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Hoots entwickelt nachrüstbares Diagnosetool für Oldtimer

| Autor: Steffen Dominsky

Oldtimer sind schön. Und stets auch wertvoll. Genau deshalb bewahrt das kleine Dresdner Start-up „Hoots“ die Eigentümer klassischer Fahrzeuge vor teuren Defekten. Wie? Indem sie das erste Diagnosesystem zum Nachrüsten für Oldtimer erfunden haben.

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Frank Hermsdorf (v. li.), Matthias Lange und Henry Kutz von Hoots haben ein Diagnosesystem für Oldtimer entwickelt.
Frank Hermsdorf (v. li.), Matthias Lange und Henry Kutz von Hoots haben ein Diagnosesystem für Oldtimer entwickelt.
(Bild: Hoots)

Ja, diese sogenannten Start-ups: Da haben ein paar (junge) Kerle irgendeine abgefahrene Idee, nehmen bereitwillig das sauer verdiente Geld Fremder an, nur um es dann in Form eines oft nur auf den ersten Blick erfolgversprechenden Projekts im Zeitraffer zu verbraten. – Willkommen im Club der Vorurteile! Denn dass bei diesen „Anlauf-Unternehmen“ im Allgemeinen durchaus auch Sinnvolles und im Besonderen für Oldtimer sogar Relevantes rumkommen kann, das zeigt des Beispiel von „Hoots“ aus Dresden.

Hinter Hoots stecken die drei Jungs Frank Hermsdorf (Kfz-Technik), Henry Kutz (Verbrennungsmotoren) und Matthias Lange (IT). Ersterer hatte eines Tages eine ziemlich schlechte Erfahrung mit seinem Oldie machen müssen. Frisch restauriert ging es an den ersten Start des Motors. Bereitwillig sprang der Sechszylinder an. Was er jedoch nicht tat, so wie es sich für jeden guten Motor gehört, war, auch Öl an bedürftige Stellen zu pumpen. Genau das vereitelte ein hängender Öldruckregelkolben. Noch keinen Meter gefahren quittierte die Maschine prompt nach wenigen Minuten den Dienst. Bitter!

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Dabei besitzt der Opel Commodore immerhin eine Öldruckwarnlampe, die bei diesem Problem nur leider wenig nutzte. „Ältere Autos wie zum Beispiel unsere amerikanischen Vorkriegswagen, die wir besitzen beziehungsweise an denen wir schrauben, haben nicht mal die. Von einer Temperaturanzeige und anderem ganz zu schweigen“, weiß Frank Hermsdorf zu berichten.

Anders bei modernen Autos: Hier informiert neben einer Vielzahl von Lämpchen und Instrumenten die bekannte Onboarddiagnose sowohl Werkstätten als auch den Fahrzeugbesitzer über Wichtiges und Alarmierendes. Gerade die aktuelle Dongletechnologie in Verbindung mit einem Smartphone ermöglicht es dem wissbegierigen Automobilisten, das aktuelle Wohl und Wehe seines Schätzchens live und selbst abzufragen. Darüber hinaus ist die moderne Technik in der Lage, wichtige Fahrzeugparameter aufzuzeichnen, die der Profi beziehungsweise eben der ambitionierte Amateur auswerten und so schleichende Probleme frühzeitig aufdecken kann.

Den Verschleiß stets im Blick

„Wie, die Wassertemperatur war bei identischen Umgebungsbedingungen sonst stets niedriger?“ „Ach, der Öldruck im Leerlauf sinkt seit einer gewissen Zeit kontinuierlich ab?“ Genau solche und vergleichbare Erkenntnisse sind gerade für die Besitzer historischer Fahrzeuge extrem wertvoll. „Ein Diagnosesystem, ähnlich dem der OBD, genau das wär’s!“, dachten sich die drei Dresdner. Das Ganze, Stichwort Smartphone, bequem mittels solchem abzulesen und auszuwerten, ohne mit irgendwelchen modernen Instrumenten klassische Armaturenbretter verschandeln, „kilometerlange“ Leitungen verlegen sowie „monströse“ Geber und Sensoren in den Motorraum pflanzen zu müssen.

Und weil ein entsprechendes System am Markt nicht verfügbar war, machten sich Frank, Henry und Matthias kurzerhand daran, ein solches selbst zu entwickeln. Zwar gab es bereits diese oder jene „Einzellösung“, doch keine konnte die Maschinenbauingenieure und den IT-Experten auch nur ansatzweise überzeugen. Eine der Hauptnachteile existierender Konzepte: Sie basierten allesamt auf klassischer Analog- oder Digitaltechnik. Zusätzliche Sensoren einfach und flexibel hinzuzufügen, ist bei ihnen in der Regel nicht möglich. Zudem setzen die Systeme auf handelsübliche Geber. Die sind oft verhältnismäßig groß, fallen also im Motorraum sofort ins Auge – nicht zwingend schlimm, aber auch nicht schön.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group