Igedos kritisiert ungleiche Behandlung

Autor Jan Rosenow

Opels Weigerung, einen Teil der von den Servicepartnern geforderten Investitionen in die CI zu vergüten, war ein wichtiges Thema beim Infotag der Interessengemeinschaft der Opel-Spezialisten.

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Igedos-Vorstand Rolf Höschele
Igedos-Vorstand Rolf Höschele
(Foto: Rosenow)

Die Grippewelle hat große Lücken in das Teilnehmerfeld gerissen, aber trotzdem fanden rund 100 Opel-Servicepartner und –Vermittler den Weg nach Kassel zum Infotag der Igedos, der Interessengemeinschaft der Opel-Spezialisten. Den großen Stellenwert, den der Verband genießt, zeigte sich daran, dass Opel-Vetriebsleiter Jürgen Keller den Partnern je einen nagelneuen Corsa OPC und Karl als Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt hatte. Auch war mit Jürgen Karpinski zum ersten Mal ein ZDK-Präsident bei der Tagung anwesend.

Die Kommunikation und die konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Verband und dem Hersteller ist also gegeben – Meinungsunterschiede gibt es freilich dennoch, berichtete Igedos-Vorstand Rolf Höschele. So sahen die Opel-Partner die Jahresendrally des Rüsselsheimer Herstellers in Sachen Eigenzulassungen mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Opel brauchte gute Nachrichten, und der Sprung auf 7,2 Prozent Marktanteil war so eine Nachricht. Und immerhin lassen sich die Fahrzeuge auch gut wiederverkaufen. Aber trotzdem sollte Opel weg von diesen hohen Eigenzulassungen, und das hat Jürgen Keller ja auch zugesagt.“

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Größter Streitpunkt zwischen Opel und seinen Servicepartnern ist die neue Corporate Identity. Der Hersteller fordert Investitionen in neue Innenausstattung und Außensignalisation. Die Anforderungen klingen zunächst überschaubar: eine neue Servicetheke sowie mehrere Schilder für den Außenbereich. „Doch passt die moderne Theke natürlich nicht zu der vorhandenen Ausstattung, die deshalb ebenfalls modernisiert werden muss. Auch verstehen wir nicht, warum die Partner ein riesiges, beleuchtetes Schild am Gebäude anbringen müssen, während an der Straße nur ein besseres Haltestellenschild stehen soll“, fasst Rolf Höschele zusammen.

Und natürlich geht es auch ums Geld: Erstmals überhaupt weigert sich der Hersteller, seinen Servicepartnern einen Zuschuss zu den auf bis zu 30.000 Euro bezifferten Investitionen zu zahlen, während er das bei den Vertragshändlern weiterhin tut. Eine klare Ungleichbehandlung, die Igedos derzeit durch den Anwalt Prof. Dr. Ensthaler juristisch prüfen lässt. Das Ergebnis ist auch wichtig für die Autorisierten Opel-Vermittler, bei denen die neuen CI-Richtlinien ab 2017 gelten.

Auch das Werkstattgeschäft macht den auf Service spezialisierten Betrieben immer mehr Sorgen. Der Bestand an Opel-Fahrzeugen ist 2014 um 100.000 Einheiten gesunken, die verbesserte Qualität der Neufahrzeuge schlägt sich in zurückgehenden Garantiearbeiten nieder. Wenig hilfreich sind da Querschüsse der Herstellers in Sachen Servicemarketing und Teilepreise. „Ich verstehe nicht, warum Freie Werkstätten bei Opel günstiger Teile einkaufen können als wir selbst. Oder warum Batterien samt Einbau bei Opel so günstig eingepreist sind, dass wir ATU um 20 Euro unterbieten und keinen Cent Gewinn mehr generieren können.“ Das OSKO-Programm, mit dem Opel günstige Komplettangebote im Service macht und damit in Konkurrenz zu Freien Werkstätten und Ketten geht, sei zwar prinzipiell eine gute Sache, benötige aber noch einigen Feinschliff.

Nachdenklich zeigte sich Igedos-Vorstand Rolf Höschele bei der Frage nach den Zukunftsaussichten seiner Mitgliedsbetriebe. Prinzipiell sei das Geschäftsmodell der Vermittler vor allem im ländlichen Raum zwar immer noch richtig. Immer höhere Kosten für die baulichen und die Servicestandards bei zurückgehendem Fahrzeugbestand fräßen die Erträge der Servicepartner aber immer mehr auf. Bei den Vermittlern überlegten viele, ob sich das Geschäft bei nur wenigen Dutzend verkauften Autos pro Jahr überhaupt noch lohne. Höschele fürchtet deshalb, dass in den nächsten Jahren „eine stattliche Anzahl“ von Opel Service Partnern (OSP) und Autorisierten Opel Vermittlern (AOV) das Netz verlassen könnten. Das ist weder für Igedos noch für Opel eine gute Nachricht.

Weitere Redner auf dem Opel-Infotag waren Rechtsanwalt Joachim Otting, der den Teilnehmern interessante Informationen zur Frage „Unfallfrei oder nicht“ bei Gebrauchtwagen gab, und ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann, die in ihrem Referat die prinzipiellen Herausforderungen des Fabrikatshandels darstellte. Dabei skizzierte sie unter anderem mögliche Reaktionen von Handel und Verband auf den Internetvertrieb, den Margenverfall und die Einführung von E-Call. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski forderte eine Stärkung des Handels und kritisierte das fragwürdige Geschäftsgebaren der Werkstatt-Kette ATU mit ihren Dumpingpreisen. Seitens Opel stellten Serviceleiter Wolfram Knobling und sein Kollege Bernhard Plesker die Modellhighlights und die Servicestrategie des Jahres 2015 vor.

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