Karpinski: „Wir drehen ein großes Rad“

Autor / Redakteur: Werner Degen / Johannes Büttner

Jürgen Karpinski wurde am 13. Juni zum neuen Präsidenten des ZDK gewählt. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte wird die Berufsbildung sein. Der Chefredakteur der Ausbildungsmagazine »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN« befragte ihn zu seinen Zielen.

Firmen zum Thema

Jürgen Karpinski wurde am 13.6. zum ZDK-Präsidenten gewählt.
Jürgen Karpinski wurde am 13.6. zum ZDK-Präsidenten gewählt.
(Foto: ZDK)

Die Mitgliederversammlung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat Jürgen Karpinski am 13. Juni in Bremen mit klarer Mehrheit zum neuen Präsidenten. Karpinski folgt damit Robert Rademacher im Amt, der nach drei Wahlperioden nicht mehr zur Wiederwahl angetreten war. Berufsbildung wird einer der Arbeitsschwerpunkte Karpinskis sein. Vogel Business Media sprach mit ihm über seine kurz- und mittelfristigen Ziele.

Redaktion: Das Hauptaugenmerk der Betriebsinhaber und Ausbilder liegt darauf, die passenden Auszubildenden zu finden. Dazu müssen sie die Jugendlichen über die Ausbildungsberufe informieren. Werden Ihrer Meinung nach hier bereits alle Möglichkeiten hinreichend genutzt?

Jürgen Karpinski: Der ZDK und die Gemeinschaftsinitiative „Autoberufe – Mach deinen Weg!“ informieren regelmäßig sowohl Lehrer, Berufsberater und Ausbilder als auch Eltern und Schüler. Mit der ZDK-Fortbildungsreihe für überbetriebliche Ausbilder werden jährlich etwa 500 Ausbilder erreicht. Hinzu kommen Informationstage für Lehrer, Berufsberater und Eltern. Und die Schüler werden mit umfangreichem Onlineangebot dort abgeholt, wo sie sich tummeln: im Netz. Wir drehen also ein großes Rad, um den Nachwuchs für uns zu begeistern.

Tun auch die Betriebe genug, um die einzelnen Facetten der Berufsbilder vor Ort erlebbar zu machen?

Die meisten Kfz-Betriebe wissen um die Bedeutung des Themas Nachwuchsgewinnung, und sie werden alle Register ziehen, um erfolgreich zu sein. Das schließt aber nicht aus, dass es an der einen oder anderen Stelle noch Verbesserungspotenzial gibt.

Die Initiative „Autoberufe – Mach Deinen Weg!“ hat eine Handlungshilfe zu Betriebspraktika speziell für Kfz-Betriebe entwickelt. Wie bewerten Sie das Instrument Betriebspraktikum?

Das Praktikum ist ein ganz wichtiges Element, um geeigneten Nachwuchs zu finden. Der Betrieb kann dadurch einschätzen, ob aus Praktikanten später erfolgreiche Auszubildende werden könnten. Und die Schüler lernen den Betrieb und die Abläufe kennen und können sich ihrerseits ein Bild über ihren möglichen Arbeitsplatz machen.

Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, ist eine systematische Bewerberauswahl von entscheidender Bedeutung. Müssen die Inhaber diesbezüglich nicht intensiver geschult werden?

Wir haben die niedrigste Abbrecherquote im Handwerk. Die Ausbildungsbetriebe sind über die Bedeutung der Einstellung eines Azubis gut informiert, und vor allem nutzen sie das Instrument des Betriebspraktikums. Außerdem bieten wir einige Hilfsmittel für die Betriebe zu Bewerberauswahl etc.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 19 Bildern

Die demografische Entwicklung macht es den Betrieben in Zukunft immer schwerer, freie Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Verlieren wir das Rennen gegen die Demografie, oder haben wir Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Ganz klar stellt diese Entwicklung uns im Kfz-Gewerbe, aber auch alle anderen Branchen vor große Herausforderungen. Deshalb gilt es mit Unterstützung der Initiative „Autoberufe“ alle Register zu ziehen, um die bisher gute Position der Kfz-Berufe mit dem Mechatroniker an der Spitze der beliebtesten Ausbildungsberufe im Handwerk zu festigen.

Mit E-Learning-Angeboten und diversen Incentives könnte sich das Kfz-Gewerbe von anderen Ausbildungsberufen abheben. Haben Sie den Eindruck, dass das schon bei allen Betrieben angekommen ist?

Eigene Ausbildungsprogramme können in der Regel nur die großen Automobilhandelsgruppen umsetzen, und sie tun dies auch. Darüber hinaus bietet zum einen die Initiative „Autoberufe“ und zum anderen auch die Abteilung Berufsbildung im ZDK fachgerechte Unterstützung.

Was sind Ihrer Auffassung nach generell die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Aus- und Weiterbildung?

Die Auszubildenden fordern und fördern, im Betrieb den Erfolgsfaktor „Leistung“ vorleben, nach der Ausbildung Perspektiven eröffnen und kommunizieren.

(ID:42743614)