Auto-Abo Händler behalten ihre Kundenkontakte

Von Doris Pfaff 4 min Lesedauer

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In der gemeinsamen Sitzung des ZDK-Wirtschaftsausschusses und der Fachgruppe Fabrikatsvereinigung warb das Start-up „Abomobil“ für sein Angebot, das teilweise sehr hohe Margen verspricht. Händler sollten deshalb für Auto-Abos ihre eigene Plattform nutzen und keine Dienstleister beauftragen, so die Unternehmer.

Auf der Aboplattform „Das Abomobil" kann man Fahrzeuge schon ab einer Laufzeit von einem Tag abonnieren.(Bild:  Screenshot „Das Abomobil“)
Auf der Aboplattform „Das Abomobil" kann man Fahrzeuge schon ab einer Laufzeit von einem Tag abonnieren.
(Bild: Screenshot „Das Abomobil“)

Je weniger Externe beziehungsweise Dienstleister an einem Geschäftsmodell beteiligt sind, desto höher fällt die Marge für jeden Beteiligten aus. Oder umgekehrt: Jeder beteiligte Externe treibt die Gesamtkosten eines Projekts in die Höhe.

So begründeten Marc Heinemann, Inhaber der Heinemann-Gruppe, und sein Betriebsleiter Jürgen Kolodziej die Motivation für ihr Start-up „Abomobil“, das sie den Teilnehmern der gemeinsamen Online-Sitzung des ZDK-Ausschusses Wirtschaft und der Fachgruppe Fabrikatsvereinigungen vorstellten.

Als Auto-Abo-Plattform, die von Händlern gegründet ist und sich an Händler richtet, soll das Abo-Geschäft für die Händler effizient und lukrativ sein. Aktuell nutzten deutschlandweit bereits gut 300 Händler die Plattform, die noch kostenfrei ist. Das soll sich ändern, sobald alle geplanten Tools verfügbar sind, unter anderem der Bestellbutton und die Möglichkeit, sofort zu zahlen. Die Gebühr pro Nutzer soll dann bei 69 Euro pro Monat liegen, unabhängig von der Anzahl der eingestellten Fahrzeuge, erklärte Kolodziej.

Alle Kundenkontakte sollen bei „Abomobil“ beim Händler selbst bleiben und ihm somit die Möglichkeit für weitere Kontakte und Anschlussgeschäfte geben. Das Handling des Portals, das sich als White-Label-Lösung in die Website des Händlers einbauen lässt, sei sehr einfach. Der Händler kann all seine Fahrzeuge hochladen und benötige nur wenige Sekunden, davon eines als Auto-Abo anzubieten oder es wieder zurückzunehmen.

Wie hoch jeweils die Marge für den Händler ausfällt, soll er selbst entscheiden können. Ein im System hinterlegter Kostenkalkulator zeige nicht nur den regionalen Mietpreisspiegel für ein hochgeladenes Fahrzeug an, sondern eben auch die Gewinnmöglichkeiten. „Es gibt Händler, die bieten ihre Fahrzeuge zu sehr hohen Preisen an und sind damit erfolgreich, da in ihrer Region Fahrzeuge Mangelware sind“, so Kolodziej. In die Preisgestaltung mische sich das Portal aber nicht ein. Sie obliege allein dem Händler und seinem kaufmännischen Gewissen.

Jeder Kundenkontakt bleibt beim Händler

Langfristig sei das Ziel, weitere Möglichkeiten zu schaffen, darunter einen Auto-Lieferdienst und den Vertragsabschluss samt eines Inzahlungnahmerechners komplett zu digitalisieren. Dazu verhandle Abomobil mit Partnern. „Wenn wir diese Optionen für alle schaffen, wird es günstiger, als wenn jeder Händler das für sich bestellt“, so Kolodziej.

Die noch fehlenden Möglichkeiten seien aber nicht unbedingt nachteilig. „Die bisherige Erfahrung zeigt: Je mehr persönliche Kundenkontakte ich vor Vertragsabschluss habe, desto geringer sind hinterher die Probleme“, sagt Heinemann.

Wenn sich Kunden also aktuell für ein Abo-Angebot interessieren, müssten sie zunächst per Klick eine Anfrage stellen, die beim Händler landet. Heinemann nutzt diesen ersten Kontakt für einen Rückruf; auch um nachzuhören, was genau der Kunde wünscht. Manchmal ließe sich so schon ein Fahrzeug upgraden.

Über ein Dashboard können die Händler genau sehen, wie die Auto-Abo-Geschäfte laufen und welche Angebote am besten ankommen. „Das sind erstaunlicherweise die Kurzzeitvermittlungen“, so Kolodziej. Teilweise wären Margen von mehr als 80 Prozent möglich.

Ein wichtiger Unterschied zeige sich auch bei der Rückabwicklung der vermieteten Fahrzeuge. „Der Kunde erfährt, dass das Auto dem Händler gehört und nicht anonym auf einer Plattform steht“, so Kolodziej. Die Kunden würden entsprechend sorgsamer mit den Fahrzeugen umgehen, ähnlich wie sie es mit Werkstattersatzfahrzeugen tun.

Flexibel für den Endverbraucher

Die Abwicklung der Abo-Verträge schultern die Mitarbeiter des Autohauses Heinemann noch gemeinsam, dabei seien der Vertrieb und der Verkauf eingebunden. Weil sich das Geschäft aber entwickle, plane Heinemann bald einen „Rent-Mitarbeiter“ einzustellen.

Die Ausschussteilnehmer wollten wissen, wo der Vorteil für den Kunden liege bzw. wo ist der Unterschied zu Leasingfahrzeugen oder den klassischen Mietfahrzeugen sei. Heinemann: „Das Auto-Abo ist deutlich flexibler für den Endverbraucher und die vertraglichen Verpflichtungen sind überschaubarer.“ Dagegen sei das Auto-Abo nicht zwingend günstiger gegenüber der Konkurrenz. Das hänge aber von der Preisgestaltung der einzelnen Händler ab.

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Wenn Unternehmer bereits ein eigenes und professionelles Auto-Abo-Modell in ihrem Autohaus aufgebaut haben, würden sie vom „Abomobil“ weniger profitieren. Deshalb seien vor allem Händler angesprochen, die sich bislang noch nicht an dieses Geschäftsmodell gewagt hätten und dies Dienstleistern überließen. Damit verzichteten sie allerdings auf weitere mögliche Kundenkontakte und Geschäfte, die sich das Start-up langfristig erhofft, zum Beispiel mit einem geplanten Serviceabo, das Kunden im Aftersales binden soll.

Mark Scherhag, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und Leiter der gemeinsamen Sitzung, wertete das Angebot als ein Projekt, dem der Handel positiv gegenüber stehen solle.

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