Preisvergleich BEV – Verbrenner Elektroautos sind seit 2020 deutlich wettbewerbsfähiger geworden

Von Andreas Grimm 4 min Lesedauer

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Fraunhofer-Institut und die Forschergruppe ICCT sehen eine wachsende preisliche Konkurrenzfähigkeit von Elektromodellen zu den Verbrennern – bei einer wachsenden Modellvielfalt. Bis etwa 2030 dürften sich die Listenpreise weiter annähern.

Die Kosten für die Batterien sinken, E-Autos werden tendenziell günstiger. Einer Studie zufolge schrumpft der Preisabstand zu vergleichbaren Verbrennermodellen deutlich.(Bild:  Grimm – VCG)
Die Kosten für die Batterien sinken, E-Autos werden tendenziell günstiger. Einer Studie zufolge schrumpft der Preisabstand zu vergleichbaren Verbrennermodellen deutlich.
(Bild: Grimm – VCG)

Ein wesentlicher Vorbehalt gegen Elektroautos – ihr hoher Preis im Vergleich zu Verbrennerfahrzeugen – wird zunehmend widerlegt. Denn BEV-Modelle sind in den vergangenen fünf Jahren im Verhältnis zu vergleichbaren Verbrennerfahrzeugen deutlich günstiger geworden. Inflationsbereinigt sanken die Listenpreise von 2020 bis 2025 um 18 Prozent, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des International Council on Clean Transportation (ICCT) ergab. Die Preise für Verbrenner legten gleichzeitig inflationsbereinigt um 2 Prozent zu.

Das Ergebnis ist eine spürbare Verringerung des preislichen Abstands zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen. Im Vergleich der Gesamtkosten pro Kilometer können Elektroautos, je nach Haltedauer, inzwischen die Nase vorn haben. Wie groß der Kostenvorteil letztlich ausfällt, hängt jedoch unter anderem von Strom- und Kraftstoffpreisen, Fahrleistung, Wartung, Versicherung und Finanzierung ab.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Markt für Elektroautos in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Die Fahrzeuge bieten heute im Durchschnitt größere Reichweiten und mehr Motorleistung, während die realen Preise vergleichbarer Modelle gesunken sind“, fasst Peter Mock, Europachef des ICCT in Berlin, die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Wachsendes Angebot in der Mittelklasse

Für ihre Untersuchung haben die Forscher nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Einzelangaben aus einer ADAC-Datenbank ausgewertet. Die Analyse umfasst sechs Fahrzeugsegmente – von Kleinwagen bis zur Oberklasse. Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, wurden dabei nicht einfach Durchschnittspreise aller Verbrenner und aller Elektroautos gebildet. Das wäre wenig aussagekräftig, weil sich das Angebot an Elektroautos in den vergangenen Jahren stark verändert hat.

Die Zahl der verfügbaren Elektromodelle in Deutschland stieg demnach von 38 im Jahr 2020 auf 159 im Jahr 2025. Das Angebot hat sich damit mehr als vervierfacht. Gleichzeitig sank die Zahl der verfügbaren Modelle mit Verbrennungsmotor von 275 auf 194.

Auch die Zusammensetzung des Elektroangebots hat sich verändert. Der Anteil der Modelle aus der Mittelklasse und der oberen Mittelklasse am Gesamtangebot stieg laut der Studie deutlich und lag 2025 bei 73 Prozent aller verfügbaren Elektromodelle. Elektroautos sind damit heute in deutlich mehr Größen-, Reichweiten- und Leistungsklassen erhältlich als noch vor einigen Jahren. Für Autohändler und Verkäufer bedeutet das: Kunden können stärker nach Fahrzeuggröße, Reichweite, Leistung und Ausstattung beraten werden, statt Elektroautos als einheitliche Produktgruppe zu betrachten.

Verändertes Angebot, sinkende Batteriepreise

Anders sieht es noch im Mini- und Kleinwagensegment aus: 2025 standen in diesen Gruppen 19 Elektromodelle 35 Verbrenner-Modellen gegenüber. Für die Forscher ist daher wichtig, dass die Industrie weiterhin verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen hat, darunter langfristig stabile CO₂-Flottengrenzwerte. Diese Vorgaben blieben zentral, „um Investitionen in die Elektrifizierung aller Fahrzeugsegmente sowie in die Batteriefertigung zu sichern“. 

Mit der gewählten Herangehensweise ergaben sich für Elektroautos relativ stabile Listenpreise vergleichbarer Modelle, während die Preise vergleichbarer Verbrenner stiegen. Berücksichtigt man zusätzlich die Inflation, die in den vergangenen Jahren teilweise hoch war, sanken die Preise vergleichbarer Elektroautos inflationsbereinigt um 18 Prozent. Die vergleichbaren Preise für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor waren gemäß den Berechnungen im selben Zeitraum um rund 2 Prozent gestiegen.

Die Entwicklung wird erheblich durch sinkende Batteriepreise unterstützt. Nach Angaben der Studie gingen die globalen Batteriepreise zwischen 2020 und 2025 nominal um etwa 21 bis 24 Prozent zurück. Inflationsbereinigt entspricht dies einem Rückgang von rund 35 bis 37 Prozent. Sinkende Batteriepreise und der zunehmende Wettbewerb zwischen den Herstellern können dazu beitragen, dass Elektrofahrzeuge künftig zu niedrigeren Preisen angeboten werden.

Patrick Plötz, Professor am Frauenhofer-Institut ISI, sieht weiteres Potenzial für eine Preisentwicklung zugunsten der Elektroautos: „Die gesunkenen Batteriepreise sind noch nicht vollständig weitergegeben worden“, sagt Plötz. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen im Untersuchungszeitraum um rund ein Drittel gestiegen sei. Kosteneinsparungen seien entsprechend genutzt worden, um die Fahrzeugeigenschaften und -leistungsdaten zu verbessern. 

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Preisgleichheit bis 2030 erwartet

Rechne man die aktuelle Entwicklung weiter, dürften bis etwa 2030 Elektroautos in Europa gleich viel kosten wie vergleichbare Verbrenner, erwartet Plötz. „Bei den Gesamtkosten pro Kilometer wären sie dann klar günstiger.“ Für Käufer ist diese Unterscheidung relevant: Selbst wenn der Anschaffungspreis eines Elektroautos dem eines Verbrenners entspricht, können niedrigere Energie- und Wartungskosten die laufenden Kosten beeinflussen. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit muss allerdings für jedes Fahrzeug und das individuelle Fahrprofil gesondert berechnet werden.

Erfahrungen aus anderen Märkten zeigten, dass bei gleichen Preisen Elektroautos auf rund 50 Prozent Marktanteil kämen. Dieser Wert beschreibt die Entwicklung in den herangezogenen Vergleichsmärkten und ist nicht als automatische Prognose für Deutschland zu verstehen. Für die Nachfrage spielen neben dem Preis auch Ladeinfrastruktur, Lademöglichkeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz, Reichweite, Lieferzeiten und die verfügbare Modellpalette eine Rolle.

Listenpreise und tatsächliche Kaufpreise

Dass die Studie Listenpreise und nicht echte Transaktionspreise vergleicht, liegt vor allem daran, dass tatsächlich gezahlte Kaufpreise in der notwendigen Breite nicht verfügbar sind. Große Verzerrungen sollten dadurch aber nicht entstanden sein, betonen die Autoren.

Daten des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer zur Entwicklung des Rabattniveaus bei Elektroautos hatten in den vergangenen Jahren eher einen Aufwärtstrend der Rabatte auf wichtige Stromer ausgewiesen. Das hätte den Effekt eher zugunsten der Elektroautos verstärkt. Zuletzt hatten die Hersteller die Rabatte auf E-Modelle in Deutschland allerdings wieder etwas zurückgefahren – möglicherweise wegen der staatlichen Zuschüsse auf E-Modelle.

Für die Einordnung einzelner Angebote bleibt der Listenpreis damit nur ein Ausgangspunkt. Rabatte, Herstelleraktionen, Leasingkonditionen, Gebrauchtwagenbewertungen und mögliche Förderungen können den tatsächlichen finanziellen Vergleich für den Endkunden deutlich verändern.

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