Herbstakademie 2016: Wichtige Impulse für die Zukunft
Bis auf den letzten Platz ausgebucht war die Veranstaltung für die Juniorinnen und Junioren des Kfz-Gewerbes. Zum elften Mal gab es für die Nachwuchsführungskräfte zahlreiche berufliche wie persönliche Denkanstöße.

„Wir freuen uns sehr, dass Sie so zahlreich zur elften Herbstakademie der Junioren 2016 eingetroffen sind. Und wir freuen uns ebenfalls sehr darüber, unsere bewährten und treuen Partner auch in diesem Jahr wieder an Bord zu haben.“ Mit diesen Worten begrüßte Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Landesverbands Schleswig-Holstein, die Gäste des neunten Bundestreffens der Junioren des Deutschen Kfz-Gewerbes auf der Insel Sylt am ersten Tag der Veranstaltung. Anm. d. Redaktion: Die ersten beiden Veranstaltungen waren keine Bundestreffen.
„In diesem Jahr war die Herbstakademie sehr schnell ausgebucht. Das liegt unter anderem daran, dass sich hier seit vielen Jahren ein hervorragendes Netzwerk für die Nachwuchsführungskräfte des Kfz-Gewerbes gebildet hat. Die Teilnehmer der Herbstakademie zieht es regelrecht auf die Insel Sylt“, sagte Rolf-Dieter Fröhling in seiner Begrüßung. „Wir haben auch in diesem Jahr wieder tolle Referenten gewonnen, die ganz sicher Ihren beruflichen und privaten Horizont erweitern“, so der Landesverbandspräsident Schleswig-Holsteins weiter.
Traditionell eröffnete »kfz-betrieb«-Chefredakteur Wolfgang Michel den Vortragsreigen der Herbstakademie. „Wie sieht die Zukunft des Kfz-Gewerbes aus?“, lautete der Titel seines Vortrags. Michel beleuchtete verschiedene Marktentwicklungen, unter anderem ging er auf die digitalen Aktivitäten der Automobilhersteller ein. „Autohäuser aller Fabrikate müssen in den nächsten Jahren digital aufrüsten. Hinzu kommt, dass sich die Anforderungen und Aufgabenstellungen des Verkaufspersonals weiter verändern“, so Michel.
Die größte Herausforderung bestehe aber darin, die einzelnen digitalen Komponenten – von der Webseite der Hersteller und Händler über die Neuwagenkonfiguration bis hin zu den Schnittstellen der Softwareprogramme – miteinander zu vernetzen. Dazu kämen die bekanntermaßen nicht gerade trivialen Prozesse im Handel, die mitberücksichtigt werden müssten. „Klar ist: Das digitale Rad dreht sich verdammt schnell, und wer nicht rechtzeitig auf diesen Zug aufspringt, droht von ihm überrollt zu werden“, sagte der Chefredakteur.
Michel zeigte auf, dass die Automobilbranche keine Angst vor neuen Playern haben muss: „Innovative Fabrikate und deren Autohäuser nehmen auch künftig eine starke Position im Automobilvertrieb ein – selbst wenn irgendwann völlig neue Wettbewerber mitmischen.“ Jedoch dürfe im Fabrikatshandel niemand die Augen davor verschließen, dass aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung die Automobilhersteller im Neuwagenvertrieb in den nächsten Jahren eine noch stärkere Rolle als heute einnehmen würden.
Den Sinn des Lernens begreifen
„Potenziale und Grenzen der Hirnforschung für die Mitarbeiterführung“ – unter dieser Überschrift stand der Vortrag von Gerhard Roth. Der Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen ist überzeugt davon, dass der Lernerfolg von Menschen vor allem von den Faktoren Intelligenz, Motivation und Fleiß abhängt.
In Verbindung mit der Motivation zeige sich auch, warum Emotionen für die Pädagogik so wichtig seien. „Menschen streben danach, Ereignisse herbeizuführen, die zu positiven Gefühlszuständen führen, und solche zu vermeiden, die von negativen Gefühlszuständen begleitet sind“, sagte der Wissenschaftler. Wichtig sei es immer auch, die Sinnhaftigkeit des Lernens zu vermitteln. „Jedes Gehirn lernt nur dann bereitwillig, wenn es den Sinn des Lernens begreift und wenn es eine Belohnungserwartung damit verbindet“, sagte Roth.
Der Professor ging in seinen Ausführungen darauf ein, wie man Menschen belohnen kann. Neben der materiellen Belohnung (Prämien, Boni, Privilegien) und der sozialen Belohnung (Lob, Anerkennung) gäbe es die intrinsische Belohnung. Letztere stehe für die Freude am Gelingen, der Selbstbestätigung und Verwirklichung eigener Fähigkeiten sowie dem Gefühl, besser zu sein als andere, oder der Überzeugung, an einer wichtigen Sache mitzuarbeiten.
„Materielle Belohnungen verlieren ihre Wirkung bei jeder Wiederholung meist um die Hälfte oder gar schneller“, sagte Roth. Deshalb würden diese zumeist ständig gesteigert, bis ein „Deckeneffekt“ eintrete und selbst höhere Belohnungen keinen weiteren positiven Effekt mehr hätten. Noch schlimmer: Materielle Belohnungen hätten eine stark negative Wirkung, wenn sie als Sonderanreiz wieder rückgängig gemacht würden. „Verlust wird doppelt so stark empfunden wie Gewinn“, stellt Roth fest.
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