Eine Fusion als Initialzündung des Autohauses Wolfsburg

Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Im Schatten des Volkswagenwerkes schlossen sich drei Einzelbetriebe zu einer schlagkräftigen Autohausgruppe, dem Autohaus Wolfsburg, zusammen.

Ein bisschen „liebevoller“ Druck seitens des Volkswagen-Werkes brachte vor rund zehn Jahren die drei Wolfsburger VW-Betriebe, die Autohäuser Wolfsburg, Hotz und Schade, zusammen an einen Tisch. Jeder der drei Partner war ungefähr gleich stark im Markt, aber jeder hatte einen anderen Schwerpunkt. Die Firma Schade hatte sich auf das Ersatzteilgeschäft spezialisiert, Hotz war stark im Servicebereich und Heitmann sah seine Stärken im Verkauf. Und keiner war aus wirtschaftlichen Gründen auf die Fusion angewiesen. Peter Giffhorn moderierte seitens des Werkes die damaligen Gespräche, die bald zur Einigung führten. Alle drei Firmenchefs sahen die Notwendigkeit für den Zusammenschluss.

So kam es 1999 dann zur Fusion der Autohäuser Hotz und Heitmann, nachdem kurz vorher Schade seinen Betrieb an die Firma Heitmann verkauft hatte. Es entstand das Autohaus Wolfsburg Hotz und Heitmann, das heute von Torsten Kietzmann und Michael Roth geführt wird. Beide beurteilen die damalige Entscheidung positiv. Roth sagt dazu: „Ehe es zu einem Hauen und Stechen zwischen uns kam, haben wir uns zu der Fusion entschlossen. Jeder hat die Notwendigkeit zur Fusion erkannt und jeder war gleich stark und brachte seine Stärken ein. Die Fusion war hier nicht so ganz schwierig, da allen Beteiligten klar war, dass sie wirklich Sinn macht für alle.“ Die Geschäftsführer verteilten die Mitarbeiter neu auf die einzelnen Betriebe, um zu erreichen, dass die Mitarbeiter sich schneller mit dem neuen Unternehmen identifizierten. Kietzmann erläutert dazu: „Wir haben die Belegschaft ganz systematisch durchgemischt, damit nicht die Betriebe weitermachen wie bisher, insbesondere die Führungsmannschaft. Damit sind Stärken und Schwächen genau ausgeglichen worden. Wir haben damit die Stärken gebündelt.“ Und Roth ergänzt: „Somit ist auch ein gesunder Wettbewerb im Unternehmen entstanden. Im Rückblick wissen wir eigentlich nicht, was wir damals hätten besser machen können. Die Fusion war ein Erfolg.“

Automeile

Der heutige Hauptstandort des Autohauses Wolfsburg ist der alte Firmensitz der Firma Hotz und liegt gegenüber dem Verwaltungsbau von Volkswagen. Roth erklärt: „Auf dem gut 60.000 m2 großen Grundstück mit einer Strassenfront von 500 Metern haben wir Wolfgang Heitmanns Vision einer Automeile realisieren können. Hier haben wir die Markenvorstellungen der einzelnen Konzernmarken zu 100 Prozent umgesetzt.“ 2001 errichtete das Unternehmen das Audi-Zentrum, es folgten 2003 das Skoda-Zentrum, 2004 die Volkswagen-Austellung und anschließend der Umbau des Seat-Betriebs. 2007 baute das Unternehmen zudem einen komplett neuen Werkstattbereich mit über 40 Arbeitsplätzen für das Volkswagen-Zentrum. Es entstand eine beeindruckende Automeile mit den Volkswagen-Marken, direkt gegenüber dem Werk.

Viele Händlerkollegen vermuten daher seit Jahren, dass Volkswagen an dem Unternehmen beteiligt sei und dies ein Grund für die rasante Entwicklung des Autohauses Wolfsburg sei. Kietzmann und Roth betonen aber, dass nach wie vor nur die Gesellschafterfamilien Heitmann und Hotz beteiligt seien und nicht das Werk. Den Erfolg hat das Unternehmen aus eigener Leistung geschafft. Er beruht auf drei Geschäftsfeldern, die nicht zufällig dieselben sind wie die alten Stärken der Ursprungsunternehmen: Nora (d. h. Ersatzteilgeschäft), das Geschäft mit Werksangehörigen sowie ein starker Service und ein sehr aktiver Vertrieb.

Aktiver Verkauf

Das Autohaus Wolfsburg hat kontinuierlich über Jahre hinweg den Verkauf an überregionale Kunden, sowohl an Großabnehmer wie auch an Privatkäufer, aufgebaut. Denn schon früh hat das Unternehmen begonnen, auch Fremdfabrikate in Zahlung zu nehmen, was damals nur wenige Volkswagen-Händler machten. Roth sagt dazu: „Wir haben vor nichts Angst gehabt. Dafür sind wir bundesweit bekannt geworden – auch wenn ein Kunde einen Passat haben will und uns dafür einen Jaguar bringt und wir Geld auszahlen müssen. Auch das machen wir. Wir müssen eben sauber kalkulieren. Es hat uns zur Stärke verholfen, dass wir Geschäfte machten, die andere nicht machten. Wir haben den Markt nicht erkauft, sondern wir haben die Chance genutzt.“ Große Bedeutung für das Unternehmen hat auch das Gebrauchtwagengeschäft, denn das Autohaus Wolfsburg kauft viele Fahrzeuge von Werksangehörigen auf und veräußert sie dann deutschlandweit.

Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist trotz der derzeitigen schwierigen Marktsituation positiv. Die beiden Geschäftsführer führen dies auch auf ihre aktive Investitionspolitik der letzten Jahre zurück. Kietzmann sagt dazu: „Wir haben uns nie gescheut, zu investieren. Sowohl in die Darstellung der Betriebe, als auch deren Funktionalität. So ist ein gesunder Schick entstanden, den wir aber auch brauchen. Das honorieren die Kunden.“ Als weitere Grundlage des finanziellen Erfolgs sieht Kietzmann ein sauberes Kostenmanagement und eine aktive Mitarbeiterqualifizierung, damit diese auch ihren Aufgaben gerecht werden können.

Gesundes Wachstum

Das Unternehmen hat zudem ein leistungsgerechtes Entlohnungssystem eingeführt mit einem Haustarifvertrag und einer Mitarbeitererfolgsbeteiligung. Roth stellt dazu fest: „Eigentlich ist das ein 100-Punkte-Katalog, den Sie abarbeiten müssen. Aber er führt zu einem guten Ansehen bei den Banken, einem guten Rating und damit zu vernünftigen Zinsen.“

Als Hauptpunkt für den Erfolg nennt Roth aber: „Wir haben mit Volkswagen auf das richtige Pferd gesetzt und die können auch auf uns setzen.“ Daher ist das Thema Mehrmarkenhandel über die Volkswagen-Marken hinaus kein Thema.

Die Strategie der beiden Geschäftsführer lautet: Stillstand ist Rückschritt. Kietzmann erläutert dazu: „Wir möchten ein gesundes Wachstum und die Chancen, die sich dabei ergeben, die werden wir nutzen.“

2004 übernahm das Autohaus Wolfsburg die Detmolder Stegelmann-Gruppe mit ihren vier Betrieben. Weitere Firmenzukäufe können sich die beiden Geschäftsführer zwar vorstellen, aber sie betonen, dass sie einen eher konsolidierenden, moderaten Wachstumskurs bevorzugen.

Roth formuliert dies folgendermaßen: „So wie wir aufgestellt sind, haben wir genug zu tun und tragen damit schließlich auch genug Verantwortung.“ Und Kietzmann ergänzt: „Wir wollen bleiben, was wir sind: eine schlagkräftige automobile Absatzorganisation im kleinen Rahmen mit zufriedenen Kunden und Mitarbeitern.“

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