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Digitale Fahrzeugscans: So funktioniert der Twinner

| Autor: Martin Achter

Hochwertige Fahrzeugfotos, 360-Grad-Ansichten, Profiltiefemessung und Lackanalyse: All diese Informationen können Autohäuser mit dem Twinner generieren, einem digitalen Fahrzeugscanner. Das Interessante: Für die Anlage an sich fallen zunächst keine Investitionskosten an.

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Der Twinner ist mehr als eine Fotografiekabine mit Fahrzeugdrehteller: Der Fahrzeugscanner erlaubt es auch, Unterbodenaufnahmen zu erstellen, die Reifenprofiltiefe zu messen und Nachlackierungen zu erkennen.
Der Twinner ist mehr als eine Fotografiekabine mit Fahrzeugdrehteller: Der Fahrzeugscanner erlaubt es auch, Unterbodenaufnahmen zu erstellen, die Reifenprofiltiefe zu messen und Nachlackierungen zu erkennen.
(Bild: Twinner)

Nach ersten Autohäusern will der Branchendienstleister Twinner mit Sitz in Halle (Saale) seinen gleichnamigen digitalen Fahrzeugscanner in diesem Jahr bei weiteren Betrieben an den Start bringen. „Wir suchen Partner im Handel, gehen aber auch auf Gutachterorganisationen oder Fahrzeuglogistiker zu“, sagt der Leiter des Produktmanagements, Markus Hoffmann, im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Bei aktuell vier Händlern sei die Anlage in Deutschland installiert, daneben sei das Unternehmen mit zwei Twinnern in China vertreten. In Frankreich erfolge der Markteintritt im Sommer.

Der Fahrzeugscanner erinnert in seinem Aufbau an Fotokabinen mit Drehtellern für die professionelle Fahrzeugfotografie, wie sie eine Reihe großer Automobilhändler heute bereits einsetzt, liefert aber mehr Daten. Neben Außenaufnahmen und Innenraumfotos – letztere entstehen durch eine Sphärenkamera, die per Stativ innerhalb des Autos platziert werden muss – scannt der Twinner bei der Einfahrt eines Fahrzeugs in die Kabine auch dessen Reifenprofiltiefe. Zeitgleich entstehen Unterbodenaufnahmen – alles über Sensoren, die im Boden eingelassen sind. Aus den Außenaufnahmen kann Twinner auch 360-Grad-Panoramen generieren.

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Der Fahrzeugscanner ermöglicht Autohäusern außerdem, Nachlackierungen sichtbar zu machen. Dies geschieht mittels Infrarot- und UV-Licht-Bestrahlung.

Die Digitalisierung eines Fahrzeugs dauert aktuell zwischen zwei und fünfeinhalb Minuten. Ziel ist es aber, künftig eine maximale Zeitspanne von viereinhalb Minuten für die vollständige Fahrzeugdigitalisierung zu erreichen, sagt Produktmanagement-Leiter Hoffmann. Die minimale Zeitspanne von zwei Minuten pro Fahrzeug sei dann umsetzbar, wenn nur Außenaufnahmen mit geschlossenen Türen und Innenaufnahmen erstellt werden.

Pay per use statt Investitionskosten

Twinner hat Kontakt zu den 100 größten Automobilhändlern in Deutschland aufgenommen. Dieses Vorgehen steht im Zusammenhang mit dem Monetarisierungsmodell hinter der Anlage: Für Betreiber wie Autohäuser fallen für die Anlage selbst zunächst keine Investitionskosten an. Twinner stellt den Fahrzeugscanner auf dem Gelände der Betriebe auf und geht damit in Vorleistung. Die Monetarisierung erfolgt dann über ein sogenanntes Pay-per-use-Modell. Das heißt: Twinner berechnet für jede einzelne Digitalisierung eines Fahrzeugs eine Gebühr.

Konkret beziffert der Dienstleister die Kosten für einen Digitalisierungsvorgang auf 25 Euro netto bei einem Durchlauf von rund 3.000 Fahrzeugen im Jahr. Möglich ist es Autohäusern auch, ihre Anlagen anderen Händlerbetrieben zu öffnen, damit diese dort ihre Fahrzeuge ebenfalls digitalisieren können. Mit diesen Handelsunternehmen schließt Twinner dann separate Nutzungsverträge ab. Das Autohaus, das den Fahrzeugscanner auf seinem Gelände betreibt, erhält dann eine Vergütung für die Nutzung durch fremde Betriebe, die der Dienstleister dann mit dessen eigenen Nutzungskosten verrechnet.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«