Ladeinfrastruktur Die Versorgung bessert sich, regionale Unterschiede bleiben

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die Zahl der Ladesäulen in Deutschland steigt deutlich – wenngleich die Verbände mehr Tempo fordern. Doch die Situation ist regional noch deutlich unterschiedlich – und paradoxerweise hat die bessere Versorgung eine Schwäche als Ursache.

In Deutschland gibt es immer mehr Ladepunkte. Die Infrastruktur wächst inzwischen schneller als die E-Auto-Flotte.(Bild:  Sabine Muench)
In Deutschland gibt es immer mehr Ladepunkte. Die Infrastruktur wächst inzwischen schneller als die E-Auto-Flotte.
(Bild: Sabine Muench)

Die Zahl der öffentlichen Lademöglichkeiten für E-Autos in Deutschland wächst zügig. Binnen eines Jahres ist sie um rund 45.000 gestiegen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) errechnet hat. Das ist schneller als vor einem Jahr. Zum Stichtag am 1. Juli kamen damit 17,3 rein batteriebetriebene Autos oder Plug-in-Hybride auf eine Ladesäule. Ein Jahr zuvor hatte der Verband noch einen Wert von rund 21 errechnet.

Das deutlich verbesserte Verhältnis hat allerdings nicht allein mit dem Zubau an Ladepunkten zu tun, sondern ist eben zugleich eine Folge der schwachen E-Auto-Nachfrage. Die Planungen für den Zubau starteten mutmaßlich, als noch eine E-Auto-Euphorie herrschte.

Die genauen Wachstumszahlen zu bestimmen, ist dabei allerdings schwierig, da es im Ladesäulenverzeichnis der Bundesnetzagentur sehr viele Nachmeldungen gibt. Vergleicht man einen Vorjahreswert inklusive Tausender Nachmeldungen mit einem aktuellen Wert ohne solche Nachmeldungen, verzerrt dies das Wachstum nach unten. Der VDA hat daher für seine Berechnungen alte Vergleichszahlen ohne die seither erfolgten Nachmeldungen herangezogen, um die Vergleichbarkeit zu verbessern.

Inzwischen 145.000 öffentliche Ladepunkte

Zum 1. Juli gab es laut VDA 142.793 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Zum 1. September laut Bundesnetzagentur sogar 145.857 – darunter 31.063 Schnelllader mit einer Leistung von mindestens 22 Kilowatt. Diese Zahlen werden voraussichtlich noch durch Nachmeldungen steigen.

Rein rechnerisch am besten mit Ladestationen versorgt sind Elektroautos in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Dort kommen laut VDA 11,8, beziehungsweise 11,9 und 12,0 Elektroautos auf einen Ladepunkt. Ihr gutes Abschneiden in dieser Kategorie verdanken die Länder allerdings auch der Tatsache, dass sie beim Anteil von Elektroautos zu den Schlusslichtern in Deutschland gehören. Die schlechtesten Quoten finden sich im Saarland mit 24,3 Stromern pro Ladepunkt und Rheinland-Pfalz mit 21,7.

Nicht überall ist das Ladenetz gleich leistungsfähig. Die höchste Ladeleistung findet sich laut Bundesnetzagentur mit Stand 1. Juli 2024 in Bayern, das als einziges Bundesland die Marke von einem Gigawatt überspringt. Dahinter folgen Nordrhein-Westfalen mit 938 Megawatt und Baden-Württemberg mit 775 Megawatt. Die Länder sind allerdings auch die drei bevölkerungsreichsten und haben die meisten Ladepunkte.

Blickt man auf die durchschnittliche Stärke der installierten Ladepunkte, liegt Thüringen mit einem Schnitt von 50,2 Kilowatt vorne. Dahinter folgen Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz mit Werten knapp über 49 Kilowatt. Die im Schnitt schwächsten Ladepunkte haben Berlin und Bremen mit 24 und 26 Kilowatt.

Das sagen ZDK und VDA

Der VDA sieht weiter großen Handlungsbedarf beim Ausbau der Ladeinfrastruktur und moniert unter anderem große regionale Unterschiede. Zudem gebe es in gut einem Drittel der Gemeinden noch keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt und mindestens einen Schnellladepunkt habe sogar nur jede vierte Gemeinde. Eine gute Ladeinfrastruktur sei ein wesentlicher Schlüsselfaktor, um die Menschen zum Umstieg auf E-Mobilität zu bewegen, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Der Ausbau müsse daher vorauslaufen und politisch forciert werden.

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hatte bereits gestern anlässlich der Vorstellung der Neuzulassungszahlen auf den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur hingewiesen. Es gelte, den Ausbau der Ladeinfrastruktur an öffentlichen Parkplätzen und die bereits mögliche Erweiterung von Straßenlaternen zu Ladepunkten in voller Breite anzugehen. Für Anwohner ohne eigenen Stellplatz seien wichtige Voraussetzungen für den breiten Zugang zur E-Mobilität. Dazu gehöre auch, den Ladestrom generell und dauerhaft günstiger anzubieten und das Laden durch ein einheitliches Bezahlsystem zu vereinfachen.

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