Fiat 124 Spider: 50 Jahre Sonnenkönig

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Trotz dieses Aufwandes und des anspruchsvoll konstruierten 1,4-Liter-Motors mit Leichtmetallzylinderkopf und Zahnriemenantrieb für die zwei Nockenwellen war der Fiat von Beginn an bezahlbar. Mit 10.980 Mark kostete der offene 124 deutlich weniger als ein Alfa Spider oder der Triumph TR 4. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis des Sportlers, der überdies verblüffend schnell war. Auf ersten Autostrada-Testfahrten bescheinigte die Presse dem Fiat Spider eine Vmax von fast 200 km/h, jedoch war die Werksangabe von 174 km/h im Alltag realistischer.

Weshalb Fiat mit dem ersten Facelift nachrüstete und 1970 einen 1,6-Liter-Vierzylinder mit 81 kW/110 PS lancierte, dem wiederum drei Jahre später eine 1,8-Liter-Version mit nunmehr 87 kW/118 PS folgte. Noch kräftiger war ab Ende 1972 eine Sonderserie zur Homologation für FIA-Rallyefahrzeuge: Der 94 kW/128 PS starke Fiat 124 Abarth Rally in Kriegsbemalung mit mattschwarzen Hauben, Hardtop und Kotflügelverbreiterungen. Ein heiß begehrter Sportler, der das schon 1971 eingeleitete und durch zahlreiche Trophäen honorierte Rallye-Engagement des Fiat Spider erfolgreich fortführte bis 1976 der Fiat 131 Abarth ein gänzlich anderes Kapitel aufschlug. Heute zählt der 124 Abarth Rally zu den von Sammlern am höchsten dotierten Spielarten des Spider. Kein Wunder, dass Fiat von diesem Imageträger weiter profitieren will und deshalb auf dem Genfer Salon 2016 den Abarth 124 Spider aus der Mazda-Kooperation vorfuhr.

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Im Jahr 1975 erging es den Straßenversionen des Abarth aber erst einmal ebenso wie allen anderen Fiat Spider: Mit dem neuen Mittelklassemodell 131 Mirafiori wurde die Ära 124 ad acta gelegt. Allerdings nur in Europa, denn die Amerikaner bezogen die Spider nach wie vor. Einzelne US-Fiat fanden zudem weiterhin den Weg nach Deutschland, belieferte doch bis 1980 eine Vertriebsfirma hier lebende US-Bürger mit der Turiner Sportwagenspezialität. Erst danach durfte die Heilbronner Fiat Automobil AG den Frischluftstar erneut ins Programm nehmen. Dort blieb er auch in seinem zweiten Leben, das 1982 begann.

Fiat ließ es damals zu, dass Pininfarina die Produktion des nun Pininfarina Spidereuropa genannten Sportwagens in Eigenregie fortführte. Und dies sogar mit einem Triebwerk temperamentvollster Natur und dem verheißungsvollen Namen Volumex. Dahinter verbarg sich ein Zweiliter-Vierzylinder aus dem Fiat Argenta mit Kompressoraufladung, der 99 kW/135 PS freisetzte. Genug Biss, um den einzig verbliebenen Rivalen von Alfa bis 1985 in der Leistungsausbeute ebenso zu übertrumpfen wie in den Gesamtstückzahlen. Dann war der Fiat bzw. Pininfarina endgültig reif fürs Museum. Sergio Pininfarina erläuterte später nicht ohne Wehmut, dass es zu kompliziert geworden war, die alte Hinterradantriebstechnik von Fiat zu beziehen, wo inzwischen nur noch Frontantriebs- und Allradmodelle gebaut wurden.

Letzteres eine Situation wie heute. Vielleicht konnte Fiat kaum etwas Besseres passieren als den 124 Spider auf Basis des Mazda MX-5 und dessen klassischer Roadsterarchitekur zu revitalisieren.

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