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Ganzjahresreifen-Test mit überraschendem Ausgang

Autor: Jan Rosenow

Nexen gewinnt, Michelin belegt den letzten Platz – wann hat es das schon einmal gegeben. Die ADAC-Bewertungsmethodik sorgt für überraschende Ergebnisse.

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Auf Schnee machen manche Ganzjahresreifen nach wie vor keine gute Figur.
Auf Schnee machen manche Ganzjahresreifen nach wie vor keine gute Figur.
(Bild: isp-grube.de)

Der ADAC hat in seinem jüngsten Test von Ganzjahresreifen eine Qualitätsverbesserung dieser Produkte festgestellt – wenn auch nicht immer bei den Marken, bei denen man es erwarten würde. Von den neuen getesteten Modelle erreichten vier die Note „befriedigend“ und fünf immerhin „ausreichend“.

Nachdem 2014 und 2016 die Ganzjahresreifen in den ADAC-Tests noch vielfach mit „ausreichend“ oder „mangelhaft“ bewertet wurden, sieht das Ergebnis diesmal deutlich besser aus: Etliche Modelle, darunter ein Continental, ein Goodyear und ein Nokian, zeigten Messwerte auf dem Niveau von Saisonreifen. So kommt der Goodyear Vector 4 Seasons Gen-2 auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h nach 37,6 Metern zum Stehen – und ist damit gleichauf mit einem Sommerreifen und nur 1,4 Meter später dran als ein Winterreifen. Auch auf Schnee kann sich der Bremsweg eines guten Ganzjahresreifens mit dem eines Winterreifens messen: Der Nokian Weatherproof liegt mit 29,4 Metern nur knapp hinter dem Spezialisten mit 29,1 Metern (aus 50 km/h).

Kleinwagen-Reifengröße im Test

Weil Ganzjahresreifen oft auf Klein- und Kompaktwagen gefahren werden, hat der Münchener Club eine sehr bescheidene Reifendimension in den Test genommen: 175/65 R 14. Die durchaus überraschenden Ergebnisse spiegeln wohl die Tatsache wider, dass diese Dimension bei den wenigsten Herstellern im Entwicklungsfokus steht.

Denn mit den Nexen N-Blue 4 Season steht ein Produkt eines wenig bekannten südkoreanischen Herstellers ganz oben auf dem Treppchen – und zwar mit Abstand. Bei guten Leistungen auf Nässe und Eis fährt der koreanische Reifen auf trockener und auf schneebedeckter Fahrbahn zwar etwas schwächer, aber noch akzeptabel.

Der zweitplatzierte Allseason Contact von Conti löst den Zielkonflikt Nässe vs. Schnee sehr gut – allerdings auf Kosten der Leistungen auf trockener Fahrbahn. Auf dem Trockenen zeigen auch die nächstplatzierten Goodyear Vector 4 Seasons Gen-2 und Nokian Wheatherproof Schwächen. Mit Ausnahme des Firestone (schlechteste Trocken- und Nassperformance) schwächeln alle weiteren Reifen auf Schnee.

Nur ausgewogene Reifen können sich gut platzieren

Die Tabelle zeigt die Leistungen in den einzelnen Disziplinen. Spezialisten gewinnen beim ADAC nichts – Ausgewogenheit zählt (zum Vergrößern bitte klicken).
Die Tabelle zeigt die Leistungen in den einzelnen Disziplinen. Spezialisten gewinnen beim ADAC nichts – Ausgewogenheit zählt (zum Vergrößern bitte klicken).
(Bild: ADAC)

Das schlechte Abschneiden des Michelin Crossclimate und anderer Markenprodukte mag überraschen, lässt sich jedoch mit dem Bewertungsschlüssel des ADAC erklären: Ein Reifen kann keine bessere Gesamtnote erreichen als die schlechteste Einzelnote in einer sicherheitsrelevanten Disziplin. Und so wird der Crossclimate, der auf Schnee lediglich die Note 3,9 erreicht, auch insgesamt mit 3,9 und damit „ausreichend“ eingestuft – und das, obwohl er in den anderen Disziplinen gute bis befriedigende Noten einfährt. Diese Art der Gesamtnotenermittlung soll verhindern, dass ein Reifenmodell, das eine oder mehrere deutliche Schwächen hat, diese durch ausgeprägte Stärken in anderen Hauptkriterien ausgleichen kann.

Zweitens ist der Crossclimate bereits 2015 vorgestellt und in vielen Größen bereits durch den modernisierten Nachfolger Crossclimate Plus abgelöst worden.

All das soll die Leistung der Nexen-Entwickler aber nicht schmälern, die auch alle anderen etablierten Konzerne hinter sich gelassen haben. Drittbester auf trockener sowie auf nasser Straße, Viertbester auf Schnee und bester auf Eis – da zeigt sich die vom ADAC gewünschte Ausgewogenheit. Einzige Schwäche ist der (nicht sicherheitsrelevante) Verschleiß. Hier ist der Nexen der Schlechteste – zaubern können also auch die Koreaner nicht.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group