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Ford-Erfolgsmodelle kommen seit 50 Jahren aus Saarlouis

Autor: Steffen Dominsky

Bundeskanzler Ludwig Erhard persönlich machte sich für die saarländische Stadt als Standort für die Autoproduktion stark. Wie die Geschichte zeigt, ein Engagement mit nachhaltigem Erfolg, der die Region bis heute prägt.

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Seit einem halben Jahrhundert baut Ford in Saarlouis Automobile.
Seit einem halben Jahrhundert baut Ford in Saarlouis Automobile.
(Bild: Ford AG)

Das Jahr 1970 war ein Jahr mit vielen geschichtsträchtigen Ereignissen: Willy Brandt kniete in Warschau nieder, die Beatles trennten sich und Pelé holte mit der brasilianischen Fußballnationalmannschaft seinen dritten WM-Titel. Doch im beschaulichen Saarlouis fand am 16. Januar 1970 ein Ereignis statt, das für die Stadt, das gesamte Saarland noch bedeutsamer war: Das erste Ford-Fahrzeug rollte im Werk Saarlouis vom Band.

Es war ein Ford Escort mit 1,1-Liter-Motor und 40 PS. Also ein Auto mit relativ kleinem Motor und relativ wenig Leistung, aber umso größerer Bedeutung. Denn mit diesem Escort begann die Erfolgsgeschichte des Ford-Werks Saarlouis, das sich zu einer der effizientesten Produktionsstätten und zu einem der größten Arbeitgeber des Saarlandes entwickelte.

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Bis heute sind in Saarlouis mehr als 15 Millionen Ford-Modelle vom Band gelaufen. Dass das Werk solche Dimensionen erreichen würde, war vor 50 Jahren noch nicht absehbar und wohl auch kaum vorstellbar. Doch von Anfang an setzte die Politik große Hoffnung in das Werk. Das zeigte sich schon allein daran, dass Ministerpräsident Franz-Josef Röder den ersten Ford Escort aus Saarlouis eigenhändig vom Band fuhr.

Zunächst Blechteile für andere Werke und Renault

Bereits dreieinhalb Jahre zuvor legte Ford-Generaldirektor Robert G. Layton den Grundstein für den Bau des Werks. Es entstand im wahrsten Sinne des Wortes auf der grünen Wiese, nämlich auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Röderberg. Das 1,4 Millionen Quadratmeter große Werkareal war bis dahin von Wiesen und Bäumen geprägt. Dass Ford sich hier niederließ, lag auch an einem einflussreichen Unterstützer: Ludwig Erhard, damaliger Bundeskanzler und Vater des Wirtschaftswunders, setzte sich beim Ford-Vorstand in Köln für Saarlouis ein. Mit der Ansiedelung von Ford wollte Erhard die saarländische Wirtschaft beleben, die durch die starke Konzentration auf Kohle und Stahl in die Krise geraten war.

Die Produktion im Ford-Werk begann schon 1968. Allerdings wurden noch keine kompletten Fahrzeuge hergestellt: Rund 700 Beschäftigte fertigten zunächst Karosserieteile für andere europäische Ford-Werke, aber auch für Renault. Im Oktober 1969 entstand dann die erste Escort-Rohkarosse, und drei Monate später folgte die eigentliche Geburtsstunde des Automobilwerks Saarlouis.

„Eines der schönsten Ford-Werke der Welt“

Offiziell eingeweiht wurde das Werk am 11. Juni 1970 bei einem Festakt mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde durch Henry Ford II. Der Enkel des Firmengründers bezeichnete das Fabrikgelände in Saarlouis in seiner Festrede „als eines der schönsten Ford-Werke der ganzen Welt“. Man habe sich aufgrund der günstigen geografischen Lage für das Saarland als Standort entschieden, sagte Ford. „Außerdem glauben wir, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze in diesem Gebiet nicht nur der Bevölkerung an der Saar, sondern auch unserem Unternehmen Nutzen bringt.“ Mit mehr als 15 Millionen seitdem produzierten Ford-Modellen haben das Werk und seine Belegschaft diese damals in sie gesteckte Erwartung mehr als erfüllt.

In 50 Jahren Automobilbau ist enorm viel passiert: in Saarlouis, bei Ford und in der gesamten Automobilindustrie. So war der Ford Escort zu seiner Zeit ein absolutes Erfolgsmodell. Fünf Generationen und mehr als sechs Millionen Escort-Modelle liefen in Saarlouis vom Band. Darunter zum Beispiel der Ford Escort RS 2000. Das Topmodell der ersten Generation kam 1973 auf den Markt, leistete 100 PS und legte das Fundament für zahlreiche Motorsporterfolge. Beispielsweise bescherte der Escort RS 2000 Ford 1973 den Gewinn der Rallyecross-Europameisterschaft. Seine Nachfolge-Modelle der zweiten und dritten Escort-Generation, die Ford Escort RS 1800, holten 1979 und 1981 sogar den Rallye-Weltmeistertitel.

Fokus auf neue Generation

Im Juli 1998 kam es in Saarlouis dann zur Wachablösung: Ein Erfolgsmodell löste das andere ab. Der Focus ersetzte den Escort. Seit 1998 sind mehr als 6,1 Millionen Focus-Modelle in Saarlouis vom Band gelaufen, also etwa 100.000 mehr als Escort-Modelle. Von 1971 bis 1975 fertigte das Werk am Röderberg zudem knapp 150.000 Einheiten eines wahren Klassikers, des Capri. Der populäre Alltagssportwagen aus der Feder des Mustang-Designers Philip T. Clark war ein automobiler Traum, den sich auch Otto Normalverbraucher verwirklichen konnte.

Auch der meistverkaufte Kleinwagen Europas blickt auf ein Kapitel Saarlouiser Geschichte zurück: Denn der erste Fiesta lief dort von 1976 bis 1980 in mehr als 720.000 Einheiten vom Band. Parallel zum Ford Escort fertigte das Werk zudem von 1983 bis 1993 mehr als 500.000 Einheiten des Orion. Als der erste Ford Escort vom Band lief, lag die Produktionskapazität bei 20 Einheiten pro Tag, wobei die Rate noch im selben Jahr auf etwa 400 gesteigert wurde. Heute kommen an jedem Arbeitstag etwa 1.160 hinzu.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group