Suchen

GW-Management: „Prozesse sind der maßgebliche Faktor“

| Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Nur Betriebe, die ihre Gebrauchtwagenprozesse im Griff haben, können langfristig überleben. Davon ist Andreas Blecker von der TÜV Rheinland Schaden & Wertgutachten GmbH überzeugt.

Firmen zum Thema

Andreas Blecker, TÜV Rheinland
Andreas Blecker, TÜV Rheinland
( Foto: Wenz )

Redaktion: Die TÜV Rheinland Schaden & Wertgutachten GmbH bietet Autohäusern das Gebrauchtwagenmanagement an. Was passiert da?

Andreas Blecker: Der klassische Weg bei einer Fahrzeughereinnahme ist, dass der Verkäufer entweder selbst eine Gebrauchtwagenbewertung erstellt oder vom Werkstattmeister den technischen Zustand des Fahrzeugs beurteilen lässt. Die Werkstattmeister sind oft stark beansprucht und haben deshalb wenig Zeit für solche Arbeiten – das Ergebnis: Es leidet die Qualität der technischen Bestandsaufnahme. An dieser Stelle können wir das Autohaus unterstützen. Wir stellen dem Unternehmen beispielsweise einen Mitarbeiter zur Verfügung, der die Hereinnahmebewertungen durchführt. Er untersucht umfassend den Zustand des Gebrauchtfahrzeugs, ermittelt die Kosten einer fachgerechten Reparatur und legt die Minderwerte fest. Der Verkäufer bekommt so eine fundierte Basis für seine Arbeit. Und der Kunde des Autohauses kann sich darauf verlassen, dass sein Fahrzeug objektiv und neutral bewertet wurde.

Gibt es noch weitere Vorteile, abgesehen von der neutralen Bewertung und dem Zeitgewinn für den Meister?

Durchaus. Bevor wir in einem Autohaus tätig werden, untersuchen wir den gesamten Ablauf des Gebrauchtwagenprozesses dort und werten die Standzeiten aus. Die Problematik in vielen Autohäusern ist, dass Verkauf und Service mit unterschiedlicher Zielsetzung arbeiten. Wir bewerten deshalb nicht nur das Fahrzeug, sondern wir steuern es auf Wunsch auch in die Aufbereitung bzw. Reparatur ein und überwachen die Zeit, bis es dem Verkauf zur Verfügung steht. Diese Zeitspanne sollte möglichst gering sein. Dadurch erreichen wir eine deutliche Reduzierung der Standzeiten. Zudem können wir das Standplatzmanagement für die Autohäuser übernehmen. Beispielsweise sollte man Fahrzeuge – insbesondere die, die schon länger im Autohaus sind – nicht immer an der gleichen Stelle stehen lassen. Die Kunden merken es, wenn ihnen ein Ladenhüter präsentiert wird. Wir können den gesamten Prozess von der Hereinnahme bis hin zum Verkauf aktiv begleiten.

Warum haben die Autohäuser ihre Prozesse nicht selbst im Griff?

Man kann nicht sagen, dass alle Autohäuser Probleme mit ihren Prozessen haben. Wenn ja, liegt es oft daran, dass der Betrieb bisher irgendwie zurechtgekommen ist. Doch das Gebrauchtwagengeschäft wird zunehmend enger: Die Margen sinken, die Reparatur- und Inspektionskosten steigen und der Betrieb muss trotzdem profitabel arbeiten. Das Problem liegt dabei in der Schnittstelle zwischen Verkauf und Service. Zudem sehen Werkstätten die Gebrauchtwagenreparatur oftmals als Auslastungspuffer. Die Fahrzeuge werden dann repariert, wenn der externe Stundenverkauf mal nicht so gut läuft. Das ist aus Sicht des Service nachvollziehbar, jedoch nicht im Gesamtinteresse des Autohauses. Leider findet das professionelle Gebrauchtwagenmanagement in den Betrieben oft erst dann Beachtung, wenn die Gewinne nicht in den budgetierten Bereichen liegen oder sogar Verluste mit den Gebrauchtwagen gemacht werden. Dann wollen die Betriebe plötzlich Transparenz in das Geschäft bringen und wissen, wo sie letztlich das Geld verbrennen. Das professionelle Gebrauchtwagenmanagement ist der maßgebliche Faktor, der in Zukunft entscheidet, wer Geld verdient und wer nicht. Das Autohaus, das die Gebrauchtwagenprozesse nicht im Griff hat, wird es schwer haben, wirtschaftlich überleben zu können.

Das komplette Interview lesen Sie in der Juli-Ausgabe von »Gebrauchtwagen Praxis«.

(ID:392227)