Automotive Business Award 2026 Hermann Klein ist der Freund in der Not

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 4 min Lesedauer

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Nothilfe für Autofahrer in einer Pannensituation zu bieten, war dem Autohaus Hermann Klein in Fuldatal schon immer ein Anliegen. Doch was früher der Chef nebenbei machte, ist heute ein digital durchorganisiertes Geschäftsfeld – und macht die Hessen zum Gewinnerbetrieb beim Automotive Business Award 2026.

Zehn Fahrzeuge fahren bei Klein im Abschleppdienst. Insgesamt sind 15 Mitarbeiter in dieser Sparte tätig.(Bild:  Mauritz – VCG)
Zehn Fahrzeuge fahren bei Klein im Abschleppdienst. Insgesamt sind 15 Mitarbeiter in dieser Sparte tätig.
(Bild: Mauritz – VCG)

Die meisten Autohäuser mögen es, wenn das Servicegeschäft gut planbar ist. Doch die fiese Spax-Schraube auf der Fahrbahn oder der gemeine Kupferwurm halten sich nicht an den Werkstattplaner. Autofahrer, die eine Panne haben, wünschen sich nichts sehnlicher als sofortige Hilfe.

Wenn sie Glück im Unglück haben, dann stranden sie im Einzugsbereich des Autohauses Hermann Klein in Fuldatal bei Kassel. Denn in diesem traditionsreichen Familienbetrieb, der sich schon seit über 60 Jahren mit nur einem Standort und in beachtlicher Größe (über 200 Mitarbeiter) neben dem regionalen Platzhirsch Glinicke behauptet, ist der Pannendienst zentraler Bestandteil des Servicegeschäfts – und das von Beginn an.

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„Früher ist noch der Chef selbst zu den Kunden gefahren, um zu helfen. Das ging auf Zuruf“, berichtet Geschäftsführer Jürgen Klein, der das Unternehmen in dritter Generation zusammen mit seinem Cousin Patrick Klein leitet (mit Jürgens Sohn Nico ist auch die vierte Generation in die Geschäftsführung eingezogen). „Heute müssen wir das etwas professioneller organisieren.“

Der Partner der Volkswagen-Marken ist als Assistance-Partner des Konzerns gelistet („die silberne Flotte“) und bekommt deshalb Pannenfälle zugespielt. Zusätzlich fährt man für mehrere Automobilklubs, darunter seit letztem Jahr auch für den ADAC („die gelbe Flotte“). Nicht weniger als 15 Mitarbeiter sind für den Pannendienst tätig, sie nutzen dafür zehn Fahrzeuge.

Im Pannendienst hat das Autohaus Hermann Klein zwei Ansprüche an sich selbst, die – so hört man heraus – wohl nicht für alle Anbieter in diesem Markt gelten: „Unsere Ablehnungsquote beträgt null Prozent“, betont Kai Petersen, stellvertretender Abteilungsleiter Notdienst. Das heißt: „Kein Kunde wird abgewiesen.“ Normal seien hingegen Ablehnungsquoten von 15 bis 20 Prozent.

Und: Die liegengebliebenen Fahrzeuge werden nicht nur von der Straße geholt und dann in den normalen Werkstattprozess eingetaktet, was eben auch mal zwei Wochen dauern kann. Nein, die Autos sollen sofort repariert werden, damit die Besitzer ihre Reise fortführen können.

Automotive Business Award 2026: Die Gewinner
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Wie soll das gehen angesichts der Unvorhersehbarkeit der Pannenfälle? Es ist eine strategische Entscheidung bei Hermann Klein, die entsprechenden Pufferzeiten vorzuhalten und damit im Extremfall eine Unterauslastung in Kauf zu nehmen, wenn wenig Fahrzeuge eingebracht werden. So wie am Tag des Jurybesuchs, dem Montag nach den Osterferien. Hier hatten die Fuldataler angesichts der Rückreisewelle mit vielen Pannenfällen gerechnet und die Werkstatt entsprechend freigehalten – und dann waren, vielleicht wegen der hohen Spritpreise, doch viel weniger Autos unterwegs als gedacht. Als Familienunternehmen, das nicht ausschließlich zahlengetrieben agiert, nimmt Hermann Klein solche Tage in Kauf.

Das Projekt: Notdienst & Express-Service 2.0

Das heißt nicht, dass sich das Pannendienstgeschäft nicht rechnen muss. Deshalb haben die Nordhessen mit „Notdienst & Express-Service 2.0“ einen digitalen Prozess entwickelt, um diese Fälle möglichst effizient abzuwickeln. Das soll vor allem den Kunden eine schnelle Weiterreise ermöglichen, aber auch dem Autohaus bei der Werkstattplanung helfen und die Kosten senken.

Und so funktioniert es: Die Pannendienstfahrer sind allesamt Kfz-Mechatroniker oder sogar -Meister und nehmen direkt vor Ort eine Fehlersuche vor. Fahrzeugdaten, Fehlerbild und die nötigen Ersatzteile werden digital in den Betrieb übermittelt, wo das Fahrzeug direkt in die Werkstatt eingeplant wird. Ersatzteile werden bereitgelegt oder bestellt, sodass die Reparatur bei Eintreffen des Fahrzeugs im Idealfall sofort beginnen kann.

Als Softwarebasis für das Geschäftsfeld dient eine sehr einfache Lösung: Microsoft Teams. Zu Beginn hatte das Autohaus sein Pannendienstgeschäft auf einem anderen Kommunikationstool aufgebaut, aber das wurde vom Hersteller eingestellt – etwas, das bei Teams wohl nicht zu befürchten ist. Und so sind jetzt alle Beteiligten am Pannendienstprozess Mitglied einer Teams-Gruppe, die Fahrer können Daten und Bilder ganz einfach vom Smartphone aussenden, jeder hat den gleichen Informationsstand.

Mit dieser stringenten Planung und dem stetigen Zufluss an Fahrzeugen ist der Pannendienst ein wichtiges Geschäftsfeld für das Autohaus Hermann Klein geworden. Während andere Markenbetriebe zurückgehende Auslastung und schrumpfende Erlöse im Servicegeschäft beobachten, wachsen die Fuldataler: Die Werkstatt wurde um sieben Bühnen erweitert, das Personal um drei Mechatroniker aufgestockt. Ein neuer Serviceberater, der von einer freien Werkstatt kam, kümmert sich ausschließlich um die Notdienstkunden.

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Für 2026 rechnet Geschäftsführer Hermann Klein mit 4.000 verkauften Stunden mehr und einem Umsatz von 800.000 Euro durch den Notdienst. Und über sehr gute Bewertungen (4,8 von 5 Sternen etwa bei Google). Denn Pannenkunden sind besonders dankbar, wenn sie schnelle Hilfe bekommen. „In der Notsituation zeigt sich, wer der wahre Freund ist“, philosophiert der Chef, wird aber sofort wieder nüchtern-professionell: „Der Notdienst ist kein Einzelfall, sondern ein standardisierbarer Prozess.“ Wenn man es so konsequent macht wie das Autohaus Hermann Klein, das dafür beim Automotive Business Award – passenderweise im Jahr seines 60. Unternehmensjubiläums – als Gewinnerbetrieb ausgezeichnet wurde.

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