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Gerichtsurteil: Kunde trägt Mitschuld, wenn er Radmuttern nicht nachzieht

| Autor: Doris Pfaff

Wer die Schrauben nach einem Räderwechsel in der Kfz-Werkstatt nicht nachzieht, trägt die Mitschuld, wenn sich die Räder lösen. Vorausgesetzt, die Werkstatt hat den Kunden auf das Nachziehen hingewiesen. Zu diesem Urteil kommt das Landgericht München.

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Ein Kunde muss nach einem Reifenwechsel an seinem Fahrzeug die Radmuttern nachdrehen, darauf muss die Werkstatt ihn hinweisen.
Ein Kunde muss nach einem Reifenwechsel an seinem Fahrzeug die Radmuttern nachdrehen, darauf muss die Werkstatt ihn hinweisen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Ein Klassiker landet vor dem Landgericht München (Az. 10 O 3894/17). Verhandelt wurde die Klage eines Autofahrers, der mit seinem Mercedes Benz-C 63 zum Reifenwechsel in der Werkstatt war. Drei Tage später, nach rund 100 Kilometer, löste sich während der Fahrt das linke Hinterrad. Bei dem anschließenden Unfall entstand am Fahrzeug ein Schaden von rund 13.000 Euro, den die Vollkaskoversicherung des Kunden übernahm.

Für entstandene Transportkosten, Selbstbeteiligung, Nutzungsausfall, Sachverständigenkosten, neue Felgen und Reifen sowie wegen einer Wertminderung sollte laut Klage des Kunden die Kfz-Werkstatt in Höhe von 25.000 Euro haften.

Das sah das Gericht anders. Grundsätzlich bestehe zwar eine Haftung der Werkstatt, jedoch trage der Kunde in diesem Fall ein Mitverschulden in Höhe von 30 Prozent, weil er selbst die Radmuttern nach 50 Kilometern hätte nachziehen müssen. Daraufhin hatte ihn die Werkstatt schriftlich in der Rechnung und mündlich bei der Übergabe und per Aushang in der Werkstatt hingewiesen. Allerdings hafte auch die Werkstatt, weil sie laut Gericht die Schraube nicht ausreichend festgezogen beziehungsweise diese nicht kontrolliert habe und deshalb eine Mitschuld am Unfall trage.

Das Gericht erkannte dem Kläger jedoch nur einen Teil der Kosten an. Da dem Kunden die ganze Zeit über ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestanden hatte, wurde kein Nutzungsausfall anerkannt. Auch eine Wertminderung sah das Gericht nicht, da das Fahrzeug eine Sonderanfertigung sei, für das es keine Vergleichsbasis gebe. Nach Abzug seiner 30-prozentigen Mitschuld blieben 22 Prozent, also 1.650 Euro, die die Werkstatt übernehmen muss.

(ID:46870217)

Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik