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Exklusiv: Was ist jetzt eigentlich mit Borgward?

Autor: Andreas Wehner

Eigentlich hätte es 2017 die ersten Borgward-Modelle in Deutschland zu kaufen geben sollen. Bislang ist der Vertrieb jedoch nicht gestartet. Auch das Markenerlebniszentrum in Stuttgart hat noch nicht geöffnet. »kfz-betrieb« hat nachgehakt, wie der Stand der Dinge ist.

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(Bild: Wehner / kfz-betrieb)

Bei Borgward geht es nicht so schnell voran wie geplant. Auf der IAA im vergangenen September hatte der deutsch-chinesische Autobauer angekündigt, noch 2017 die ersten Fahrzeuge über die Online-Plattform Sixt Neuwagen verkaufen zu wollen. Bislang ist allerdings nichts passiert.

Borgward und Sixt haben weiterhin die Absicht, gemeinsam Fahrzeuge zu verkaufen, wie die beiden Unternehmen auf Anfrage von »kfz-betrieb« bestätigen. Auf einen Starttermin wollen sich der Autobauer und der Neuwagenvermittler aber nicht festlegen. Die Verhandlungen laufen noch. Man sei zuversichtlich, bald zu einer Lösung zu kommen, sagte ein Borgward-Sprecher. „Sicher ist, dass wir vor dem Marktstart service- und vertriebsbereit sein werden.“

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Für den Service plant Borgward eine Zusammenarbeit mit der Werkstattkette ATU. Auch diese Kooperation ist nach wie vor nicht in trockenen Tüchern. Es seien noch Details zu klären, beispielsweise, wie viele der ATU-Standorte den Borgward-Kunden mit der wachsenden Fahrzeugflotte jedes Jahr zusätzlich zur Verfügung stehen sollen.

Das in Stuttgart geplante „Brand Experience Center“ wird laut Borgward innerhalb des ersten Halbjahrs eröffnen. Dort sollen Kunden und Interessenten sich über die Marke und ihre Produkte informieren, Testfahrten buchen und die Autos auch kaufen können. Borgward-Chef Ulrich Walker hatte auf der IAA die Eröffnung zum Jahresanfang in Aussicht gestellt.

Verzögerungen gibt es auch beim Kauf des Grundstücks in Bremen, auf dem ein Werk für die CKD- und SKD-Produktion von Borgward-Modellen entstehen soll. „Auslandsinvestitionen, die ein Millionenvolumen übersteigen, müssen seit dem vergangenen Jahr in China gesondert genehmigt werden. Daher kommt es zu Verzögerungen im Genehmigungsprozess“, begründete der Borgward-Sprecher. An den grundsätzlichen Planungen des Autobauers habe sich nichts geändert. Das Gelände werde planmäßig auf den Bau des Werks vorbereitet. Auch alle anderen Voraussetzungen würden sukzessive erfüllt. Borgward halte an seinem Ziel fest, ab 2019 in Bremen Autos zu montieren.

Weitere Investoren gesucht

Zuletzt hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass dem chinesischen Nutzfahrzeughersteller Foton, der hinter Borgward steht, das Geld ausgehen könnte und das Unternehmen daher auf der Suche nach einem Käufer für die wiederbelebte Marke sei. „Unser Haupteigner Foton Motor führt Gespräche mit interessierten Investoren hinsichtlich einer möglichen Beteiligung an Borgward zur weiteren Stärkung der Marke und des Konzerns sowie zur Beschleunigung der Produktentwicklung“, sagte der Sprecher. Borgward sei schon immer bestrebt gewesen, weitere strategische Investoren zu gewinnen.

Die Marke hatte 2015 ihr Comeback gestartet. Mitte des vergangenen Jahres hatte der Autobauer in China mit dem Fahrzeugverkauf begonnen. Bis Jahresende hat Borgward dort 45.000 Fahrzeuge verkauft haben, der Auftragseingang belief sich nach Unternehmensangaben seit dem Marktstart auf insgesamt 70.000 Einheiten. Neben Deutschland will das Unternehmen in diesem Jahr in zahlreichen kleineren Märkten starten. Dazu gehören Iran, Bahrain, Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kasachstan, Angola, Laos und Kambodscha. In Südamerika ist der Start in Chile, Peru, Bolivien und Argentinien geplant.

Borgward schrieb zwischen 1924 und 1961 ein Stück deutsche Automobilgeschichte mit. Das Unternehmen beschäftigte in seiner Blütezeit 23.000 Menschen und war in den 50er Jahren zeitweise der drittgrößte Autobauer in Deutschland. Bekannt wurde das Unternehmen unter anderem durch Modelle wie Isabella, Arabella, Hansa 1500 und Hansa 2400. 1961 musste die Unternehmensgruppe – damals größter Arbeitgeber Bremens – nach öffentlich gewordenen finanziellen Schwierigkeiten Konkurs anmelden.

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Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«