E-Clutch bei Kia: Segeln mit dem Handschalter

Elektronischer Aktuator ergänzt das Kupplungspedal

| Autor: Jan Rosenow

Der Aktuator von Valeo ist für das Bedienen der Kupplung zuständig.
Der Aktuator von Valeo ist für das Bedienen der Kupplung zuständig. (Bild: Kia)

Das Festhalten der europäischen Autofahrer an der „Religion“ des manuellen Schaltens ist den Fahrzeugherstellern und ihren Zulieferern schon lange ein Dorn im Auge. Denn wenn der Fahrer selbst am Hebel beziehungsweise Pedal sitzt, dann müsste er für spritsparendes „Segeln“, also antriebsloses Rollen ohne bremsenden Motor, selbst die Kupplung treten und den Gang herausnehmen. Außer absoluten Sparfreaks macht das aber niemand.

Eine von einem Aktuator bediente Kupplung könnte das ohne Zutun des Fahrers. Seit vielen Jahren arbeiten Antriebsentwickler deshalb an Kombinationen aus einer elektronisch gesteuerten Kupplung und einem manuell bedienten Getriebe, mit denen sich zumindest rudimentäre Spritsparfunktionen verwirklichen lassen.

Kia: Mildhybrid mit elektronischer Kupplung

Nun scheint die lange Entwicklungsgeschichte der „E-Clutch“ endlich ihr erfolgreiches Ende gefunden zu haben. Doch nicht einer der angeblich so innovationsfreudigen deutschen Hersteller bringt sie in Produktion, sondern Kia. Für seine wachsende Mildhybrid-Palette hat der koreanische Hersteller ein neues Schaltgetriebe (intelligent Manual Transmission, iMT) entwickelt, in dem ein 48-Volt-Mildhybrid mit einem Handschaltgetriebe sowie einem elektronisch gesteuerten Kupplungsaktuator („Clutch-by-wire“) von Valeo kombiniert ist.

Zum Einsatz kommt es erstmals bei den neuen 48-Volt-Diesel-Mildhybriden der Ceed-Familie, die seit Ende April in Deutschland bestellt werden kann. Im überarbeiteten Kia Rio, der im dritten Quartal dieses Jahres eingeführt wird, ist das iMT mit einem 1,0-Liter-Turbobenziner kombiniert. Weitere Anwendungen sollen folgen.

Schneller als jede Yacht: Segeln bis 125 Stundenkilometer

Die elektronisch gesteuerte Kupplung des Getriebes ist in den Mildhybrid-Antriebsstrang integriert. Durch das Zusammenwirken mit dem 48-Volt-Startergenerator, der die Funktionen eines Elektromotors und einer Lichtmaschine kombiniert, kann das iMT den Motor schon beim Ausrollen des Fahrzeugs abschalten – deutlich früher als beim 12-Volt-Start-Stopp-System ISG. Darüber hinaus ermöglicht es bei Geschwindigkeiten von bis zu 125 Stundenkilometern auch während der Fahrt kurze Segelphasen. Das neue Getriebe reduziert den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen laut Kia im praktischen Fahrbetrieb (RDE) um rund drei Prozent.

Trotz der elektronischen Betätigung soll das iMT das für manuelle Getriebe typische Schaltgefühl bieten. Das Kupplungspedal bleibt in Funktion und die Kupplung soll auch einen gut spürbaren Schleifpunkt aufweisen.

Und so funktioniert das Segeln mit dem iMT: Wenn der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt, etwa vor einer Kurve oder Kreuzung, entkoppelt das iMT den Motor eigenständig vom Getriebe, wobei der gewählte Gang eingelegt bleibt. Dazu öffnet das iMT die Kupplung und schaltet den Verbrennungsmotor ab. Sobald der Fahrer auf das Gas-, Brems- oder Kupplungspedal tritt, wird der Motor wieder gestartet, je nach betätigtem Pedal und Fahrsituation entweder im gewählten Gang oder im Leerlauf mit geöffneter Kupplung. Dabei werden Motor und Getriebe durch den Startergenerator und die 48-Volt-Batterie in kürzester Zeit auf die richtige Drehzahl gebracht. Wenn die Geschwindigkeit zu niedrig für den eingelegten Gang ist, bleibt die Kupplung offen und der Fahrer erhält ein Signal, die passende Schaltstufe einzulegen.

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