Cadillac Lyriq Opulenter Neustart des amerikanischen Traums auf Rädern

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Die US-Edelmarke Cadillac ist zurück. Mit dem ersten Modell, dem Lyriq, verströmt das Fabrikat unaufdringlichen Glanz statt protzigem Gehabe. Der E-Antrieb verströmt Gelassenheit, das Interieur ein wenig Luxus.

Sein Deutschland-Debüt gibt Cadillac jetzt mit dem mindestens 80.500 Euro teuren, breitschultrigen 5-Meter-SUV Lyriq.(Bild:  www.weigl.biz)
Sein Deutschland-Debüt gibt Cadillac jetzt mit dem mindestens 80.500 Euro teuren, breitschultrigen 5-Meter-SUV Lyriq.
(Bild: www.weigl.biz)

Cadillac feiert nach langer Abwesenheit vom deutschen Markt sein Comeback. Mit den stilbildenden Heckflossen-Modellen der Nachkriegsära, opulenten Hubraum-Cruisern der 1970er Jahre oder gar der Präsidenten-Limo „The Beast“ haben die neuen Caddys auf den ersten Blick nur wenig gemein. Denn hierzulande setzt die GM-Tochter wie zahlreiche Newcomer aus Fernost voll auf Elektroantrieb und trendige Crossover.

Doch gerade wegen ihres traditionsreichen Namens erhoffen sich die Amerikaner Vorteile im Wettbewerb. Ihr Deutschland-Debüt gibt die Marke jetzt mit dem Cadillac Lyriq, einem breitschultrigen Fünf-Meter-SUV zu Preisen ab 80.500 Euro.

Bei Optik und Praktikabilität gelingt Cadillac der Sprung in die Neuzeit. Der Lyriq ist länger und niedriger als ein Porsche Cayenne und kommt mit einem Radstand von fast 3,10 Meter. Das ist auf dem Niveau einer stattlichen Chauffeurs-Limousine und lässt dem Caddy innen und außen Raum für Eigenständigkeit. Die langgezogene Karosserie verleiht dem US-Modell trotz seiner massigen Präsenz eine schlanke Sportlichkeit. Auffallend sind die markanten Leuchten an der wuchtigen Front und auch am Heck, die hier extravagant bis zum Dach reichen.

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Der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt noch besser im Innenraum. Cadillac integriert viele haptische Bedienelemente, ohne den Digitalfokus zu verlieren. Das erleichtert die Bedienung und stellt eine ansprechende Balance zwischen Hightech und klassischem amerikanischen Luxus her. Glänzende Metallteile mischen sich mit offenporigem Holz an den Türverkleidungen und der Mittelkonsole. Ein großes Ablagefach auf dem Boden zwischen Fahrer und Beifahrer ist für einen geschmackvollen Akzent mit hellblauem Leder ausgekleidet. Während sich die Insassen nicht über Platzmangel beschweren können, ist der Laderaum mit rund 590 Litern nicht so großzügig geschnitten wie in anderen SUVs, zudem verzichtet Cadillac auf einen Frunk.

Kaum aufpreispflichtige Extras

Denkbar einfach gestaltet ist dagegen die Ausstattungsliste. Den Lyriq gibt es ausschließlich in den beiden gleichteuren Linien Luxury und Sport, mit optischen Unterschieden bei den Zierleisten, am Kühlergrill und dem Design der 21-Zoll-Felgen. Zudem stehen zwei Interieur-Varianten mit hellbraunem oder grauem Nappaleder zur Wahl, die mit dunklen Echtholzeinlagen in der Mittelkonsole kombiniert werden. Einzige aufpreispflichtig Extras sind ausgewählte Lackierungen sowie ein Dachträgersystem.

Sonst ist alles an Bord, was man sich bei einem Premiumfahrzeug auch erwartet: Im Mittelpunkt steht das imposante 33-Zoll-LED-Display, das sich im Bogen über einen Großteil des Armaturenbretts erstreckt. Für den Audiogenuss sorgt ein hochwertiges AKG-Soundsystem mit 19 Lautsprechern, inklusive Kopfstützenlautsprecher. Hinzu kommen elektrisch verstellbare Nappaleder-Sitze mit Heiz- und Belüftungsfunktion sowie Massagefunktion für die Vordersitze ein 360-Grad-Kamerasystem, adaptivem Tempomat und diversen Warnsystemen. Einzig schwierig in diesem Segment: Ein Head-up-Display ist nicht zu haben.

Wahlfreiheit gibt es auch beim Antrieb nicht. Jeder Lyriq basiert auf der hauseigenen Ultium-Plattform von General Motors und ist mit einem 102-kWh-Batteriepaket ausgestattet. Es gibt ihn ausschließlich als Allrad mit Doppelmotor und einer Gesamtleistung von 388 kW/528 PS sowie 610 Nm Drehmoment. Die braucht es allemal, um die 2,8 Tonnen in sportlichen 5,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und bis maximal 210 km/h zu wuchten. Die Reichweite wird mit 530 Kilometern, die maximale Ladeleistung mit maximal 190 kW angegeben. So lassen sich in 10 Minuten bis zu 120 Kilometer Reichweite nachladen.

Ausrichtung auf gelassenen Luxus

Keine dieser Kennzahlen zählt zu den Topwerten der Branche. Doch die Art und Weise, wie der Lyriq diese Leistung einsetzt, wirkt weicher und gelassener als beim Gros der Konkurrenz. Er zielt auf Luxus ab, nicht auf Leistung. Denn das Fahrzeug ist sehr gut gedämmt und bietet einen angenehm niedrigen Geräuschpegel im Innenraum. Das aktive Noise-Cancelling-Technologie eliminiert zusätzlich unerwünschte Frequenzen, selbst Reifenabrollgeräusche werden effektiv unterdrückt.

Als interessante Alternative für den bereits gut abgestimmten Ein-Pedal-Modus erweist sich eine linksseitig positionierte Lenkradwippe. Durch dosiertes Ziehen wird die Rekuperation aktiviert, wodurch das Fahrzeug unterschiedlich stark verzögert, ohne die mechanische Bremse zu betätigen. Das funktioniert erstaunlich präzise und erhöht die Energieeffizienz, insbesondere wenn das One-Pedal deaktiviert ist.

Cadillacs Markteintritt in Deutschland erfolgt eigentlich zur Unzeit. Nach dem plötzlichen Ende der Elektroprämie im Dezember 2023 stehen sich derzeit die E-Autos die Reifen platt, die Hersteller werden sie nur mit hohen Rabatten los. Doch Cadillacs Marketingchef für Europa, Jean-Pierre Diernaz, gibt sich gelassen: „Entgegen dem stagnierenden Trend bei E-Autos sind die Zuwächse bei elektrifizierten Premium- und Luxus-SUV bemerkenswert. Die kaufkräftige Kundschaft ist weniger preissensibel und im Bereich E-Autos auch eher bereit für einen Markenwechsel.“

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Gelingen soll der Neustart mit einem Mix aus eigenen Showrooms und lokalen Partnern. Dabei setzt Cadillac bei Privatkunden auf den Direktvertrieb, während im Flottengeschäft und Service mit etablierten Händlergruppen kooperiert wird. Das sorgt für Präsenz in wichtigen Ballungsräumen und flächendeckendem Service, bei gleichzeitiger kostensparender Vertriebsstruktur. Los geht es mit ersten Showrooms in Frankfurt und Hamburg. „Wir schielen nicht auf den kurzfristigen Erfolg“, bleibt Diernaz realistisch. „Doch beim Thema E-Autos werden die Karten jetzt neu gemischt. Wer sich heute nicht positioniert, wird bereits in drei Jahren chancenlos sein.“

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