Fahrverbot: Dieseln droht Wertverlust

Das Kfz-Gewerbe lehnt ein Fahrverbot ab, wie es jetzt zur Verbesserung der Luftqualität in Stuttgart beschlossen wurde. Vor allem der mögliche Wertverlust von Diesel-Fahrzeugen macht den Händlern Sorgen. Einige sehen aber auch Vorteile.

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(Bild: (c) dpa)

Das Kfz-Gewerbe sieht das geplante Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge in Stuttgart skeptisch. „Durch Fahrverbote könnten Diesel-Pkw enorm an Wert verlieren“, warnte Harry Brambach, Präsident des Kfz-Landesverbands Baden-Württemberg. Dies belaste zum einen die Kfz-Händler, deren Gebrauchtwagenbestände abgewertet würden, aber auch die Bevölkerung. „Kaum jemand, der heute einen gebrauchten Diesel fährt, kann sich ohne Weiteres ein Neufahrzeug leisten“, so Brambach.

Dramatische Auswirkungen sind nach Ansicht der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart jedoch nicht zu erwarten. „Fahrverbote an Feinstaubtagen auf besonders belasteten Straßen in Stuttgart werden den Gebrauchtwagenmarkt belasten, aber sie werden ihn nicht zusammenbrechen lassen“, schätzt Obermeister Torsten Treiber. Solange die Fahrverbote auf ein paar kritische Feinstaubalarm-Tage beschränkt blieben, könne der Handel damit leben.

Problem Leasingrückläufer

Am kritischsten sei derzeit, was bei Firmen-Leasing-Fahrzeugen mit Diesel passiert, die vor August 2015 gekauft wurden und 2018 in die Autohäuser zurückkommen. „Da wird spannend sein, wie bei diesen Euro-5-Fahrzeugen die Restwertkalkulation passt. Denn diese Autos müssen die Händler annehmen und auch wieder auf den Markt bringen.“ Die Händler hätten ansonsten schon im Vorfeld auf die Diskussion um Fahrverbote und die blaue Plakette reagiert und ihre Bestände an Dieseln reduziert.

„Bei Neu- und Gebrauchtfahrzeugen wird sich der schon zu beobachtende Trend hin zu anderen Antriebstechniken verstärken“, glaubt Treiber. Die Innung hält generell eine Umstiegsprämie für sinnvoller, um den Ersatz älterer Diesel-Fahrzeuge zu beschleunigen.

Aber selbst ohne eine solche Prämie rechnet Marcus Stein, Geschäftsführer der Stuttgarter Staiger-Gruppe (Opel), mit einer Belebung des Neu- und Jungwagengeschäfts. Denn gerade die Stuttgarter, die ja auch über eine vergleichsweise hohe Kaufkraft verfügten, würden das aufgrund der lokalen Gegebenheiten hohe tägliche Risiko eines Fahrverbotes wohl nicht einfach so in Kauf nehmen und im Zweifel ihr Auto tauschen. „Insgesamt sehen wir daher das Diesel-Fahrverbot eher positiv“, sagte Stein. Doch es gebe auch eine Schattenseite: „Im Gebrauchtwagengeschäft wird es für uns schwieriger, denn wir werden entsprechende Kundenfahrzeuge jetzt restriktiver in Zahlung nehmen müssen.“

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