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Fragen und Antworten zur Oldtimerrichtlinie

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Die Oldtimerrichtlinie und ihre aktuelle Anwendung: Welche Anforderungen ein Fahrzeug erfüllen muss, damit es in den Genuss des begehrten H-Kennzeichens kommt, hat die GTÜ in einer Übersicht zusammengefasst.

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Ein Oldtimerwertgutachten nach „System GTÜ“ berücksichtigt diverse zusätzliche Fahrzeugkriterien.
Ein Oldtimerwertgutachten nach „System GTÜ“ berücksichtigt diverse zusätzliche Fahrzeugkriterien.
(Bild: GTÜ)

Mit der Oldtimerrichtlinie von 2011 waren und sind verschiedene Änderungen verbunden, die Oldtimerbesitzer beachten müssen, wollen sie für ihr Schätzchen ein H-Kennzeichen beantragen. Nun steht die nächste Freiluft-Saison an, weitere Modelle sind wieder Oldtimer-fähig geworden. Was zu beachten ist, hat die GTÜ in Form eines Fragen- und Antwortenkatalogs zusammengestellt.

1. Welches Ziel hat die Oldtimerrichtlinie?

Ziel der Richtlinie ist es, die Verwaltung bei der Zuteilung von Oldtimerkennzeichen zu vereinfachen. Dies soll durch Anpassung des Anforderungskatalogs bei unveränderten Kriterien für die Einstufung als Oldtimer und mit dem Verzicht auf eine Bewertungsskala herbeigeführt werden.

2. Für welche Kennzeichen ist eine Oldtimerbegutachtung gemäß § 23 StVZO erforderlich?

Eine Begutachtung gemäß § 23 StVZO ist für die Zuteilung des roten 07- und des H-Kennzeichens erforderlich. Die Begutachtung zur Einstufung als Oldtimer erledigen alle in Deutschland amtlich anerkannten Überwachungsinstitutionen.

4. Was kostet die Begutachtung zur Einstufung als Oldtimer?

Je nach Fahrzeugart und zulässiger Gesamtmasse ergeben sich unterschiedliche Entgelte. Auskunft geben die Sachverständigen.

5. Wie alt muss ein Fahrzeug sein, um als Oldtimer eingestuft werden zu können?

Ein Fahrzeug kann nur dann als Oldtimer eingestuft werden, wenn es nachweislich vor mehr als 30 Jahren hergestellt wurde oder in den Verkehr gekommen ist.

6. Welche Kriterien werden an das Fahrzeug gestellt?

Die Hauptbaugruppen müssen, angelehnt an den damaligen Originalzustand, vorhanden oder zeitgenössisch ersetzt sein. Durch zusätzliche Ausrüstung und Ausstattung darf der Originaleindruck des Fahrzeugs nicht beeinträchtigt werden.

7. Welche Abweichungen vom Originalzustand sind erlaubt?

In erster Linie sind Änderungen kein Problem, die nachweislich innerhalb der ersten zehn Jahre nach Erstzulassung oder gegebenenfalls Herstellungsdatum erfolgt sind oder hätten erfolgen können. Sie gelten damit als zeitgenössisch. Dazu kommen technische Änderungen, die innerhalb der Fahrzeugbaureihe bereits für zulässig/möglich erklärt wurden, sowie nichtzeitgenössische Änderungen, die nachweislich vor mindestens 30 Jahren durchgeführt wurden.

8. Wie kann die Originalität der technischen oder optischen Änderungen vom Halter nachgewiesen werden?

Originalitätsnachweise können z. B. sein:

  • damalige Gutachten
  • Fahrzeugbrief (oder ZulassungsbescheinigungTeil II) eines Fahrzeugs desselben Typs
  • damalige Herstellerfreigaben
  • einschlägige Fachliteratur
  • fahrzeugspezifische Dokumente (z. B. Betriebsanleitungen oder Originalprospekte)
  • geeignete Presseveröffentlichungen (Vorstellungen,Testberichte u. a.)

Bei der Beschaffung entsprechender Nachweise können die angesprochenen Prüfingenieure helfen. Eine Hilfestellung finden Interessierte zudem unter www.gtue-oldtimerservice.de für die Eigenrecherche.

9. Erhält auch ein Fahrzeug mit Nachrüst-Kat ein H-Kennzeichen oder rotes 07-Kennzeichen?

Ja, die Nachrüstung von Abgasreinigungssystemen ist aus Umweltschutzgründen generell erlaubt, wenn deren Zulässigkeit nachgewiesen werden kann.

10. Welche Möglichkeiten der Zulassung gibt es noch?

Saisonkennzeichen

Beim Saisonkennzeichen wird verbindlich festgelegt, für welchen Zeitraum das Fahrzeug alljährlich zugelassen sein soll. Die Gültigkeitsdauer (z. B. 04/10, vom 1. April bis 31. Oktober) steht am rechten Rand des Kennzeichens. Im festgelegten Zeitraum ist das Fahrzeug automatisch zugelassen bzw. außerhalb davon automatisch abgemeldet.

Saisonkennzeichen als Oldtimer-H-Kennzeichen

Gem. § 9 FZV darf ab 1. Oktober 2017 auch das Saisonkennzeichen für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen zugeteilt werden.

Kurzzeitkennzeichen

Mit diesem Kennzeichen sind Prüf- und Überführungsfahrten möglich. Es ist höchstens fünf Tage gültig.

Reguläres amtliches Kennzeichen

Beim regulären Kennzeichen lässt sich der Zeitraum der vorübergehenden Stilllegung vom Halter jedes Jahr individuell festlegen.

Wechselkennzeichen

Ein Wechselkennzeichen (bestehend aus zwei Teilen: Hauptkennzeichen und Zusatzschild mit der laufenden Nummer) kann für zwei Fahrzeuge zugeteilt werden. Das Hauptkennzeichen darf jedoch zur gleichen Zeit nur an einem von diesen Fahrzeugen geführt werden. Voraussetzung ist, dass die Fahrzeuge in die gleiche Fahrzeugklasse fallen und Kennzeichen gleicher Abmessungen an den Fahrzeugen verwendet werden können. Fahrzeuge mit H-Kennzeichen sind für das Wechselkennzeichen zugelassen.

11. Muss auch ein Fahrzeug mit H-Kennzeichen zur HU/AU?

Ja, auch diese Fahrzeuge unterliegen der periodischen Überwachung wie Hauptuntersuchung und gegebenenfalls Abgasuntersuchung.

12. Muss ein Fahrzeug mit rotem 07-Kennzeichen zur HU/AU?

Nein, diese Fahrzeuge unterliegen nicht der periodischen Überwachung bezüglich „Verkehrssicherheit und Vorschriftsmäßigkeit“. Die Verantwortung für den Zustand des Fahrzeugs liegt ausschließlich beim Halter und beim Fahrer (Ausnahmen sind je nach zuständiger Zulassungsstelle möglich).

13. Ab welchem Erstzulassungsdatum muss eine AU durchgeführt werden?

Bei Fahrzeugen mit einem sogenannten „Fremdzündungsmotor“ – also Ottomotor oder Wankelmotor ab dem 1. Juli 1969, bei Fahrzeugen mit Dieselmotor ab dem 1. Januar 1977. Liegt das Erstzulassungsdatum nach diesen Stichtagen, muss eine Abgasuntersuchung turnusmäßig durchgeführt werden.

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