Leasingplattform Insolvenz statt Übernahme: Vehiculum gerät ins Schleudern

Autor: Christoph Seyerlein

Mit seiner durchgängigen Online-Vertragsstrecke gilt Vehiculum als Vorreiter im digitalen Kfz-Handel. Dennoch stecken die Berliner in großen Schwierigkeiten. Was dazu geführt hat, dass sie nun sogar einen Insolvenzantrag gestellt haben.

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Vehiculum lockt Kunden mit günstigen Leasing-Angeboten.
Vehiculum lockt Kunden mit günstigen Leasing-Angeboten.
(Bild: Vehiculum)

Mit Leasing-Vermittlungsangeboten für Neuwagen und einer kompletten Online-Abwicklungsstrecke hat sich das Berliner Start-up Vehiculum seit 2015 einen Namen gemacht. Nun steht die Zukunft des Unternehmens auf der Kippe. Laut dem Amtsgericht Charlottenburg haben die beiden Gründer und Geschäftsführer Lukas Steinhilber und Melchior Bauer am Montag (27. September) einen Insolvenzantrag gestellt.

Der Schritt kommt überraschend, galt Vehiculum zuletzt doch vor allem als Übernahmekandidat. Als heißester Interessent wurde die Mein-Auto-Gruppe gehandelt. Zu einem Abschluss haben die Gespräche mit potenziellen Investoren aber nicht geführt, wie der nun eingesetzte Insolvenzverwalter Torsten Martini von der Kanzlei Leonhardt Rattunde im Gespräch mit »kfz-betrieb« erklärte.

Chipmangel macht Vehiculum zu schaffen

Neben den gescheiterten Investorengesprächen setzte Vehiculum im Tagesgeschäft laut Martini zuletzt die angespannte Liefersituation in der Autobranche zu. Die Industrie kann wegen fehlender Halbleiter nicht wie gewünscht produzieren. Das sorgt im Handel für teils lange Wartezeiten. Schlechte Voraussetzungen für eine Plattform, die Kunden möglichst unkompliziert und schnell zu ihren neuen Leasingfahrzeugen verhelfen will.

Für die Berliner arbeiten nach früheren Angaben rund 120 Beschäftigte. Deren Gehälter sind für bis drei Monate durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert, erklärte Martini. Er selbst wolle sich nun erst einmal ein genaueres Bild von der Lage verschaffen, da er mit dem Fall erst seit Montag befasst sei. Eine Option die der Insolvenzverwalter ausloten will, ist die Wiederaufnahme von Gesprächen mit möglichen Investoren unter den neuen Voraussetzungen.

Vor rund einem Jahr hatte das Unternehmen erklärt, dass über die eigene Plattform seit Anfang 2019 eine fünfstellige Zahl an Leasingverträgen abgeschlossen worden sei. 80 Prozent davon stammten aus dem Gewerbekundengeschäft, der Rest von Privatkunden. CEO Lukas Steinhilber wollte Vehiculum nach eigenen Angaben „zu einem führenden deutschen Tech-Unternehmen“ und der „ersten deutschen Plattform für monatsbasierte Mobilität“ formen.

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility