Partikelzählung Dreck macht Speck

Von Steffen Dominsky 9 min Lesedauer

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Dank der Partikelzählung fallen erstmals auch dreckige Euro-6/VI-Diesel durch die AU. Und so lässt sich nicht nur mit der Prüfung an sich, sondern auch mit defekten Abgaskomponenten Geld verdienen. Das gilt ganz besonders im Fall des Herstellers Ford, denn dessen Modelle führen die Durchfaller-Hitliste mit Abstand an.

Leider (oder Gott sei Dank?) werden Euro-5/V-Diesel in Deutschland nicht mittels Partikelzählung geprüft. Denn dann hätte wohl nicht nur Ford ein gewaltiges Problem mit der neuen AU-Messmethode.(Bild:  Dominsky – VCG)
Leider (oder Gott sei Dank?) werden Euro-5/V-Diesel in Deutschland nicht mittels Partikelzählung geprüft. Denn dann hätte wohl nicht nur Ford ein gewaltiges Problem mit der neuen AU-Messmethode.
(Bild: Dominsky – VCG)

Er ist ein knappes Jahr älter als die AU bzw. ihr Vorläufer, die zum 1.4.1985 eingeführte Abgassonderuntersuchung (ASU) – der berühmte Spruch von Helmut Kohl: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt!“ Genau diesem Motto fühlt sich auch die gesetzlich vorgeschriebene Abgasuntersuchung verpflichtet – in der Theorie. In der Praxis war das nicht immer so. Vom 1.12.2009 an maßen Werkstätten und Überwachungsorganisationen beim Gros der Fahrzeuge gute neun Jahre lang rein gar nichts. Vater Staat hatte im treuen Glauben an die Autoindustrie und deren OBD eine rein elektronische Abgaskontrolle verordnet. Für die Erkenntnis, dass dies ein Fehler war, brauchte es den VW- bzw. allgemeinen Diesel-Skandal – leider.

Und so prüft Deutschland seit dem 1.1.2018 auch wieder wirklich, was hinten rauskommt. Durchaus erfolgreich, wie ein Blick auf die AU-Statistiken des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zeigt: Mit Wiedereinführung der generellen Endrohrmessung schnellte die Zahl der Durchfaller im Fall Diesel-Pkw um satte 40 Prozent nach oben. Genauso drastisch war sie neun Jahre zuvor auch gefallen – so viel zum Thema Aussagekraft und Zuverlässigkeit der OBD. Leider gilt das (so gut wie) nicht im Fall von Euro-5/V- bzw. -6/VI-Dieseln. Denn bei diesen ermittelten AU-Berechtigte bis vor Kurzem mit ihren Opazimetern meist immer was? Genau: nichts, nada, nothing. Seit rund zwei Jahrzehnten sind Ruß- und andere Partikel derart klein, dass die aus den Siebzigern stammende Messtechnik ihnen gegenüber blind wie ein Maulwurf war. Und so bestanden weitere 5,5 Jahre auch jene Selbstzünder eine AU, die diese als Dreckbären hätte entlarven müssen.