Kraftstoffpreise Inflationsbereinigte Preise sind gar nicht so teuer

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Der April wird voraussichtlich der teuerste Tankmonat aller Zeiten sein. Doch im Zusammenhang mit der allgemeinen Preisentwicklung ist die Lage weniger dramatisch. Gleichzeitig verschärft sich die globale Energiekrise.

Die Preise für Kraftstoffe sind hoch, aber inflationsbereinigt noch nicht auf den bisherigen Höchstständen.(Bild:  Grimm – VCG / mit KI bearbeitet)
Die Preise für Kraftstoffe sind hoch, aber inflationsbereinigt noch nicht auf den bisherigen Höchstständen.
(Bild: Grimm – VCG / mit KI bearbeitet)

Millionen Autofahrer ächzen unter den hohen Spritpreisen. Sowohl bei Benzin als auch bei Diesel wird der April voraussichtlich der teuerste Monat aller Zeiten sein, wie sich aus Daten des ADAC abschätzen lässt. In der Spitze war Diesel so teuer wie nie, Superbenzin verpasste seinen Rekord aus dem Jahr 2022 nur knapp. Doch inflationsbereinigt sind die Preise nicht mehr so außergewöhnlich.

Blickt man rein auf die Zahl, wird der April zum Rekordmonat. Für die ersten 29 Tage gibt es Durchschnittspreise, die der ADAC errechnet hat. Ihr Durchschnitt liegt für Superbenzin der Sorte E10 bei rund 2,11 Euro pro Liter, für Diesel bei rund 2,27 Euro. Beides wären klare Rekorde. Die bisherigen Höchststände liegen bei 2,07 Euro für E10 im März 2022 und 2,16 Euro für Diesel im vergangenen März. Damit müsste der Preis am letzten Tag des April extrem abstürzen, um neue Rekorde zu verhindern. 

Doch um die Inflation bereinigt, sieht es anders aus: Denn nicht nur Kraftstoffe sind deutlich teurer geworden, sondern auch andere Waren und Dienstleistungen. So war das allgemeine Preisniveau im April gut 25 Prozent höher als im Durchschnitt des Jahres 2020, wie sich aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes errechnen lässt.

Diesel inflationsbereinigt bei 1,81 Euro

Rechnet man also die Spritpreise im April dementsprechend auf das allgemeine Preisniveau des Jahres 2020 um, sind es für E10 nur noch 1,68 Euro pro Liter, für Diesel 1,81 Euro. 

Autofahrer, die jetzt mehr als 100 Euro für eine Tankfüllung ausgeben, wird das kaum trösten. Sie können allerdings auf den Tankrabatt ab 1. Mai hoffen und auf die Preisentwicklung im Verlauf des April schauen. Zuletzt lagen die Preise ein gutes Stück unter den Höchstständen rund um Ostern. 

Gemessen an der allgemeinen Preisentwicklung sei der Sprit in den 2010er-Jahren „kontinuierlich billiger geworden“, betont Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „Dann kamen die zwei Preisschübe, in der Energiekrise nach Russlands Überfall und jetzt. Aber noch zur Jahreswende lagen die preisbereinigten Spritkosten mehr als zehn Prozent unter dem Niveau von Anfang der 2010er.“

Berücksichtige man nun noch, „dass die Kaufkraft zugelegt hat und der Spritverbrauch pro PS rückläufig war, relativiert sich die effektive Belastung der Autofahrer stark“. Das werfe die Frage auf, warum die Politik „so schnell das Scheckbuch zückt“.

Globale Energiekrise verschärft sich

Allerdings könnte sich die Lage durchaus verschärfen. Denn nach Ansicht des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat sich die Befürchtung der weltweit größten Energiekrise der Geschichte angesichts des Iran-Kriegs bestätigt. „Die Öl- und Gasmärkte befinden sich in großen Schwierigkeiten.“ Neben Öl und Gas seien auch Düngemittel, die für Entwicklungsländer sehr wichtig sind, sowie Petrochemikalien von Lieferengpässen betroffen.

„Unsere Welt steht also vor einer großen energie- und wirtschaftspolitischen Herausforderung“, erklärte Birol. Eine der Fragen sei, wie sich diese Energiekrise auf die Energiewirtschaft und darüber hinaus auf Umweltfragen auswirken werde. Die Krise führe zu umfassenden Reaktionen der Länder, was die Wahl der Partner, Technologien und Kraftstoffe betrifft, und es werde sich zeigen, wie sich diese Reaktionen auf die weltweiten Emissionen auswirkten.

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