Die Vorzüge des ersten Hybrid-Lkw

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Daimler hat als erster Hersteller einen Hybrid-Lkw im regulären Verkaufsprogramm. Auf einer exklusiven Probefahrt konnte »kfz-betrieb ONLINE» den sparsamen Truck kennen lernen.

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Stadtfein: der Mercedes Atego Bluetec Hybrid.
Stadtfein: der Mercedes Atego Bluetec Hybrid.
( Archiv: Vogel Business Media )

Stuttgart, Anfang März 2011. Vor den geschwungenen Aluminiumfassaden des Mercedes-Museums parkt ein unauffälliger Verteiler-Lkw. Ein Händler, der dem Museumsrestaurant Linsen und Spätzle liefert? Ein Handwerker, der sich um die Haustechnik kümmert? Nein: es ist der „Truck of the Year 2011“, das aktuelle Vorzeigeprodukt des größten Lkw-Herstellers der Welt: der Mercedes Atego Bluetec Hybrid.

Auf einer exklusiven Probefahrt hat »kfz-betrieb« ONLINE die Gelegenheit, den Hightech-Laster kennen zu lernen. Doch vor der Praxis kommt die Theorie. Warum baut Mercedes überhaupt einen Hybrid – und dann nicht für das Flaggschiff des Hauses, den Actros?

Hybridantriebe spielen ihre Stärken vor allem im Stadtverkehr aus, wo es viele Anfahr- und Bremsvorgänge gibt. Dabei kann der Elektromotor den Diesel wirkungsvoll unterstützen. Deshalb verwendet Daimler seine Hybridtechnik zuerst in Linienbussen und in mittleren Lkw wie dem Atego, die vor allem für den Lieferdienst in urbanen Gebieten genutzt werden.

Antrieb als Parallelhybrid

Der Atego-Antriebsstrang ist als Parallelhybrid aufgebaut. Bei diesem Aufbau können beide Motoren den Lkw einzeln oder gemeinsam antreiben. Der Elektromotor ist zwischen der Kupplung und dem Getriebe angeordnet. Die Ingenieure mussten deshalb den Rahmen anpassen, weil die Getriebeeinheit nun länger ist als bei Fahrzeugen ohne Elektromotor. Die Plattform bildet der Atego 1222 L mit Vierzylindermotor, der 160 kW/218 PS leistet und es auf ein maximales Drehmoment von 810 Newtonmetern bringt.

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Hinzu kommt der wassergekühlte Elektromotor mit einer Spitzenleistung von 44 kW/60 PS und maximal 420 Newtonmetern Drehmoment, ein Drehstrom-Permanentmagnet-Motor. Er unterstützt den Verbrenner in definierten Betriebspunkten. Dies gilt vor allem beim Anfahren und in Beschleunigungsphasen.

Ohne Diesel geht es nicht

Wie sich das im realen Fahrbetrieb bemerkbar macht, soll eine Probefahrt zeigen. Am Steuer sitzt Sabine Wiecha, Life-Cycle-Managerin bei MB Trucks und versierte Lkw-Fahrerin. Schnell wird klar: Zukunftige Hybrid-Piloten müssen sich wenig umstellen. „Auch wenn der Atego elektrisch anfährt, muss der Verbrennungsmotor im Leerlauf arbeiten“, erklärt Sabine Wiecha. „Das liegt an den Nebenaggregaten, die ein Lkw besitzt. Die Lenkhilfspumpe und der Kompressor für die Bremsanlage lassen sich noch nicht elektrisch antreiben.“

Somit setzt sich der Hybrid-Atego zwar nicht lautlos, aber immerhin äußerst sanft in Bewegung. Das automatisierte Getriebe, das beim Hybrid obligatorisch ist, hilft dabei, weil es dem Fahrer die Kuppel- und Schaltarbeit abnimmt.

Strom wird nur beim Bremsen erzeugt

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