Durchstarten 2021 „Die Welt ist noch immer voller Chancen“

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Viktoria Hahn

Oliver Bohn rät, verstärkt auf Kunden und Mitarbeitende zu hören. Zudem müssten Führungskräfte den Mut haben, neue Dinge auszuprobieren. Auch wenn vieles anders wird, sieht der Geschäftsführer des Autohauses Kuhn + Witte mehr Chancen als Gefahren.

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Oliver Bohn, Geschäftsführer von Kuhn + Witte.
Oliver Bohn, Geschäftsführer von Kuhn + Witte.
(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Redaktion: Wie würden Sie das allgemeine Stimmungsbild in ihrem Unternehmen beschreiben?

Oliver Bohn: Kuhn + Witte blickt mit einer steigenden Zuversicht in die Zukunft. Mit der Möglichkeit, sich gegen Corona impfen zu lassen, sollten die Infektionszahlen auf ein Niveau sinken, das es der Bundesregierung und den Länderregierungen erlaubt, auf weitere Wellenbrecher oder Lockdowns zu verzichten. Für 2021 sehen wir wirtschaftliche Nachholeffekte, die dazu führenden sollten, dass die Neuzulassungen steigen werden.

Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit Ihr Unternehmen die Schatten der Krise endgültig abschütteln kann?

Wir beschäftigen uns bereits seit zwei Jahren mit den kommenden Veränderungen in der Automobilindustrie und damit im Automobilhandel. Wir greifen die Themenfelder in unserer eigenen Zukunftswerkstatt auf, diskutieren, um dann letztendlich gemeinsame Lösungen zu finden. Diese sollen uns und unseren Kunden weiterhelfen. Anschließend geht es an die Umsetzung. Das ist ehrlich gesagt die eigentliche Schwierigkeit, vor der wir stehen. Wir müssen schneller sein in der Umsetzung. Selbst wenn wir Lösungen gefunden haben, so können wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass es so etwas wie langfristige Wettbewerbsvorteile in der nahen Zukunft noch geben wird. Geschäftsführung und Führungskräfte sollten und müssen sich schneller weiterbilden, denn sie müssen in dieser VUKA-Welt (Anm. der Red.: VUKA setzt sich aus den vier Begriffen Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zusammen) immer schneller Risiken erkennen und Entscheidungen treffen. Das muss trainiert und strukturell in unserer Firma verankert werden.

Welche Probleme/Herausforderungen traten/treten in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?

Neben den Herausforderungen, erstmals in der über 50-jährigen Geschichte von Kuhn + Witte Kurzarbeit zu beantragen, um die Kosten zu senken und die Liquidität zu bewahren, war es noch wichtiger, den Menschen die Ängste und Sorgen vor dem Virus und den weiteren Folgen von Covid-19 zu nehmen. Stichworte: Arbeitsplatzverlust und Ansteckungsgefahr. Eine gute und intensivere Kommunikation ist daher entscheidend gewesen und hat auch dazu beigetragen, dass wir ruhig geblieben sind und den Kopf oben behalten haben.

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„Zur Person“
Oliver Bohn (52)
  • Seit 2012 Geschäftsführer bei Kuhn + Witte. Zuvor ab 2003 Verkaufsleiter bei Kuhn + Witte.
  • Seit nunmehr 30 Jahren im Autohaus Kuhn + Witte tätig.

Wie wirken sich die Probleme auf Ihre persönliche Arbeit aus? Wie hat sich Ihre Arbeit im Jahr 2020 verändert? Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Als erstes habe ich sehr gute Erfahrungen mit Videokonferenzen gemacht. Damit sind wir gleich im März gestartet und haben mit den Führungskräften täglich kurze Konferenzen über KPIs abgehalten, die wir zu der Zeit für wichtig erachtet hatten. Das Thema Videokonferenzen bekommt mittlerweile auch für Kundentermine ein größeres Gewicht und wird sich weiter verstärken. Es spart viele Ressourcen.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren, oder werden sich Prozesse/Abläufe/Strategien künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Einen Normalzustand gab es schon vor Corona nicht mehr. Denn was ist in dieser schnelllebigen Zeit heute schon normal? Gerade unsere Branche steckt in einem der größten Veränderungsprozesse. Antriebe verändern sich, die Mobilität verändert sich, das Kauf- und Kundenverhalten verändert sich. Und das immer schneller. Wenn etwas normal zu sein scheint, ist es die immer weiter zunehmende Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen auf uns zukommen.

Was haben Sie aus der Krisensituation gelernt? Fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Wir sollten uns auf die nächste Krise schon heute vorbereiten und aus der jetzigen lernen und aus der nächsten wieder lernen. Vor allem Führungskräfte müssen sich auf eine ungewisse Zukunft einstellen, und das in einem sehr dynamischen Umfeld. Dabei helfen Handlungskraft, eine klare Haltung, Hingabe und Verantwortung. Wenn ich mir die Menschen bei uns im Unternehmen so anschaue, wie wir gemeinsam durch diese Krise gehen, dann kann ich sagen, dass ich mich für die Zukunft gut gewappnet fühle.

Wen würden Sie in dieser turbulenten Zeit als Vorbild ihrer Branche sehen?

Mir gefällt Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG. Der Mann hat ein klares Ziel, von dem er überzeugt ist, dass es das Richtige ist. Wichtig dabei ist auch, dass Herr Diess keinen Konflikt scheut, Mut und Entschlossenheit beweist und versucht, die Zukunft eines der größten Unternehmen der Welt zu gestalten. Ich bin der Meinung, man sollte den Vertrag von Herrn Diess rechtzeitig verlängern und im Konzern ein klares Zeichen des Vertrauens setzen. Vergleiche mit der Verlängerung von Verträgen von Fußballtrainern, sind für mich nicht nachvollziehbar. Herbert Diess ist kein Trainer, der Mann lenkt einen Konzern.

Welche Personen haben sich sonst noch während der Krise besonders hervorgetan?

Die Kolleg*innen von Kuhn + Witte stehen bei mir an erster Stelle. Wir sind Seite an Seite durch diese Krise gegangen – ich weiß, was sie durch- und mitgemacht haben. Wenn von einer Krise in der Autobranche gesprochen wird, ist in den großen Medien oftmals nur die Industrie zu finden und zu wenig der Handel. Dabei wird vergessen, dass Hunderttausende Menschen in Deutschland auch im Handel und Service arbeiten und vor den gleichen Problemen stehen wie die Industrie.

Wie sehen Sie aktuell den Personalbedarf, die Lage am Arbeitsmarkt und die Situation der Fachkräfte?

Mittel- und langfristig wird es weiter Probleme geben, gute Fachkräfte zu finden; dafür sorgt der demografische Wandel. Aktuell ist es etwas einfacher: Die wirtschaftlichen Probleme unserer Branche haben im Handel und Service zu freien personellen Kapazitäten geführt, wovon wir profitieren konnten.

Wenn Sie einem Einsteiger Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie tun Sie das?

Indem ich mich hinsetze und von meiner Arbeit erzähle. Wer mich kennt, weiß, dass ich a) für Kuhn + Witte und seine vielen Menschen stehe und somit meine Arbeit liebe und b) alles dafür in der Vergangenheit getan habe, wie in der Zukunft tun werde, dass die Menschen eine gute Zukunft und schöne Zeit bei uns haben können. Der Automobilhandel ist noch immer ein abwechslungsreicher und interessanter Beruf, in dem man täglich neu dazulernen kann und zusätzlich gute Verdienstmöglichkeiten hat. Er verändert sich nur – nicht unbedingt zum Negativen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche mit auf den Weg geben?

Dass wir versuchen sollten, weiterhin den Kopf oben zu behalten. Die Welt da draußen ist noch immer voller Chancen. Mehr Chancen als Gefahren. Was nicht heißt, einfach blind drauf loszulaufen. Hört auf eure Kunden, hört auf eure Mitarbeiter. Sie wissen oftmals ganz genau, was zu tun ist. Und bildet euch weiter, habt Mut, neue Dinge auszuprobieren, bleibt neugierig. Wir leben in spannenden Zeiten, auch wenn man ab und an nachts dadurch nicht schlafen kann. Am Ende wird es hoffentlich besser und schlimmsten Fall nur anders.

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Durchstarten 2021
Gemeinsam aus der Krise

In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.kfz-betrieb.de/durchstarten.

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Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«