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DUH drängt auf NOx-Messung als Bestandteil der AU

| Autor / Redakteur: Holger Zietz / Andreas Grimm

NOx wird derzeit als schlimmes Umweltgift gehandelt, trotzdem wird das Auto nicht auf diese Emission kontrolliert. „Geht nicht“, sagt die DUH und will die AU bis spätestens 2023 verschärfen. Die nötige Hardware ist schon in der Erprobung – sprich die Werkstätten müssten investieren.

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Der Umwelt- und Verkehrsforscher Axel Friedrich führt vor, wie sich die DUH die erweiterte AU vorstellt.
Der Umwelt- und Verkehrsforscher Axel Friedrich führt vor, wie sich die DUH die erweiterte AU vorstellt.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Der Verein „Deutsche Umwelthilfe“ (DUH) bläst zum Angriff auf die bisherige Abgasuntersuchung (AU). Während eines Pressegesprächs in Räumen der Kfz-Innung Berlin forderte Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH, die Erweiterung der AU um die Messung des Stickoxid-Gehalts sowie die sofortige Messung der Partikelanzahl. Letztere soll bislang erst im Jahr 2021 verpflichtend werden. Eine weitere notwendige, aber entscheidende Änderung aus Sicht der DUH ist zudem die AU-Abgasmessung unter Lastbedingungen. Sie könne bereits 2023 Realität werden.

„Alles andere ist eine Messung ohne Wert“, erklärte dazu der Umwelt- und Verkehrsaktivist Axel Friedrich, der bis zu seinem Ruhestand im Bundesumweltministerium beschäftigt war. Nur wenn der Motor unter Last laufe, könne sein Abgasverhalten realistisch beurteilt werden. Die heutige AU werde ihren Aufgaben nicht gerecht, sie könne keine fehlerhaften Bauteile erkennen, moniert er. Klarheit kann aus seiner Sicht nur eine umfassende Messung des Abgases schaffen.

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Zusammen mit der DUH will Friedrich nun die zuständigen Ministerien für das Problem sensibilisieren. Diesel und Benziner müssten auf ihr Emissionsverhalten hin so genau überprüft werden, dass Mängel bei der Abgasreinigung auch entdeckt werden können, verdeutlichte er. In der heutigen Form halten Friedrich und die DUH die AU strukturell und konzeptionell nicht für geeignet, Defekte oder gar Manipulationen wie ausgebaute Filter zu erkennen.

Das Problem, dass zur Umsetzung der Forderung für jede AU aufwendigen Fahrten mit dem Fahrzeug drohen, hat Friedrich natürlich erkannt – und hat seine Antwort mitgebracht. Er will die Messung daher auf einem erweiterten Bremsenprüfstand durchgeführt lassen. Dafür hat der Werkstattausrüster Maha bereits einen Prototyp entwickelt, der praktischerweise zu dem Termin von Firmenvertretern vorgeführt wurde.

Umrüstsatz für Prüfstände in der Entwicklung

Auf dem Prüfstand beschleunigt das Auto aus dem Leerlauf unter 1.500 Newtonmeter (Nm) innerhalb von 5 Sekunden auf 20 km/h, wird dann für 10 Sekunden konstant bei 20 km/h gehalten und dann wieder in den Leerlauf abgebremst. Im Abgas werden dabei die Partikel- und NOx-Emissionen gemessen.

Laut Maha-Vertretern lässt sich die AU auf dem Prüfstand binnen Minuten durchführen. Preislich soll der erweiterte Prüfstand, der weiterhin zugleich als normaler Bremsenprüfstand eingesetzt werden kann, unter 10.000 Euro liegen. Hinzu kommen die Kosten für das AU-Messgerät. Ein Umrüstsatz für vorhandene Prüfstände sei zudem in der Entwicklung, hieß es weiter. An der NOx-Messtechnik soll der Vorschlag ebenfalls nicht scheitern, sie ist bereits verfügbar. Als Beispiel nannte Friedrich Mexiko und Hongkong. In diesen Ländern werde das Autoabgas deutlich umfangreicher gemessen als in Deutschland.

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