Forscher: Elektroautos belasten Klima stärker als vergleichbare Diesel

Autor / Redakteur: dpa/cs / Christoph Seyerlein

Drei namhafte Forscher haben in einer Studie Politik und Industrie für ihren teilweise starken Fokus auf Elektroautos kritisiert. Eine Beispielrechnung mit den Protagonisten Tesla Model 3 und Mercedes C 220 d soll belegen, dass der Diesel aktuell in der Umweltbilanz besser abschneidet.

Firmen zum Thema

Teslas Model 3 ist seit Anfang des Jahres auch in Deutschland verfügbar.
Teslas Model 3 ist seit Anfang des Jahres auch in Deutschland verfügbar.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Elektroautos entlasten die deutsche Klimabilanz nach einer Studie des Kölner Physikprofessors Christoph Buchal, des Energieexperten Hans-Dieter Karl und des ehemaligen Präsidenten des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn nur auf dem Papier. In Wirklichkeit erhöhten sie den CO2-Ausstoß sogar. Sobald die Herstellung der Batterien und der deutsche Strommix in der Rechnung berücksichtigt werden, belaste ein E-Auto das Klima um 11 bis 28 Prozent mehr als ein Dieselauto, heißt es in der am Mittwoch vom Ifo-Institut in München veröffentlichten Studie.

Lithium, Kobalt und Mangan für die Batterien würden mit hohem Energieeinsatz gewonnen und verarbeitet. Eine Batterie für einen Tesla Model 3 mit 75 kWh-Batterie belaste das Klima mit 11 bis 15 Tonnen CO2. Bei einer Haltbarkeit des Akkus von zehn Jahren und einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern im Jahr bedeute allein das schon 73 bis 98 Gramm CO2 je Kilometer, rechneten die die Studienautoren vor. Dazu kommen noch die CO2-Emissionen des Stroms. In Wirklichkeit stoße der Tesla zwischen 156 und 181 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Als Vergleichsreferenz zogen die Forscher einen Mercedes-Benz C 220 d (Motor: OM 654) heran. Dieser verbraucht laut NEFZ 4,5 Liter Treibstoff pro 100 km und stößt dabei nach Herstellerangaben 11,7 kg CO2 aus, also 117 Gramm pro Kilometer. Bezieht man noch die gesamte Vorkette mit ein, lägen die Emissionen nach Angaben der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission noch um 21 Prozent höher. Daraus schließen Buchal, Karl und Sinn, dass es der Mercedes auf einen CO2-Ausstoß von 141 Gramm pro Kilometer – und damit weniger als der Tesla – bringt.

Kritik an Politik und Grenzwerten

Dass die europäische Politik Elektroautos als Null-Emission-Autos einstufe, sei eine Täuschung, kritisierten die Forscher. Der ab 2030 vorgeschriebene CO2-Grenzwert von 59 Gramm pro Kilometer entspreche einem Verbrauch von 2,2 Liter Diesel oder 2,6 Liter Benzin je 100 Kilometer und sei „ingenieurtechnisch unrealistisch“. Deshalb müssten die Autobauer bald den Großteil ihrer Autos als E-Autos an die Kunden bringen. Für das Klima besser wären Wasserstoffautos und mit Methan betriebene Verbrenner. Ihr CO2-Ausstoß sei um ein Drittel niedriger als der eines Diesels.

Sinn sagte dazu: „Die Methantechnologie ist eine ideale Brückentechnologie von Erdgasautos, die mit konventionellen Motoren fahren, hin zu Motoren, die eines Tages mit Methan aus CO2-freien Energiequellen fahren können. Insofern kann man der Bundesregierung nur raten, im Sinn einer Technologieoffenheit auch die Wasserstoff- und Methantechnologie zu fördern.“

(ID:45874386)