Eigenbau-Porsche Handmade in GDR

Autor: Steffen Dominsky

Für die Mehrheit der Betrachter dürfte der Sportwagen auf den ersten Blick ein Porsche 356 sein. Doch schon der zweite Blick lehrt sie eines Besseren. Denn dieser Wagen ist ein Unikat. Der „Zonenporsche“, Marke Eigenbau, bewegt die Gemüter seit fast 70 Jahren.

Der Eigner und sein ganzer Stolz: Hans Miersch und sein Traum vom eigenen Porsche.
Der Eigner und sein ganzer Stolz: Hans Miersch und sein Traum vom eigenen Porsche.
(Bild: Miersch)

Mangel, so weit das Auge reicht. Das zeichnete den real existierenden Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik aus – vom Anfang bis zum Ende. Gerade im individuellen Transportbereich sah es in der Ostzone richtig mau aus. Lange Zeit prägten ausgelutschte Vorkriegsvehikel das Straßenbild, skurrile Um- und Eigenbauten gehörten zum Alltag. Wer jedoch entgegen der politischen Doktrin ein bisschen Geld (in der Regel natürlich Westmark) angehäuft hatte, dem konnte geholfen werden – doch nicht immer! Das musste auch der Schuhfabrikant Hans Miersch aus Nossen bei Dresden erfahren. Porsche hieß der aufgehende Stern am Himmel der deutschen Automobilbauer Anfang der Fünfziger. 356 der Typ – das Erstlingswerk in der Sportwagenschmiede des bekannten Konstrukteurs, in das sich damals viele verliebten. Hans Miersch erging es genauso.

Doch seinem Wunsch, sich einen solchen ins Sächsische importieren zu dürfen, beantworteten die Genossen vom Rat des Kreises Meißen mit einem eindeutigen „Njet“. „Bauen Sie sich halt selbst einen!“, so die Ansage der Funktionäre. Ergo blieb dem damals 32-Jährigen nichts anderes übrig, als genau das zu tun beziehungsweise zu schauen, wer ihm seinen Traum vom sportlichen Käfer verwirklichen kann. „Selber machen“ war in diesem wie in zahlreichen anderen Fällen eine gängige Devise. Theoretisch war es seinerzeit auch gar nicht so schwer, sich seinen Traumwagen zu bauen oder bauen zu lassen. Das Gros der Fahrzeuge verfügte noch über einen traditionellen Rahmen. Alles, was man benötigte, war ein Fahrgestell, dazu etwas Eschenholz (kein Problem) für den Karosserieaufbau sowie reichlich Tiefziehblech (Riesenproblem) und natürlich handwerkliches Geschick.

Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group