Einer für Alle: Der Käfer wird 80

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In jenem Jahr war der zähe Wolfsburger bereits auf dem Weg zum Weltmeister, meistgebaut, meistgeliebt und meistgehasst. Nicht nur in Deutschland galt er als Symbol wirtschaftlichen Aufschwungs, er gab den Menschen durch mechanische Zuverlässigkeit – kein kochendes Kühlwasser und keine Kolbenfresser – und seine Kontinuität im Design den Glauben an die Verlässlichkeit zurück.

Ein Nimbus, den sich die Marke Volkswagen bis zur gegenwärtigen Diesel-Affäre bewahren konnte. Mochte sich die Welt auch noch so rasant verändern, für Volkswagen galt der legendäre Werbeslogan: „Da weiß man, was man hat“. Genau das machte den Käfer zum meist gefürchteten deutscher Exportartikel.

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Gefürchtet von Konkurrenten, die das Krabbeltier mit „Käfer-Killern“, also eigenen Kompaktmodellen meist vergeblich bekämpften. Waren dies in Deutschland vor allem die moderneren Ford Taunus 12M und Opel Kadett, bemühten sich in den USA eigens kreierte Compacts der Big Three GM, Ford und Chrysler um Eindämmung der vermeintlichen Käferplage. Denn die Amerikaner hatten den Beetle zum Kultobjekt erhoben, über das ein Magazin schrieb: „Er ist ein Familienmitglied, das nur zufällig in der Garage wohnt“.

Nach „Diesel-Gate“ heute kaum mehr zu glauben, aber 1970 errang Volkswagen über sieben Prozent Marktanteil in den USA. Dagegen fristeten alle anderen Importeure auf dem größten Automarkt der Welt ein Nischendasein. 1972 folgte dann des Beetles ultimativer Triumph über die US-Konzerne: Mit dem 15.007.034sten Käfer knackte VW den bisherigen Bestwert des Ford Model T.

Käfer fällt dem Golf zum Opfer

Mit dem Ur-Käfer hatten die VW 1302 und 1303 des Jahrgangs 1972 aber nur noch das Konzept und die Silhouette der Karosserie gemeinsam, gab es doch im Laufe der Jahre 78.000 Änderungen. Trotzdem, eine Evolution war jetzt nicht mehr möglich, also musste eine Revolution her. Die Stunde des Golf war gekommen.

Mit den Kennzeichen Frontantrieb und großer Heckklappe begründete der Golf die Kompaktklasse als neuer klassenloser Megaseller. Letzteres ganz in der Tradition seines Ahnherrn, der als Oldtimer die Nummer eins auf deutschen Straßen bleibt und luftgekühlt läuft und läuft. Nahezu geräuschfrei soll dagegen der Neustart von Volkswagen ins Zeitalter der E-Mobilität gelingen – passgenau zum 80. Jubiläum der Marke.

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