Junior Award: Gelungene Autohaus-Nachfolge
Viele Wege standen Sven Brust im VW-Konzern offen. Er trat die Nachfolge im elterlichen Autohaus in Pirna an. Die Jury wählte ihn aufgrund seiner Leistungen auf den dritten Platz des Junior Award.
Die Sterne standen günstig und die Karriere lockte. Für Sven Brust, Assistent des ehemaligen Volkswagen-Vertriebsvorstands Dr. Georg Flandorfer, gab es viele Chancen im Konzern. Aber da war auch der elterliche Betrieb: das Volkswagen- und Audi-Autohaus im sächsischen Pirna bei Dresden. Brust hatte seinem Vater immer gesagt, dass er nicht zurückkommen würde. Und dieser hatte ihn nie gedrängt, den Betrieb zu übernehmen.
Dafür ist Brust ihm heute dankbar: „So konnte ich meinen eigenen Weg gehen.“ Die Aufgaben beim Hersteller reizten ihn viel mehr. Und da gab es auch noch seine Freundin, die in Norditalien lebte. Der Weg von seinem damaligen Arbeitsplatz bei Audi in Ingolstadt nach Italien war schließlich viel kürzer als der von der sächsischen Hauptstadt aus. Kurz, Brust hatte seine Lebensplanung genau vor Augen, und ein mittelständisches Autohaus in Pirna kam darin nicht vor.
Kindheit im Autohaus
Dabei hatte ihn der elterliche Betrieb von kleinauf begleitet. So etwas prägt. In den Ferien und manchmal am Wochenende arbeitete Sven Brust in der Werkstatt und verkaufte auch mal Autos. Sein Schülerspraktikum leistete er im elterlichen Betrieb ab. Nach der Schule studierte er dann Betriebswirtschaft an der Dresdner Universität. So manches Mal nahm er das Auto eines Freundes mit in die Werkstatt und reparierte es. So durchlief er im Laufe der Jahre alle Abteilungen des Autohauses und lernte das Unternehmen im Detail kennen.
Eine besondere Erfahrung war das halbjährige Praktikum, das sein Vater ihm bei Audi of America in Detroit verschafft hatte. Danach war für ihn klar, dass er nach Abschluss seines Studiums bei Audi arbeiten wollte. Er schrieb seine Diplomarbeit bei dem Hersteller und fing, nachdem er sein Studium im Jahr 2000 beendet hatte, zunächst als Sachbearbeiter im Bereich Kundenbetreuung an.
Karriere im Konzern
Zwei Jahre später wechselte er zur Abteilung Vertrieb Export und war zuständig für die Preisgestaltung in Nordamerika. Danach konnte er sich um das amerikanische Händlernetz kümmern, bis er als Sales Manager Skandinavien Verantwortung für die Märkte in Norwegen, Finnland und Island übernahm. 2004 holte ihn schließlich Dr. Flandorfer zu sich als Vorstandsassistenten. Viele weitere Pläne und Ziele geisterten durch Brusts Kopf.
Aber dann kam es doch ganz anders. Dem Vater ging es gesundheitlich nicht mehr gut, und er wollte die Nachfolge regeln. Noch einmal fragte er seinen Sohn, und diesmal sagte Sven Brust zu und hängte die Karriere im Konzern an den Nagel. Auch seine Freundin war bereit, von Italien nach Sachsen umzuziehen. Er sagt: „Letztendlich war es keine schwere Entscheidung. Innerlich wusste ich es wohl schon lange.“
Rückkehr nach Sachsen
Das Autohaus Pirna war zu DDR-Zeiten eine sogenannte PGH, eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks, die Vater Brust leitete. Die Mutter war in der Buchhaltung des Betriebs tätig. Mit der Wende wurde aus der PGH eine GmbH mit vier Gesellschaftern. Drei von ihnen waren als Abteilungsleiter tätig, der vierte, Vater Günter Brust, übernahm als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung des Unternehmens. 2005 schieden die drei anderen Gesellschafter aus Altersgründen aus und auch Günter Brust plante für sich den Rückzug. Die Karten wurden neu gemischt. Zum ersten Oktober 2006 übernahm Sven Brust als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung des Betriebs. Heute hält er 60 und sein Vater 40 Prozent der Geschäftsanteile.
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:320312)