Gutachterkosten sind grundsätzlich zu übernehmen

Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Grimm

Im Schadenfall muss der Schädiger in der Regel die Kosten für das Gutachten eines Sachverständigen zahlen. Ausnahme ist ein Bagatellschaden. Doch den muss der Geschädigte tatsächlich erkennen können.

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(Foto: Dekra)

Das Amtsgericht (AG) Nürnberg hat in einem Urteil vom 1. September 2016 dargelegt, dass bei einem Unfall die gegnerische Versicherung grundsätzlich für die Kosten eines Sachverständigengutachtens eintrittspflichtig ist. Dabei berücksichtigte das Gericht die Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten, der als Laie ex ante die genaue Schadenhöhe nicht einschätzen kann (AZ: 15 C 5843/16).

Im verhandelten Fall begehrte der Kläger die Zahlung von Sachverständigenkosten in Höhe von 156,56 Euro aus abgetretenem Recht. Der Kläger hatte in dem von ihm erstellten Schadengutachten Reparaturkosten in Höhe von 1.029,95 Euro brutto ermittelt. Die Beklagte verweigerte die Zahlung der Gutachterkosten.

Für die Verweigerungshaltung sah das AG Nürnberg allerdings keinen Grund. Das Gericht hielt die Sachverständigenkosten für erstattungsfähig und führte in seinen Entscheidungsgründen aus, dass die Kosten zur Ermittlung des Schadens grundsätzlich Teil des zu ersetzenden Schadens sind, soweit sie zu einer zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendig sind.

Der Schaden lag vorliegend über 1.000 Euro brutto, sodass nicht von einem Bagatellschaden ausgegangen werden kann. In diesem Zusammenhang komme es maßgeblich darauf an, ob der Geschädigte zum Zeitpunkt der Beauftragung eine sachverständige Beratung für erforderlich halten durfte.

Nach den Feststellungen des Sachverständigen war die Stoßfängerverkleidung hinten rechtsseitig verformt und gebrochen und der Radlauf rechts hinten eingedrückt. Es lag hier nicht nur ein leichter Kratzer vor, der aus Sicht des Geschädigten mit geringen Kosten zu beseitigen wäre.

Erforderlich waren nach der Kalkulation der Austausch von Stoßfänger und Radlaufabdeckung sowie umfangreiche Lackierarbeiten. Diese Kosten sind aus Sicht eines Laien nicht als voraussichtlich gering einzustufen. Die Kosten des Sachverständigengutachtens waren nach Ansicht des Nürnberger Gerichts daher gemäß § 249 Abs. 2 S. 1 BGB vollumfänglich zu erstatten.

Bedeutung für die Praxis

Das AG Nürnberg berücksichtigt in seinem Urteil die Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten, der als Laie ex ante die genaue Schadenhöhe nicht einschätzen kann. Problematisch ist der Fall, wenn es sich um einen augenscheinlich geringfügigen Unfall handelt, bei dem nur ein oberflächlicher Sachschaden entstanden ist.

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