Kfz-Gewerbe Niedersachsen-Bremen Die Situation der Werkstätten bereitet Sorgen

Autor: Holger Zietz, Doris Pfaff

Während das Kfz-Gewerbe Niedersachsen-Bremen das erste Pandemiejahr noch glimpflich überstanden hat, fürchtet der Landesverband für 2021 drastische Einbrüche – das hat mehrere Gründe.

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Im vergangenen Jahr präsentierten sie in Bremen gemeinsam die Bilanz des Autojahres, 2020 ging das nur digital: (v. li.) Christian Metje, Geschäftsführer des Landesverbands Niedersachsen-Bremen, und dessen Präsident Karl-Heinz Bley sowie Hans-Jörg Koßmann, Obermeister der Kfz-Innung Bremen, mit Geschäftsführerin Anke Kuckertz.
Im vergangenen Jahr präsentierten sie in Bremen gemeinsam die Bilanz des Autojahres, 2020 ging das nur digital: (v. li.) Christian Metje, Geschäftsführer des Landesverbands Niedersachsen-Bremen, und dessen Präsident Karl-Heinz Bley sowie Hans-Jörg Koßmann, Obermeister der Kfz-Innung Bremen, mit Geschäftsführerin Anke Kuckertz.
(Bild: Pfaff/»kfz-betrieb«)

Der Kfz-Landesverband Niedersachsen-Bremen blickt mit großen Bedenken auf das Jahr 2021. Bereits im Vorjahr war die Rendite um 0,1 Prozent gesunken. Sie erreichte damit aber nur noch 1,2 Prozent und ist damit ohnehin schon im roten Bereich und deutlich unterhalb der für die Betriebe notwendigen 3 Prozent. „Es gibt kaum eine andere Branche, die bei einem so hohen Umsatz wie im Kfz-Gewerbe mit einer solch niedrigen Gewinnmarge abschließt“, betonte Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbands Niedersachsen-Bremen. Gemeinsam mit Geschäftsführer Christian Metje, Landessprecher Joachim Czychy und Hans-Jörg Koßmann, Landesinnungsmeister und Obermeister der Bremer Kfz-Innung, legte Bley nun die detaillierten Zahlen zum Autojahr 2020 für Niedersachsen und Bremen vor.

Das Kfz-Gewerbe verzeichnete in Niedersachsen im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von 2,3 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro. In Bremen und Bremerhaven legte der Umsatz überraschenderweise um 4 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro zu. Die Bilanz zeigt für das vergangene Autojahr je zwei Verlierer und Gewinner. Zu den Verlierern zählt der Verkauf von Neufahrzeugen: Der Umsatz sank um 14,2 Prozent in Niedersachsen auf 10,9 Milliarden Euro und um gut 12 Prozent in Bremen und Bremerhaven.

Werkstattauslastung sinkt auf 79 Prozent

Der zweite Verlierer ist das Werkstattgeschäft: Der Umsatz sank in Niedersachsen um 9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, in Bremen und Bremerhaven um 8,3 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Der Einbruch im Servicegeschäft ist vor allem den Folgen des Lockdowns geschuldet. Zwar mussten und müssen die Werkstätten nicht schließen, weil sie als systemrelevant eingestuft wurden. Trotzdem verzeichneten sie Verluste, weil die Menschen weniger Auto gefahren sind und somit weniger Wartungen und Reparaturen anfielen. Im Jahresdurchschnitt lag die Auslastung der Werkstätten mit 79 Prozent um vier Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Darüber hinaus führte das verminderte Verkehrsaufkommen zu weniger unfallbedingten Reparaturaufträgen.

Starke Zuwächse gab es dagegen beim Gebrauchtwagenverkauf. In Niedersachsen stieg der Umsatz in dieser Sparte um 14,1 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro, in Bremen und Bremerhaven um knapp 24 Prozent auf knapp 640 Millionen Euro. Grund für die gestiegene Nachfrage nach Gebrauchtwagen waren laut Bley vor allem die langen Lieferzeiten bei Neufahrzeugen. Deshalb entschieden sich mehr Kunden für einen jungen Gebrauchten. Für eine Umsatzsteigerung in diesem Segment sorgte ferner ein erneuter Preisanstieg um durchschnittlich rund 2.000 Euro pro Fahrzeug. Dies sorgte beim Kfz-Gewerbe Bremen und Bremerhaven sogar für ein Umsatzplus.

Der Verkauf von E-Fahrzeugen stieg um 325 Prozent, der von Hybriden um 65 Prozent. Der Boom bei den E-Fahrzeugen sei durch die starke staatliche Förderung ausgelöst worden und werde sich nach Einschätzung des Verbands aufgrund der hohen Prämien 2021 fortsetzen.

Ausbildungsmarkt scheint sich zu erholen

Die Coronakrise hat jedoch auch einen positiven Effekt. Den anhaltenden Debatten um die Verkehrs- und Mobilitätswende zum Trotz hat das Automobil in der Pandemie gewonnen. 25 Prozent der Fahrzeughalter in Niedersachsen hätten laut einer Umfrage das eigene Auto mehr genutzt als vor Corona-Zeiten, erläuterte Bley. Das sei „ein starkes Votum für das Automobil“.

Zu den Verlierern zählte dagegen auch der Ausbildungsmarkt. Bei den Kfz-Mechatronikern sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um fast 26 Prozent, bei den Automobilkaufleuten um fast 31 Prozent. Im laufenden Jahr werde sich der Ausbildungsmarkt in Bremen dennoch positiv entwickeln, meinte Koßmann. „Die Betriebe hatten aufgrund der Pandemie im letzten Jahr Angst, Betriebsfremde ins Haus zu lassen.“ Mittlerweile greifen die Betriebe zum Corona-Schnelltest und bieten auch wieder Praktika an. Auch die Bewerbungszahlen für das kommende Ausbildungsjahr sind besser. Dennoch müsse sich das Gewerbe weiter um Auszubildende bemühen, sonst drohe in wenigen Jahren der Fachkräftemangel, mahnte Czychy.

Bley: Das Autojahr 2021 wird desaströs

Unterm Strich sei das Kfz-Gewerbe noch glimpflich durch das erste Krisenjahr gekommen, sagte Bley. Die Aussichten für 2021 seien nach fast 14 Wochen Lockdown allerdings dramatisch für das mittelständische Kraftfahrzeuggewerbe. Die jetzt umgesetzten „Modelle der Lockerungen mit regionalen Vorgaben“ reichten nicht aus, um die Situation der Unternehmen des Automobilhandels und -services zu stabilisieren. Die Branche müsse sich auf ein „desaströses Autojahr 2021“ einstellen, betonte Bley und kritisierte die Politik: „Wir vermissen bei diesen Beschlüssen die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen.“

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik