Gütegemeinschaft Service gegründet

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Hersteller, Importeure und ZDK haben eine Gütegemeinschaft Service ins Leben gerufen. Sie ersetzt gleich mehrere bisherige Ausbildungs-Gemeinschaften.

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Frank Wielpütz (li.), Birgit Behrens und Uwe Behrens sind Geschäftsführer der neuen Gütegemeinschaft Service.
Frank Wielpütz (li.), Birgit Behrens und Uwe Behrens sind Geschäftsführer der neuen Gütegemeinschaft Service.
(Foto: Büttner/Redaktion »kfz-betrieb«)

Das Kfz-Gewerbe hat eine neue Gütegemeinschaft: Am vergangenen Donnerstag beschlossen die Vertreter von Herstellern, Importeuren und ZDK auf ihrer Jahrestagung in Northeim einstimmig, die bisherigen Gemeinschaften zur Qualifizierung von Serviceberatern (GASB) sowie Teile- und Zubehörverkäufern (GATZV) aufzulösen und stattdessen eine neue Gütegemeinschaft Service zu gründen. Sie soll die hohen Standards zur Ausbildung von Serviceberatern, Teileverkäufern und neu auch Serviceassistenten in der Branche überwachen.

Der Gründung waren zwei Jahre intensive Vorarbeiten und Diskussionen vorangegangen. Insbesondere hatten die Bildungsverantwortlichen debattiert, wie sich die Qualifizierung für die verschiedenen Servicepositionen im Autohaus so effektiv wie möglich, aber auch so punktgenau wie nötig gestalten lässt. Bevorzugtes Mittel soll nun ein modularer Aufbau aus gemeinsamer Basis- und berufsspezifischer Aufbauqualifikation sein. Allerdings, so betonten die drei Geschäftsführer Birgit Behrens (ZDK), Uwe Behrens (VW) und Frank Wielpütz (Toyota), könne jede Marke auch ein anderes Vorgehen wählen, wenn es denn alle notwendigen Inhalte vermittelt. Insgesamt gehören 24 Marken der neuen Gütegemeinschaft Service an; 13 von ihnen wollen in allen drei Teilbereichen ausbilden.

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Während sich im Servicebereich zwei Gemeinschaften zu einer vereinigten, bleibt die Gütegemeinschaft für Automobilverkäufer (GAV) unabhängig davon bestehen. Allerdings gibt es auch zwischen der Qualifizierung im Verkauf und im Service erhebliche Schnittmengen und Synergien. Dies belegt schon die Tatsache, dass sich die Gütegemeinschaften zum siebten Mal zu einer gemeinsamen Jahrestagung verabredet hatten. Darüber hinaus gibt es auch in den Satzungen, Zertifizierungskriterien und Ausbildungsstrukturen viele Gemeinsamkeiten, wie Berater Martin Menke herausarbeitete. Das veranlasste die Mitglieder zu der Überlegung, sich in Zukunft noch intensiver auszutauschen und zusammenzuarbeiten.

Bei der Gütegemeinschaft Geprüfter Automobilverkäufer (GAV) hat sich nach übereinstimmender Aussage verschiedener Markenvertreter die Überarbeitung von Satzung und Zertifizierungskriterien bewährt. Das verschlankte Verfahren, nach dem in den letzten Monaten bereits die ersten drei von insgesamt 37 Mitgliedern zertifiziert wurden, sorge nach wie vor für eine qualitativ hochwertige Ausbildung.

Kritik an Führungskräften

Dass aber aus Sicht der Automobilverkäufer selbst durchaus noch Verbesserungspotenzial besteht, verdeutlichte Prof. Mike Hoffmeister den Mitgliedern der Gemeinschaft. In einer Onlinestudie hat er herausgefunden, dass nur 51 Prozent der Verkäufer echt engagiert sind, während 42 Prozent einen Wechsel des Arbeitgebers in Erwägung ziehen. Viele vermissen Lob und Anerkennung sowie berufliche Perspektiven. Gründe für einen Wechsel seien vor allem Unzufriedenheit mit der Vergütung und mit dem Führungsverhalten des Vorgesetzten.

Kritik an Führungskräften im Automobilhandel war auch aus dem Vortrag von Claus Reutter herauszuhören. Der Geschäftsführer der Agentur Tool 24 beschäftigte sich mit dem Personalmanagement in Autohäusern. Und da seien einzelne Bereiche zwar gut abgedeckt, doch in etlichen Betrieben gebe es auch noch große Defizite, beispielsweise beim Personalmarketing und in der Verwaltung. Das Kernproblem besteht laut Reutter darin, dass viele Unternehmen im Personalwesen nicht dazu bereit seien, für „gute Dinge auch gutes Geld auszugeben“.

Einen juristischen Aspekt der Zusammenarbeit in Gütergemeinschaften brachte Rechtsanwalt Axel Kallmayer den Tagungsteilnehmern näher. Er empfahl, das Kartellrecht stets im Blick zu behalten. Seiner Einschätzung nach genügen die Gütegemeinschaften im Kfz-Gewerbe aber sämtlichen Anforderungen des Kartellamtes. Denn die Zusammenarbeit von Wettbewerbern sei prinzipiell zulässig, wenn keine Absprache, informelle Abstimmung oder abgestimmte Verhaltensweisen zu Preisen, Konditionen, Vertriebsstrategien oder Produkten erfolgen. Wichtig sei, dass die Gütegemeinschaften der Automobilwirtschaft nur Mindeststandards für die Qualifizierung der Mitarbeiter definieren und keine detaillierten Vorschriften.

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