Den Wechsel führten Vater und Sohn schnell und direkt durch. Der Vater zog sich von einem Tag auf den anderen aus der operativen Führung des Unternehmens zurück und überließ sie seinem Sohn. Damit wussten auch die Mitarbeiter, an wen sie sich zu halten hatten. Zu oft hatte Sven Brust die Probleme gesehen, die in Firmen entstehen, wenn ein Generationswechsel nur halbherzig durchgeführt wird.
Der bisherige Chef möchte weiter regieren und trifft oft völlig anderslautende Entscheidungen als der neue. In vielen Fällen reagieren die Mitarbeiter auf solche Verhältnisse mit der inneren Kündigung. Damit musste Sven Brust nicht kämpfen, denn sein Vater ließ ihm völlig freie Hand, auch bei der notwendigen Umorganisation des Autohauses. Günter Brust blieb aus formalen gründen neben seinem Sohn Geschäftsführer des Unternehmens. Die wirkliche Entscheidungsgewalt lag nun bei seinem Sohn.
Schwerer Start
Ganz einfach war der Anfang für den Sohn dennoch nicht. Deswegen ist Brust froh, dass er sich vorher das notwendige Rüstzeug außerhalb des Unternehmens erarbeiten konnte. Heute sagt er: „Ich wäre viel zu jung und unerfahren gewesen, wenn ich direkt nach dem Studium eingestiegen wäre.“
Er fand den Betrieb in keinem guten Zustand vor. Durch seine gesundheitlichen Probleme hatte sein Vater nicht mehr die intensive Präsenz im Unternehmen, die notwendig gewesen wäre. Die größte Baustelle war der Gebrauchtwagenhandel. Sven Brust setzte seinen Bruder Thomas als Gebrauchtwagenverantwortlichen ein, der durch ein vernünftiges Gebrauchtwagenmanagement schnell für bessere Erträge sorgte.
Von einigen Mitarbeiter musste Brust sich damals trennen; auch die Positionen der Führungsmannschaft besetzte er neu. Im Rückblick sagt er: „Den Schritt, den Betrieb zu übernehmen, bereue ich überhaupt nicht, aber ich hätte mir damals das Personal noch genauer ansehen sollen.“
Eigener Stil
Wichtig ist ihm, Verantwortung auf die handelnden Personen zu delegieren. Deshalb tragen die Hauptabteilungsleiter im Autohaus die volle Zuständigkeit für Personal und Ergebnis in ihrem Bereich. Sie erhalten vierteljährliche Boni, die abhängig sind von der Leistung ihrer Abteilung.
Zu Zeiten seines Vaters war das Autohaus Pirna stark servicelastig ausgerichtet gewesen. Das änderte der Sohn bald, indem er den Marketingauftritt frischer und moderner gestaltete. Der Verkauf spielt heute eine wichtige Rolle im Unternehmen. Brust schränkt aber ein: „Mir sind nicht die Stückzahlen wichtig, sondern die Qualität der Geschäfte muss stimmen.“
Goethe als Vorbild
Für die Zukunft hat Brust viele Ideen. Sie laufen alle auf ein Ziel hinaus: Er möchte Platzhirsch in Pirna werden und der attraktivste Arbeitgeber im Ort sein. Denn er ist überzeugt davon, dass er nur dann erfolgreich sein kann, wenn er in seinem Haus eine hochmotivierte Mannschaft hat. Als seinen persönlichen Leitspruch hat er sich einen Satz von Goethe ausgesucht: „Harte Arbeit, frohe Feste sei dein ewig Zauberwort.“
Er betont damit, dass er als ehemaliger Leistungssportler weiß, dass Höchstleistungen im sportlichen wie auch im beruflichen Sinne nur durch eine ideale Kombination aus Anspannung und Entspannung entstehen können. Er ist überzeugt, dass zum Erfolg nicht nur die Arbeit, sondern auch das Privatleben gehört. Außerdem sagt er: „Die meisten guten Ideen und Visionen habe ich eigentlich nie im operativen Stress entwickelt. Sie entstanden meist in den Stunden mit meiner Familie oder während meinen sportlichen Betätigungen.“
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