Klassik-Maskottchen Die Veedol-Frau – eine frühe Markenbotschafterin

Autor: Steffen Dominsky

Neben dem „guten Stern“ fungierte gerade in den Fünfziger- und Sechzigerjahren auch eine Blondine auf allen Straßen als bekanntes Signet. Das Mercedes-Benz-Museum schildert ihre Geschichte.

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Die Veedol-Frau: ein berühmtes Werbemotiv und eines von „33 Extras“ im Mercedes-Benz Museum.
Die Veedol-Frau: ein berühmtes Werbemotiv und eines von „33 Extras“ im Mercedes-Benz Museum.
(Bild: Daimler AG)

Eigentlich geht man wegen ihnen in ein Automobilmuseum: den klassischen Schönheiten auf meist vier Rädern. Doch es sind keineswegs nur die großen Dinge, die den Besuch einer solchen Einrichtung erstrebenswert erscheinen lassen. So zeigt das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart neben 160 Fahrzeugen auch rund 1.500 Exponate rund ums Automobil im Rahmen seiner vielfältigen Dauerausstellung. Ein besonderer Bestandteil sind die „33 Extras“: Sie lassen am Beispiel oft überraschender Details Mobilitätshistorie und Automobilkultur lebendig werden.

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Zu diesen zählt zweifelsohne auch die Veedol-Frau. Auf Schlittschuhkufen gleitet sie über imaginäres Eis. Die Geschwindigkeit sieht man ihr förmlich an. Schnelligkeit und Leichtigkeit sowie eine erotische Ausstrahlung charakterisieren diese berühmte Figur. Geschaffen als Blech- oder Emailleschild machte sie einst Werbung für die Schmierstoffe von Veedol. 1952 tritt sie das erste Mal auf. Da trägt sie noch Pudelmütze, Handschuhe und Rollkragenpullover – ganz die elegante Schlittschuhläuferin. Der rote Unternehmensschriftzug ziert ihren Pullover.

Auf Fahrzeugen, Banden und in Werkstätten

Entworfen hat die Figur der Werbegrafiker Heinz Fehling – damals kein Unbekannter. Er arbeitet für unterschiedliche Kunden und Branchen: von Aral über Blaupunkt bis zu Sinalco. Auch Titelseiten von Zeitschriften wie „Motor und Sport“ gestaltet Fehling. Manche Experten sagen, dass die Veedol-Frau sein wichtigstes Werk sei. Modell steht ihm für das Motiv vermutlich Vera Marks, die Schönheitskönigin „Miss Germany“ des Jahres 1951. Fehling gestaltet die Werbefigur mehrfach neu und passt sie dem Bild einer Frau im amerikanischen Pin-up-Stil an. In Deutschland ist sie die erste Werbefigur dieser Art. Der Unternehmensschriftzug steht nun auf einer weißen Schärpe, die einer Wettbewerbsauszeichnung ähnelt.

Die Leichtlaufeigenschaft der Schmierstoffe von Veedol bleibt das Leitmotiv der blonden Frau. Mit dieser Botschaft strahlt sie den Betrachter sieges- und selbstbewusst an. Häufig prangt der Veedol-Schriftzug deshalb auch auf Bandenwerbung an den Rennstrecken dieser Welt. Auf der anderen Seite wirbt die Veedol-Frau in Autowerkstätten für den Schmierstoff. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren gleitet sie außerdem auf Schlittschuhkufen den „Kapitänen der Landstraße“ voran. Am Kühlergrill von Lastwagen montiert, ist sie so auf dem ganzen Kontinent unterwegs. Sie triumphiert als Maskottchen der Fernfahrer, als „Verlobte Europas“.

Die Marke Veedol gehört ursprünglich zum US-amerikanischen Konzern Tidewater Oil, der die deutsche Tochter 1925 gründet. 2005 nahm sie der damalige Eigner BP vom Markt. Heute ist Veedol Teil des indischen Unternehmens Tide Water Oil India und seit ihrem Relaunch 2014 auch wieder in Deutschland vertreten.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group