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IAA 2019: Ärger zur offiziellen Eröffnung

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Die Messe ist in der Krise, die Autobranche im Wandel. Nun will die Bundesregierung die Grundlagen schaffen für das Auto der Zukunft. Dass es noch einige Steine aus dem Weg zu räumen gibt, zeigt eine Posse um eine Eröffnungsrede zur IAA an diesem Donnerstag, die letztlich nicht gehalten wurde.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier eröffneten am Donnerstag offizielle die Automesse IAA 2019 (Archivbild von 2017).
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier eröffneten am Donnerstag offizielle die Automesse IAA 2019 (Archivbild von 2017).
(Bild: Messe Frankfurt)

Inmitten wachsender Zweifel an automobilen Auswüchsen, an der Zukunftsfähigkeit des Messekonzepts IAA Pkw und echtem Veränderungswillen in der Branche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag gemeinsam mit der Führung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) die Neuheitenmesse in Frankfurt offiziell eröffnet. Sie habe sich überzeugen können, „dass wir nicht vor einem Umbruch stehen, sondern dass dieser Umbruch bereits Realität ist“.

Angesichts des beherrschenden Themas der Messe, der Elektromobilität, sprach sie sich für einen schnellen Ausbau der Infrastruktur aus. Der Umbruch in der Mobilität sei eine „Herkulesaufgabe“ für Staat und Industrie gleichermaßen, bei der eng zusammengearbeitet werden müsse, sagte sie. Einerseits müsse der Verkehrssektor schnell klimafreundlicher werden. Andererseits sei die Verlässlichkeit der Ladeinfrastruktur für den Erfolg der Elektromobilität von größter Bedeutung. 20.000 Ladepunkte seien noch lange nicht ausreichend.

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Neben der Elektromobilität betonte sie, auch die Digitalisierung im Blick zu halten. Konkret soll bis 2022 entlang aller Autobahnen der neue Mobilfunkstandard 5G zur Verfügung stehen, und zwei Jahre später auch entlang der Bundesstraßen. Die Technologie ist wichtig für neue digitale Funktionen in den Autos.

Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, wandte sich gegen eine Verschärfung der bereits geltenden Klimaziele. Zunächst müsse das erledigt werden, was vereinbart worden sei. Während die Industrie Technologien zur Verfügung stelle, halte die notwendige Infrastruktur für alternative Antriebe nicht mit. Mattes nannte den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Lade-Infrastruktur und den Netzausbau als Beispiele.

Allerdings ist gleichzeitig fraglich, ob denn die IAA selbst ihre Hausaufgaben gemacht hat. Schließlich steht die Messe selbst nach zahlreichen Absagen früherer Aussteller massiv unter Druck. Ein Vertrag zur Fortsetzung in den kommenden Jahren besteht nicht, wie VDA und Messe Frankfurt bestätigen. Umweltaktivisten wollen am Wochenende massiv gegen die Klimabelastung durch das Auto protestieren, wenn die Messe ihre Tore für die breite Öffentlichkeit öffnet.

Trotz der Ergänzung des Formats um Gesprächsrunden und Kongressangebote wird unter Herstellern und Veranstaltern ein neues Messekonzept mit wechselnden Veranstaltungsorten wie beispielsweise Köln oder Berlin diskutiert, wie Branchenkreise am Mittwoch bestätigten. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet. Opel-Chef Michael Lohscheller hatte bereits konkrete Verbesserungsvorschläge. Er will während der Messe die gezeigten Autos auch verkaufen können. Und Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann urteilte sogar: „Die IAA 2019 ist ein großer Reinfall. Sie ist ein trauriger Schatten ihrer selbst. Eine IAA 2021 wird es nicht geben.“

Erste Aktionen der Gegner

Auch die vielen SUV-Premieren, wenn auch elektrisch, werden die Kritik an der Automobilindustrie weiter anheizen. Für das Wochenende sind große Demonstrationen angekündigt. Am Ausstellungsstand von Volkswagen kletterten am Donnerstag zwei Aktivistinnen auf Autos und hielten Plakate mit der Aufschrift „Klimakiller“ hoch. Und während Merkel den BMW-Stand besuchte, wurde ein herannahender Protestler vom Sicherheitsdienst abgefangen und abgeführt.

Das Thema SUV wollte scheinbar auch Frankfurts Oberbürgermeister thematisieren, der traditionell zur Eröffnung gesprochen hatte. In diesem Jahr hatte der amtierende oberste Stadtvertreter Peter Feldmann jedoch keine Redezeit erhalten. Offiziell wird dies seitens des VDA begründet mit einem geänderten Programmablauf, der Oberbürgermeister habe deshalb nie auf der Rednerliste gestanden. Dies sei allerdings „ein Novum“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters.

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Feldmann nun unter der Stadtchef unter der Überschrift „Die nicht gehaltene Rede zur IAA 2019“ sein Redemanuskript. Demnach wollte er den Autovertretern deutlich sagen, dass „Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen braucht, aber nicht mehr SUVs“. Unter anderem wegen des kritischen Inhalts wurde spekuliert, Feldmann sei ausgeladen worden.

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