Suchen

Fingierte Unfälle: Das Ende der fiktiven Schadensregulierung?

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

In Deutschland werden jedes Jahr rund 1,5 Millionen Kfz-Haftschäden „fiktiv“ abgerechnet. Das ist legal, schafft aber gute Gelegenheiten für Betrüger. Müssen neue Gesetze her, um ihnen das Handwerk zu legen?

Firmen zum Thema

(Bild: TÜV Süd)

Im vergangenen Jahr sorgte ein Kriminalfall in Nordrhein-Westfalen für Schlagzeilen. Die Polizei in Essen kam einer Bande auf die Spur, die mindestens 50 Verkehrsunfälle absichtlich herbeigeführt haben soll, um anschließend hohe Versicherungssummen einzustreichen. Kein Einzelfall, berichtet die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Immer wieder verursachen sogenannte Autobumser vorsätzlich Kollisionen. Anschließend kassieren sie reichlich Geld, obwohl die Fahrzeuge allenfalls notdürftig repariert wurden. Erleichtert wird die Betrugsmasche durch die sogenannte fiktive Schadensregulierung.

Wer einen fremd-verschuldeten Unfallschaden am Auto hat, braucht nur einen Kostenvoranschlag oder ein Sachverständigengutachten zur Schadenshöhe und kann sich dann den entsprechenden Betrag von der Versicherung auszahlen lassen. Ob und wie das Fahrzeug aber repariert wird, darf der Autohalter selbst entscheiden. Beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag (VGT) in Goslar (29. bis 31.1.) wird darüber diskutiert, ob die fiktive Schadensregulierung zu ungerechtfertigter Bereicherung führt und ob deshalb Gesetzesänderungen erforderlich sind.

Nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) gibt es bundesweit pro Jahr etwa vier Millionen Kfz-Haftpflichtschäden. „Etwa 35 bis 40 Prozent davon werden fiktiv abgerechnet“, sagt ein Sprecher.

Das geht zwar meistens mit rechten Dingen zu – aber eben nicht immer. Die fiktive Schadensabrechnung begünstige Betrüger, meint der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Michael Mertens. Die Strategie der Gauner sei dabei ganz einfach: „Zunächst sorgen sie absichtlich dafür, dass es zu einem Unfall kommt, bei dem das eigene Fahrzeug beschädigt wird.“ Anschließend verlangen die Betrüger laut Mertens dann von der Versicherung die Schadensregulierung auf Basis der fiktiven Wiederherstellungskosten.

„Einfallstor für Versicherungsbetrügereien“

Ähnlich sieht es das Landgericht Darmstadt. Die fiktive Schadensabrechnung, so heißt es in einem Urteil vom Herbst 2018 (Az. 23 O 386/17), sei „das Einfallstor für Versicherungsbetrügereien und gestellte, provozierte oder sonst manipulierte Verkehrsunfälle“. Zumeist würden Fahrzeuge der Oberklasse eingesetzt, beschädigt und dann bei der Versicherung „zur Regulierung auf der Basis fiktiver Reparaturkosten vorgestellt“. Die Kosten lägen dabei oft um „ein Vielfaches über den zumeist nur kosmetisch in Hinterhofwerkstätten durchgeführten tatsächlichen Kosten der Beseitigung der Unfallspuren“.

(ID:46332564)