinen. Zusammen mit dem Pendant an der Hinterachse leistet sie 481,75 kW/ 655 PS und passt perfekt zum coolsten Comeback des Straßenkreuzers, seit Elvis seinen Pink Cadillac auf Graceland geparkt hat.

Drei Tonnen schweben wolkenweich

Flüsterleise und völlig mühelos, deshalb aber nicht minder forsch und fordernd gleitet der Celestiq mit seinem adaptiven Fahrwerk wolkenweich durchs Land und lässt die Erinnerung an den mäßigen Komfort inneramerikanischer Flugverbindungen verblassen. Wer gerade keine Airforce oder zumindest Marine One zur Hand hat oder ersatzweise einen Learjet, der kann Amerika kaum komfortabler durchmessen als im großen Cadillac. Damit nur in Manhattan über die Fifth Avenue zu flanieren oder in Los Angeles über den Rodeo Drive wäre viel zu schade. Zumal der Celestiq nicht nur atemberaubend schnell sprintet für ein Auto von gut und gerne drei Tonnen und mit 3,7 Sekunden von 0 auf 100 beim Ampelspurt erfreulich weit vorne fährt. Mit maximal 210 km/h ermöglicht er auch höhere Reisegeschwindigkeiten, als die Polizei erlaubt.

Selbst die Batterie ist kein nennenswertes Hindernis. Denn obwohl der Celestiq die bislang flachste Limousine der Marke ist, haben sie die Akkus in ihrem Boden teilweise doppelt gepackt und so immerhin 111 kWh für knapp 500 Normkilometer untergebracht. Und wenn die abgespult sind, reicht es bei 190 kW Ladeleitung kaum für mehr als einen Big Mac oder einen Doppel Whopper, schon kann es weiter gehen. 

Zwar beweist Cadillac mit dem Celestiq tatsächlich Mut zur Größe und folgt damit dem MAGA-Credo. Doch geht Donald Trumps Kritik an der Ignoranz der europäischen Autokäufer gegenüber amerikanischer Wertarbeit in diesem Fall fürs Erste ins Leere: Vielleicht würden ja wirklich ein paar Rolls-Royce-Fahrer aus dem Spectre wechseln oder ein Maybach-Kunde in Ermangelung eines elektrischen Über-Mercedes zu den Amerikanern überlaufen. Aber noch scheut Cadillac das Auswärtsspiel und verkneift sich den Export.

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