Großer ADAC Gebrauchtwagentest

Redakteur: Silvia Lulei

Im ersten großen Gebrauchtwagentest des ADAC fiel jeder vierte Händler durch. Häufig seien die angebotenen Fahrzeuge ihr Geld nicht wert gewesen, hieß es. Dabei schnitt der Markenhändler noch deutlich besser ab als die freien Händler.

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Im ersten großen Gebrauchtwagentest des ADAC (siehe Kasten „So testete der ADAC“) fiel jeder vierte Händler durch. Häufig seien die angebotenen Fahrzeuge ihr Geld nicht wert gewesen, hieß es. Dabei schnitt der Markenhändler noch deutlich besser ab als die freien Händler. Insbesondere unzureichende Information zum jeweiligen Gebrauchtwagen brachten den Probanden negative Kritik ein. Zwischen Soll und Ist klafften bereits auf den Angebotsschildern erhebliche Lücken, wie der ADAC herausstellte. Das hinterlässt beim Kunden keinen guten Eindruck. Aber es ist auch nicht unbedingt strafbar, wie Rechtsanwalt Andreas Waldhorn von der Würzburger Kanzlei Dr. Waldhorn & Partner erklärt: „Eine ausdrückliche gesetzliche Regelung hierzu gibt es nicht. Die Gerichte haben bislang allerdings meist zugunsten des Käufers entschieden und werten Werbeaussagen häufig als Zusicherung bzw. Beschaffenheitsgarantie. Wer jedoch allgemein gehaltene Begriffe wie „Top-Zustand“ verwendet, sichert damit für gewöhnlich keine Eigenschaft zu. Vorsicht ist hingegen bei konkreten Angaben, wie zum Beispiel über die Gesamtfahrleistung eines Fahrzeuges auf einem Verkaufsschild, geboten. Hier lassen die Gerichte nur geringfügige Abweichungen zu. Ebenso gilt die PS- oder Hubraum-Angabe auf einem Verkaufsschild üblicherweise als Eigenschaftszusicherung.“

Ehrlich währt am längsten

Die Informationslücken sind groß, die der ADAC aufdeckte: So wurde beispielsweise die gesetzliche Sachmängelhaftung als großzügiges Geschenk des Händlers angepriesen. An anderer Stelle erklärte der Verkäufer, die tiefergelegte Vorderachse des Gebrauchtwagen sei eine „serienmäßige Modell-Raffinesse“. Bei solchen Aussagen droht dem Händler im schlimmsten Fall ein teurer Rechtsstreit. So weit muss es jedoch nicht kommen, wenn die Angebotsschilder sorgfältig gestaltet sind.

Aufgepasst auch bei der Aussage „TÜV neu“, die sachlich falsch ist. Richtig muss es heißen „HU (Haupt-untersuchung) neu“, da TÜV bekanntermaßen ein Unternehmen und keine technische Prüfung ist. Wie der ADAC feststellte gibt es nur wenige Gebrauchtwagen, deren technischer Zustand einwandfrei ist. Jedes dritte Auto hatte erhebliche Mängel im Bereich Reifen, Bremsen Lenkung oder Beleuchtung. Auch Fahrzeuge, die einige Wochen zuvor einer Hauptuntersuchung unterzogen wurden, waren nicht mängelfrei. Rechtsanwalt Waldhorn: „Nicht einheitlich wird von den Gerichten die Angabe „HU neu“ bzw. „TÜV neu“ oder ähnlich ausgelegt. Teilweise wird hier die Zusicherung der Verkehrssicherheit gesehen, teilweise wird einer solchen Klausel lediglich die Verpflichtung des Verkäufers entnommen, für die Durchführung der Hauptuntersuchung zu sorgen.“

Wer übernimmt denn die Reparaturkosten, wenn nach dem Verkauf Mängel auftreten, die bei einer HU hätten erkannt werden müssen? „Wenn der Händler dem Kaufinteressenten zusagt, bei dem Fahrzeug bis zur Auslieferung eine HU durchführen zu lassen, muss man unterscheiden, ob der Händler eine eigene Werkstatt besitzt oder nicht. Besitzt er eine, erklärt er nach Auffassung des Bundesgerichtshofes zweierlei: Nämlich zum einen, das Fahrzeug durch eine amtlich anerkannte Prüforganisation prüfen und abnehmen zu lassen, und zum anderen verspricht er, dass sich das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Übergabe in einem bis auf geringe Mängel vorschriftsmäßigen Zustand befindet und verkehrssicher ist. Das Risiko einer Fehldiagnose der Prüforganisation trägt damit der Händler. Er muss folglich die Mängel beheben und trägt auch die Kosten einer Nachbegutachtung durch die Prüforganisation“, erklärt Waldhorn. Der Händler sollte Reparaturen, Nachlackierungen oder Vorschäden ungefragt offen legen. Es empfiehlt sich, alle durchgeführten Reparaturarbeiten, vorhandene Mängel oder Vorschäden im Inspektionsheft zu dokumentiern.

Vertrauen ist die halbe Miete

Oft entscheidet die Probefahrt über den Kauf. Achten Sie darauf, dass an dieser entscheidenden Stelle keine Pannen passieren, wie beispielsweise bei dem ADAC-Test. Dort sprang nämlich ein Gebrauchtwagen nicht an, als er Probe gefahren werden sollte. Ein anderer blieb während der Probefahrt liegen. Außerdem sollte man bei Probefahrten den Kunden zeitlich nicht unter Druck setzen.

Eine große Rolle spielt auch die optische Präsentation. Wer die Gebrauchtwagen ungewaschen eng an eng stellt, schreckt die Kunden ab. Besser ist es, mit einem optischen Highlight auf sein Angebot aufmerksam zu machen. Christian Schilling, Vertriebsleiter bei Hermann Hebetechnik, ist überzeugt, dass die Präsentation gezielt eingesetzt werden muss: „Eine ansprechende Präsentation schafft Vertrauen und ist schon der halbe Kaufvertrag. Sie weckt das Interesse des potenziellen Kunden. Das Verkaufsgespräch ist dann nur noch ein Abschlussgespräch.“

Uwe Meuren

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