Fiat 124 Spider: 50 Jahre Sonnenkönig

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

In diesen Wochen bekommt der Fiat 124 Spider sein drittes Leben eingehaucht. Mit einer großen Portion Dolce Vita konnte der Roadster in der Vergangenheit vor allem die Amerikaner begeistern.

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Ein Fiat 124 Sport Spider ab dem Jahr 1970.
Ein Fiat 124 Sport Spider ab dem Jahr 1970.
(Foto: Fiat)

Mit dem Fiat 124 Spider feiert eine italienische Ikone in diesen Wochen ihr Comeback – auf der Plattform des Mazda MX-5. Tatsächlich wird die Neuauflage sogar gemeinsam mit dem Japan-Roadster im Mazda-Werk in Hiroshima gebaut. Ob er die Erfolgsstory seiner Vorgänger fortführen kann, muss der neue Nippon-Fiat erst noch zeigen. Schließlich galt der vor 50 Jahren vorgestellte offene Sportwagen damals als Fiats Antwort auf den zur gleichen Zeit präsentierten Alfa Spider. Zwei 2+2-Sitzer, die beide von Pininfarina gezeichnet worden waren und sich doch deutlich differenzierten.

So verdankte der Fiat seine Technik dem vormaligen Ferrari-Motoreningenieur Aurelio Lampredi, musste sich aber im Gegensatz zum potenten Alfa anfangs mit einem 66 kW/90 PS Vierzylinder begnügen. Leistungszuwächse und siegreiche Rallyeversionen gab es erst für die 1970er Jahre. Was den tollen Turiner nicht hinderte, die Amerikaner ins Herz zu treffen, die letztlich drei Viertel der Produktion kauften. Als Fiat 1975 seinen Spider in Europa still und leise zu Grabe trug, freute sich Alfa bereits über eine Alleinstellung. Zu früh – denn Pininfarina ließ seinen größten kommerziellen Erfolg nicht sterben, schenkte ihm stattdessen ein zweites Leben unter eigenem Label. Erst 1985 rollte der letzte Pininfarina Spidereuropa vom Band ins Museum. Ein Ehrenplatz, der dem mit 200.000 Einheiten meistgebauten Italo-Spider aller Zeiten zusteht.

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Schon die Premierenfeier des sportlichen Bestsellers war spektakulär, denn sie war Bestandteil eines Jahrhundertfestes. Galt es im Jahr 1966 doch, die 100. Wiederkehr des Geburtstages von Giovanni Agnelli zu zelebrieren, des Unternehmers also, der die Fabricca Italiana di Automobili Torino (Fiat) gegründet hatte. Passend zu diesem Jubiläum übernahm der Enkel, Advokat Giovanni Agnelli, die Macht im Haus und richtete Fiat strategisch neu aus. Die Modelle wurden nun internationaler vermarktet und nicht mehr nach der Hubraumgröße benannt. Erstes Modell der neuen Nomenklatur war der Fiat 124, der auch als sowjetisches Volksauto Lada gebaut wurde und in insgesamt drei Kontinenten vom Band rollte. Nur die exklusivste Version des Fiat 124, der Spider, kam allein aus italienischen Werken. Verkauft wurde er dennoch weltweit, mit dem Hauptmarkt in Nordamerika.

Mit dem anfänglich „Sport Spider“ genannten Cabrio machten die Turiner Techniker ihrem Konzerngründer ein besonderes Geburtstagsgeschenk, enthüllt auf der damals wichtigsten Designmesse, dem Turiner Salon. Die offene Version des Fiat 124 basierte auf der verkürzten Bodengruppe der Limousine und trug ein Kleid, das anfangs weitaus ausgewogener gezeichnet war als der gleichfalls von Pininfarina karossierte Alfa Spider mit Rundheck. So jedenfalls die Bewertungen zeitgenössischer Kritiker, die den Alfa erst in der 1969 eingeführten Fastbackversion uneingeschränkt bejubelten.

Dolce Vita als Zugmittel in den USA

Dagegen verriet der Fiat die Zahl seiner Jahresringe stets nur durch Details. Dazu zählen die Motorhaube, die ab 1970 zwei Powerdomes für stärkere Maschinen zeigte und die Mitte der 1970er Jahre eingeführten Stoßstangen für US-Sicherheitsnormen. Andererseits kündete noch in den 1980er Jahren ein klassisches Armaturenbrett mit Holzfurnier vom Zeitgeist der Swinging Sixties.

Damals beerbte der Fiat nicht nur seinen luftigen Vorgänger vom Typ 1600, sondern er konkurrierte gleich mit einem Dutzend offener Europäer. Allerdings fehlte es diesen fast immer am damals boomenden Dolce-Vita-Feeling, eine Italianita, die besonders in Amerika gefragt war. Auf diesem weltweit größten Sportwagenmarkt gelangen dem 124 Spider deshalb von Beginn an seine größten Erfolge. Tatsächlich hatte sich Pininfarina bereits bei der Linienfindung des Fiat inspirieren lassen durch einen US-Sportwagen, das von ihm 1963 gebaute Concept Car Corvette Rondine. Auch die Karosserie des 124 Spider wurde bei Pininfarina gefertigt und erst anschließend zur Endmontage in die Fiat-Fabrik geliefert.

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